Drei Wissenschaftler aus Schleiz für Diagnose-Funk (Medien)

H. Lamarr @, München, Samstag, 09.04.2016, 19:05 (vor 1292 Tagen)

"Junge Gymnasiasten aus Schleiz leisteten in ihren Seminarfacharbeiten wieder anspruchsvolle Forschungsarbeit", schreibt die Ostthüringer Zeitung anlässlich eines Vortragsabends, es war der 22. dieser Art, bei dem die Schölerinnen & Schöler ihre Facharbeiten unter dem Motto „Was Sie schon immer wissen wollten…“ öffentlich vorstellen durften. Geladen hatte das Staatliche Gymnasium "Dr. Konrad Duden" gemeinsam mit der Kreissparkasse Saale-Orla. Drei Jungforscher hatten sich gemeinsam für das Thema "Elektrosmog" entschieden und erforscht, wo dieser sich breit macht. Der folgende Auszug aus der Zeitung macht deutlich, wo sich die drei Jungs bevorzugt informiert haben müssen. Die anscheinend streng einäugige Betrachtungsweise des Themas (möglicherweise stecken die Eltern oder böse Onkelz dahinter), wiederum qualifiziert die Jungs, für den Verein Diagnose-Funk "Studienrecherchen" durchzuführen. Der Verein freut sich bestimmt über baubiologisch konditionierte neue Mitarbeiter in seinem "Wissenschaftsressort", das andernorts allerdings als "Kinderpostamt" verspottet wird.

Über ein schon lange diskutiertes Problem hatten sich Alexander K., Maximilian L. und Clemens R. Gedanken gemacht. Ihre Arbeit trägt den Titel „Vorkommen von Elektrosmog durch Geräte des täglichen Gebrauchs im Raum Schleiz“. Auch hier war umfangreiche Forschungsarbeit nötig mit Zusammentragen von Werten und vielen Versuchen. „Elektrosmog gibt es schon immer“, erfuhr man. Dafür habe schon das Erdmagnetfeld gesorgt. Der Begriff Elektrosmog sei etwa zu erklären mit elektrischer Schutznebel, ließen die Schüler wissen. Sie hatten die Werte an verschiedenen Geräten in unserer Umgebung untersucht und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass man einige Regeln zum eigenen Schutz beachten sollte. Unter anderen sollten Telefone, Radiowecker und Handys sowie Steckdosen sich nicht in unmittelbarer Nähe der Schlafstätte befinden. Von einer eingeschalteten Mikrowelle sollte man Abstand halten, und auch das Handy in der Hosentasche könnte zumindest bei Vertretern des männlichen Geschlechts Schaden verursachen. Unterschiedliche Auswirkungen hat der Elektrosmog nach den noch jungen Forschungen bei verschiedenen Menschen. Registriert wurden Störungen des Hormonhaushaltes, Erschöpfung, Konzentrationsschwächen, erhöhtes Krebsrisiko und Verlust des Schlafhormons Melatonin, also Schlafstörungen. Zu diesem Thema gab es viele Fragen aus dem Publikum.

Kummer macht mir der Satz: "Zu diesem Thema gab es viele Fragen aus dem Publikum." Die Jungs haben sicher ihr Bestes gegeben und es ist für Heranwachsende bestimmt auch sehr schwierig, Stuss von Nicht-Stuss zu unterscheiden. Das ändert jedoch nichts an der traurigen Tatsache, dass hier eine missglückte Recherche nicht in einer wahrscheinlich sogar gut benoteten Arbeit verschwindet und so keinen weiteren Schaden anrichtet. Sondern die Desinformation, die die Jungs aufgeschnappt haben, wird öffentlich aufgewertet, den Besuchern der Veranstaltung aufgetischt und dann auch noch ins Netz gestellt. Den Jungs ist kein Vorwurf zu machen, dem Betreuer dieser Arbeit dagegen schon. Er hätte, verstünde er was da vor seinen Augen passiert, den öffentlichen Auftritt der Drei aus meiner Sicht verhindern müssen. Das hat etwas mit Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu tun. Die Jungs kolportieren den Stuss, den Baubiologen aus kommerziellen Gründen im www verbreiten. Psychisch labile Personen können auf diese Desinformation hereinfallen und eine Phobie mit ernsthaften Symptomen entwickeln. Diese psychisch kranken Leute gibt es, sie nennen sich selbst "Elektrosensible".

Nun mag ein Verteidiger einwenden: Aber es sich doch nur Schüler, niemand wird deren Arbeiten so richtig ernst nehmen. Dem kann ich nur entgegnen: Denkste! Die Anti-Mobilfunk-Szene nimmt alles (gut-)bierernst, selbst wenn die Forscher noch Kinder oder Jugendliche sind. Dies gilt selbstverständlich nur dann, wenn die Schüler Alarm schlagen und darbende Kresse neben einem ausgeschalteten DECT-Telefon melden oder siechende Mehlwürmer, denen unter EMF-Einwirkung sogar der Spaß am Sex vergeht. Die Szene saugt solche Meldungen auf wie ein trockener Schwamm Wasser, denn von der "richtigen" Wissenschaft werden eingefleischte Mobilfunkgegner nicht verwöhnt. Und wenn, dann ist der Studieninhalt zu wissenschaftlich, als dass die schlichten Gemüter der Szene damit etwas anfangen könnten. Deshalb die große Begeisterung, wenn Schüler forschen: Das Hirn bei den Erwachsenen wird dann nicht ganz so arg strapaziert.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Desinformation, Kinderpost, Instrumentalisierung, Einflussnahme, Schule, Jugend forscht, Verantwortunglos, Hosentasche, EMF:Data


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