Belpomme sieht EHS als neurologisch-pathologische Störung (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 26.03.2020, 23:04 (vor 2 Tagen)

Bei Gigaherz weist die "elektrosensible" Vorständin Elisabeth Buchs auf eine neue Studie hin:

Dominique Belpomme hat ein wichtiges Review-Paper zu EHS veröffentlicht.
Hier als PDF kostenlos downloaden: https://doi.org/10.3390/ijms21061915

Ob die Studie wichtig ist kann ich ebenso wenig kompetent beurteilen wie Frau Buchs. Doch allein schon die Tatsache, dass sie von Dominique Belpomme kommt, nährt den Verdacht, bei der Arbeit handle es sich um Kargo Kult. Die Verurteilung Belpommes allein aufgrund zurückliegender Vergehen ist zwar nicht ganz fair, andererseits lassen die vielen Flecken auf seiner Weste bei ihm gar keine andere Einschätzung zu, als eine skeptische (siehe Chronologie unten).

Abstract von Belpommes jüngster Studie (übersetzt mit deepl.com):

Seit 2009 haben wir eine Datenbank aufgebaut, die derzeit mehr als 2000 selbstgemeldete Fälle von Elektrohypersensibilität (EHS) und/oder multipler chemischer Sensitivität (MCS) umfasst. Diese Datenbank zeigt, dass EHS in 30 % der Fälle mit MCS assoziiert ist und dass MCS in 37 % dieser EHS/MCS-assoziierten Fälle dem Auftreten von EHS vorausgeht. EHS und MCS können klinisch durch ein ähnliches symptomatisches Bild und biologisch durch eine niedriggradige Entzündung und eine Autoimmunreaktion mit Autoantikörpern gegen O-Myelin charakterisiert werden. Darüber hinaus weisen 80 % der Patienten mit EHS ein, zwei oder drei nachweisbare Biomarker für oxidativen Stress in ihrem peripheren Blut auf, was bedeutet, dass diese Patienten insgesamt eine echte objektive somatische Störung aufweisen. Darüber hinaus zeigten wir mit Hilfe der Ultraschall-Zerebraltomosphygmographie und der transkraniellen Doppler-Sonographie, dass die Fälle einen Defekt in der Hämodynamik der mittleren Hirnarterie aufweisen, und wir lokalisierten einen Mangel an pulsometrischem Gewebsindex im Kapsulo-thalamischen Bereich der Schläfenlappen, was auf eine Beteiligung des limbischen Systems und des Thalamus hindeutet. Insgesamt deuten diese Daten stark darauf hin, dass es sich bei EHS um eine neurologisch-pathologische Störung handelt, die diagnostiziert, behandelt und verhindert werden kann. Da sich EHS zu einer neuen schleichenden, weltweiten Plage entwickelt, an der Millionen von Menschen beteiligt sind, bitten wir die Weltgesundheitsorganisation (WHO), EHS als neurologische Störung in die internationale Klassifikation von Krankheiten aufzunehmen.

Ich bin mir nicht sicher, ob Frau Buchs die Studie in Kenntnis des übersetzten Abstracts beworben hätte, denn so wie es bei mir ankommt, attestiert Belpomme "Elektrosensiblen" eine behandelbare Störung im Oberstübchen. Jeder andere wäre von "Elektrosensiblen" für diese Diagnose gesteinigt worden. Der Franzose aber darf das, nicht einmal Hans-U. Jakob, selbsternannter Schutzpatron überzeugter Elektrosensibler, sonst beim Nörgeln stets ganz vorne mit dabei, traut sich den Mund aufzumachen.

Über Belpommes Studie kann und will ich mich jetzt nicht weiter äußern, bis auf eine Besonderheit: Die Publikation ist im Volltext frei verfügbar, was selbstredend ganz im (werblichen) Interesse des Autors ist. Belpomme hat sich deshalb eine Zeitschrift zur Veröffentlichung ausgesucht, die den Volltext gratis anbietet. Dies wiederum war nur möglich, weil der Franzose an die Zeitschrift 2000 CHF zahlen musste, damit diese seine Studie publiziert. Dieser Umstand wirft aus meiner Sicht einen Schatten auf die Veröffentlichung, denn es ist offen, ob Belpomme bei einer Zeitschrift, die Volltexte kostenpflichtig anbietet, überhaupt hätte landen können.

Chronologischer Werdegang von Prof. Belpomme in der Anti-Mobilfunk-Szene

► Die Bühne der Mobilfunkdebatte betrat Prof. Belpomme 2010 auf schillernde Weise.
► Schon ein Jahr später trat er neben anderen Schwurblern beim sogenannten Gigaherz-Kongress auf, was seine Einstufung erheblich erleichterte.
► Psiram widmet Belpomme und seiner EHS-Diagnosemethode (Encephaloscan) ab 2011 eine eigene Seite.
► Belpomme fällt 2013 mit EHS-Gutachten vom Fließband auf.
► WHO-Direktorin Maria Neira gibt Belpomme 2015 einen Korb.
► Belpomme sieht sich irrtümlich als Vater der IARC-Wertung 2B (2015).
► Die "EUROPAEM EMF-Richtlinie 2015" kommt ohne Mitwirkung Belpommes zustande.
► Berenis vs. Belpomme: Keine Biomarker für Elektrosensibilität (2016).
► Belpomme wird von anderen Wissenschaftlern kritisiert (2016).
Disziplinarverfahren gegen Prof. Dominique Belpomme (2018).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
WHO, MCS, Elektrochonder, Belpomme, Klassifikation, neurologische Störung


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