Wolfratshausen: Das Abseitige salonfähig machen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 27.09.2020, 12:11 (vor 359 Tagen)

Der TV-Journalist Dirk Steffens hat wissenschaftlich abseitigen Ansichten in den Medien eine klare Absage erteilt. Ebenso US-amerikanische Gerichte, die von der gleichwertigen Gegenüberstellung anerkannter und abseitiger wissenschaftlicher Ansichten anlässlich von Anhörungen mehrheitlich absehen.

Doch im bayerischen Wolfratshausen hat ein alteingesessener Mobilfunkgegner einen neuen Weg gefunden, abseitigen Meinungen zum "Risiko Mobilfunk" eine Bühne zu verschaffen: Mit einer Unterschriftensammlung zwingt er die Gemeinde, eine öffentliche Bürgerversammlung über angebliche Risiken von 5G abzuhalten. Nur 375 Unterschriften aus der gut 17'000 Einwohner zählenden Gemeinde wären dazu nötig gewesen. Hans Schmidt legte 480 vor, berichtet der Merkur. Damit die Bühne für das Abseitige glaubwürdiger wirkt, darf ein Referent 5G auch verteidigen. Oberflächlich betrachtet ist diese Ausgewogenheit fair, tatsächlich ist sie es jedoch nicht, denn das Abseitige dürfte nicht gleichwertig neben dem Anerkannten auftreten, gefühlt müssten mindestens drei Referenten die anerkannte wissenschaftliche Meinung vertreten, nur einer die abseitige.

Erst so würde das tatsächliche wissenschaftliche Kräfteverhältnis korrekt abgebildet. So aber wird es nicht kommen. Ein rhetorisch geschickter Schwurbler, der den Bauch der Zuhörer mit pseudowissenschaftlichem populistischem Gerede adressiert, wird in Wolfratshausen wahrscheinlich den Referenten der Gegenseite in die Tasche stecken, wenn dieser nur mit trockenen Sachargumenten zugunsten 5G dagegen hält. Dass es auch anders geht, zeigte vor gut zehn Jahren einmal ein gewitzter Referent der Telekom anlässlich einer "Informationsveranstaltung" in München. Er konterte Behauptungen seiner beiden Kontrahenten mit geistreichen witzigen Kommentaren und hatte bald die Lacher auf seiner Seite. Die schwurbelnde Gegenseite konnte nur mürrisch dreinschauen. Sein rhetorisches Talent blieb (leider) nicht folgenlos, der Mann wurde von der Politik auf einen einflussreichen Posten nach Mecklenburg-Vorpommern abgeworben.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Schmidt, Wolfratshausen, Pseudowissenschaft, Kommunalpolitiker, Bürgerversammlung, Alpenvorland


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