Adlkofer zu blockierter erster Replikation (2004) (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 19.01.2020, 00:57 (vor 1558 Tagen) @ Alexander Lerchl

Replikation in Wien, 8.–13. März 2004

Nur wenige Tage später, am 2. April 2004 trat Franz Adlkofer anlässlich einer öffentlichen Anhörung im Bayerischen Landtag auf, um "Reflex" zu präsentieren. Das offizielle Protokoll der Anhörung gibt es <hier>.

Doch es gibt noch ein zweites privates Protokoll, angefertigt von einer überzeugten Mobilfunkgegnerin, dem zufolge Adlkofer anlässlich der Anhörung kurz auf den Besuch von Vijayalaxmi und Johnston zu sprechen kam, ohne die beiden beim Namen zu nennen. Bei dem "Reflex"-Koordinator liest sich der oben im Startposting geschilderte Sachverhalt doch etwas anders:

Eine wissenschaftliche Gruppe aus den USA besuchte unser Labor – und wir haben ja dafür geworben, dass uns andere besuchen und unsere Ergebnisse reproduzieren. Unser Team im Wien beklagte, dass diese Gruppe nur alles ruinieren wollte und verweigerte die weitere Zusammenarbeit – ich musste vermitteln. In Berlin hat sich die US Gruppe korrekt verhalten – hier wurden unsere Ergebnisse reproduziert.

Ich vermute, Adlkofer war sich im Landtag nicht sicher, ob seine beiden Gäste aus USA stillhalten würden. Vorsorglich erwähnte er deshalb deren Besuch in der gezeigten Weise, damit Kritik von Vijayalaxmi und Johnston, sollte diese durchsickern, bereits vorab entwertet wurde.

Wer jetzt hofft, die Darstellung Adlkofers in dem offiziellen Protokoll wieder zu finden, kann sich die Mühe ersparen. Dort findet sich keine Silbe davon :-(.

Kurios, dass Vijayalaxmi und Johnston laut Adlkofer ausgerechnet die "Reflex"-Ergebnisse von Prof. Tauber an der Chartité angeblich replizieren konnten. Kurios deshalb, weil der offizielle und auch dokumentierte Replikationsversuch der Berliner Ergebnisse 2014 unter der Kontrolle von Prof. Speit scheiterte. Verdacht: Adlkofer war schon 2004 klar, dass er die Berliner Ergebnisse zu keiner Zeit wissenschaftlich publizieren würde und er spekulierte darauf, dieser Schritt könnte die Berliner Ergebnisse ein für allemal vor einer tatsächlichen Replikation bewahren. Sollte es so gewesen sein, hat er sich verzockt.

Gäbe es in der Wissenschaft einen Preis, für die verworrenste, geheimnisumwittertste und skandalträchtigste Studie eines Jahres, "Reflex" (Wien/Berlin) wäre dieser Preis mMn sicher.

Ganz erstaunlich ist auch die Selbstgewissheit, mit der Franz Adkofer, wie im offiziellen Protokoll zu lesen ist, die Ergebnisse von "Reflex" (Wien/Berlin) über jeden Zweifel erhaben sieht – obwohl er doch nur rd. zwei Wochen zuvor die massiven Zweifel von Vijayalaxmi und Johnston zur Kenntnis nehmen musste.

Im Nachhinein erscheint mir Adlkofers anfangs unverständliches Verhalten plausibel. Mutmaßlich wusste er nach dem Besuch aus USA sehr gut, dass "Reflex" (Wien/Berlin) auf wackligen Beinen stand und fallen konnte. Um zu retten was zu retten war, gab er sich 2004 und später betont selbstsicher, quasselte auffallend häufig aber immer nur nebulös von erfolgreichen Replikationen und streute das Gerücht, dunkle Mächte würden versuchen, "Reflex" madig zu machen. Dies alles diente mMn nur dem Zweck der vorsorglichen Schadensbegrenzung für den Fall, dass Vijayalaxmi und Johnston ihr Wissen preisgeben würden. Bereits im Vorfeld Zweifel säen an kommender Kritik, das war sein Ziel. Und er war damit auch erfolgreich. Als Vijayalaxmi sich schließlich 2005 zu Wort meldete, griff die Verteidigungsstrategie des alten Fuchses und sie konnte "Reflex" (Wien/Berlin) nicht mehr viel anhaben. Das Bollwerk des Ex-Tabaklobbyisten hielt bis 2008 jedem Beschuss stand, erst der dann erhobene Fälschungsverdacht und mehrere gescheiterte weitere Replikationsversuche brachten die Mauern schließlich zum Einsturz. Adlkofer aber gab nicht auf, verlagerte den Kriegsschauplatz weg von der Wissenschaft hin zur Justiz und dort wird bis zum heutigen Tag weiter gerungen. Allerdings geht es nur noch um mehr oder weniger belanglose Rückzugsgefechte und persönliche Genugtuung. Wissenschaftlich ist "Reflex" (Wien/Berlin) seit mindestens fünf Jahren tot und begraben.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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