Daniel Favre lässt die Bienen (angeblich) wieder piepsen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 10.12.2017, 20:03 (vor 1753 Tagen)

Dr. Daniel Favre hat 2011 hier im Forum kurzzeitig einen tiefen Fußabdruck hinterlassen: Er bereicherte die an kruden Geschichten ohnehin reiche Anti-Mobilfunk-Sagenwelt um eine ziemlich schlicht designte Bienstudie, die, dies ergab ein Replikationsversuch des IZgMF, in der dokumentierten Form so nicht stattgefunden haben kann. Denn das sendende Mobiltelefon muss auch im Versuchsaufbau von Favre infolge Einstrahlung zu eklatanten Störungen der Audioaufzeichnung geführt haben.

Die scharfe Kritik des IZgMF, nichts deutet darauf hin, dass sich sonst noch jemand mit Favres Bienenstudie kritisch auseinandersetzte, hat den Schweizer mutmaßlich dazu gebracht, seinen Versuch neu zu gestalten. Im August 2017 resultierte daraus eine neue Publikation (Volltext), von der die Bürgerwelle eine deutsche Kurzfassung angefertigt hat.

Gigaherz-Präsident Jakob pöbelt anlässlich der neuen Studie einfältig:

Favres Forschungsarbeiten geriet den Lobbyisten der Mobilfunkindustrie völlig in den falschen Hals und sie erteilten der Internet- Mobbingagentur Stephan und Heidrun Schall, einem bereits mehrfach rechtskräftig gerichtlich wegen Verleumdung verurteilten Pärchen aus München, den Auftrag zum Rufmord an Dr. Daniel Favre. Da das Superhirn Schalls jedoch nicht in der Lage war, Favres Experimente trotz genauer Umschreibung richtig nachzubauen, blieb das ganze Theater um eine angeblich negativ ausgefallene Replikation auf der Stufe einer münchner Cabaretnummer hängen.

Favre bekommt Dosimetrie nicht unter Kontrolle

Tatsächlich ist es jedoch so, Favre hat unseren gravierendsten Kritikpunkt an seiner ersten Studie beseitigt. Er konnte die Diskussion im Forum mitverfolgen (war unter Pseudonym möglicherweise daran beteiligt), denn Französisch ist zwar seine Muttersprache, Deutsch und Englisch aber spricht er fließend. Ursprünglich hatte er ein handelsübliches Handy als EMF-Quelle benutzt, welches die Bienen nach 45 Minuten Feldeinwirkung zu einem aufgeregten Summen veranlasst haben soll, wie die Insekten es sonst nur unmittelbar vor dem Schwarmflug erzeugen. Ein Handy ist jedoch eine denkbar schlechte und laienhafte Feldquelle, denn die Sendeleistung eines Handys wird stets von der nächstgelegenen Mobilfunk-Basisstation nach Kriterien bestimmt, die Favre nicht kontrollieren kann. Sein Experiment verlief unter unkontrollierten nicht reproduzierbaren Bedingungen, so etwas hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Der Replikationsversuch des IZgMF zeigte zudem: Das zur Aufzeichnung des Summens ebenfalls mit dem Handy im Bienenstock untergebrachte Diktiergerät wurde durch die Einstrahlung des nahen Handys so massiv gestört, dass während das Handy sendete, keine Aufzeichnung des Summens möglich war. Favre brichtete in seiner ersten Publikation mit keiner Silbe von dieser Störung, muss diese meiner Einschätzung nach jedoch ebenfalls beobachtet haben.

Wie dem auch sei, in seiner neuen Studie verzichtet Favre jetzt auf ein Handy im Bienenstock. Doch seine Ersatzlösung ist nicht viel besser. Anstelle des Handys dient jetzt ein vor dem Bienenstock aufgebauter HF-Verstärker, der am Eingang mit einer Empfangsantenne das HF-Signalgeschehen der lokalen Umgebung eingespeist bekommt, es verstärkt und am Ausgang eine Sendeantenne treibt, die schließlich den Bienenstock befeldet. Aus nicht näher erklärten Gründen wird das Signalspektrum, mit dem die Bienen befeldet wurden, auf das 900-MHz-Band begrenzt, dies kommt einer Befeldung der Insekten mit GSM900-Mobilfunk gleich. Eine ungeschickte Frequenzwahl, denn in drei Jahren wird der GSM-Mobilfunk in der Schweiz sukzessive abgeschaltet, was dem Interesse an Favres Studie nicht dienlich sein wird.

Funkmessplätze können Handy-Leistungsstufen gezielt adressieren

Fakt ist: Auch mit der neuen Befeldungsapparatur bringt Favre keine definierte, sondern nur eine willkürliche Befeldung zustande. Erhöht die GSM900-Basisstation am Ort des Geschehens ihre Sendeleistung, weil sich ein Teilnehmer auf den Rand der Funkzelle zubewegt, werden auch die Bienen in Favres Bienenstock stärker befeldet. Bewegt sich ein Teilnehmer auf den Mittelpunkt der Zelle zu läuft es umgekehrt ab, die Bienen werden schwächer befeldet. Das IZgMF hatte bei seinem Replikationsversuch nicht mit solchen Unwägbarkeiten zu kämpfen, denn wir steuerten mit einem Funkmessplatz, der eine Basisstation simulierte, die Sendeleistung des Handys kontrolliert und konstant auf den Wert, den wir bei dem Versuch haben wollten (im konkreten Fall war dies maximale Sendeleistung von 2 W). Damit ist unser Versuchsdesign reproduzierbar, das von Favre nach wie vor nicht. Fairerweise muss jedoch gesagt werden: Die schwabbelige Befeldung ist für den Versuch nicht von entscheidender Bedeutung, denn sollte schwache EMF-Einwirkung tatsächlich das Schwarmsummen bei Bienen auslösen, ist es ziemlich egal, ob dies bei 5 µW/m² passiert oder bei 50 µW/m². Dieses Detail wäre nur von Bedeutung, wäre die Favre-Studie ansonsten frei von Mängeln, dies aber ist sie nicht.

Halten wir also vorerst fest, den Schwachpunkt Handy im Bienenstock hat Favre beseitigt, obwohl er 2011 eine Störwirkung des Handys auf die Audioaufzeichnung gar nicht erwähnte. Dies ist mMn vielsagend. Nicht beseitigt, sondern nur gemildert hat Favre die Unkontrollierbarkeit der Befeldung, die in beiden Varianten seiner Bienenstudie auf umständliche Weise zustande kommt und unprofessionell ist. (wird fortgesetzt)

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Kritik, Replikation, Favre, Bienenstudie, Insekten


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