Fast keine Studien für Frequenzen um 26 GHz: wirklich? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 09.09.2020, 00:30 (vor 821 Tagen) @ H. Lamarr

Ich wüsste jetzt keinen Grund, warum Frequenzen ausgerechnet "um 26 GHz herum" eine unbekannte spezifische Wirkung auf den Körper haben sollten, die bei tieferen Frequenzen und bei höheren von 30 GHz bis 100 GHz, die bereits erforscht sind, nicht auftreten. Der Mr. Hyde in mir meldet sich prompt mit einem bösen Verdacht zu Wort, warum der Niederländische Gesundheitsrat jetzt speziell den 26-GHz-Bereich erforscht sehen möchte: Damit kann der Rat über ein paar Jahre hinweg ein paar Kollegen mit Arbeit versorgen. Wobei das Ergebnis mMn schon jetzt feststeht und keine unangenehmen Überraschungen parat hat. Dem Dr. Jekyll in mir will dazu momentan keine plausible Entgegnung einfallen :-).

In Teil 2 der niederländischen Trilogie des Gesundheitsrates meine ich des Rätsels Lösung gefunden zu haben.

Dort heißt es auf Seite 26 (übersetzt mit Google-Translator):

Der Ausschuss kann die Frage nicht beantworten, ob die Exposition gegenüber den 5G-Frequenzen tatsächlich ein Gesundheitsrisiko darstellt, da zu wenig über die Exposition bekannt ist. Der Ausschuss prüfte daher, ob es Hinweise darauf gibt, dass elektromagnetische Felder mit den Frequenzen 5G gesundheitsschädlich sein können. Dies war für keine der untersuchten Krankheiten oder Zustände wahrscheinlich oder bewiesen, kann jedoch für einige von ihnen nicht ausgeschlossen werden. Auch für die meisten biologischen Prozesse ist es unwahrscheinlich und es wurde nicht nachgewiesen, dass Änderungen in diesen mit der Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern zusammenhängen, obwohl dies auch nicht ausgeschlossen werden kann. Der Ausschuss empfiehlt, die Exposition zu überwachen, mehr Forschung zu betreiben und die Verwendung des höchsten Frequenzbandes von 26 GHz für 5 G zu verzögern, bis mehr über mögliche gesundheitliche Auswirkungen bekannt ist.

Der Rat geht also davon aus, 26 GHz sei das höchste Frequenzband für 5G. Das mag gegenwärtig für die Niederlande zutreffen und erklärt ansatzweise, warum der Rat ausgerechnet dort Klärungsbedarf sieht. Tatsächlich aber ist für 5G bei 26 GHz noch lange nicht Schluss, gemäß einer der bislang bekannten 5G-Spezifikationen endet der Bereich FR2 erst bei 52,6 GHz und glaubt man Nokia, wird das Ende der 5G-Fahnenstange irgendwann bei 90 GHz erreicht. Der Gesundheitsrat ist mit seiner 26-GHz-Obergrenze mMn etwas kurzsichtig, auch wenn es wahrscheinlich noch Jahre dauern wird, bis auch in Europa Frequenzbänder > 26 GHz für 5G frei gegeben werden. Mit dem Blick nach oben hätte der Rat jedoch auch die von Sarah Drießen ins Spiel gebrachten rd. 200 Studien für den Frequenzbereich 30 GHz bis 100 GHz sehen können. Wenn ich Teil 3 der Trilogie auf die Schnelle richtig verstanden habe, hat der Rat zwar auch von 20 GHz bis 40 GHz nach Studien Ausschau gehalten, dort aber nur zwei epidemiologische Radarstudien mit widersprüchlichen Ergebnissen gefunden. Ob Radarstudien nun geeignet sind, das Risikopotenzial von 5G abzuschätzen, nur weil die Frequenzen zufällig die gleichen oder ähnlich sind, wage ich wegen der grundlegend anderen Signalcharakteristiken von Radar gegenüber 5G zu bezweifeln. Doch das muss man sich genauer ansehen, wofür mir jetzt der Antrieb fehlt.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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