Immer mehr "Elektrosensible", wirklich? (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.02.2016, 19:55 (vor 1202 Tagen)

Das Märchen von einer rapide zunehmenden Anzahl "Elektrosensibler" begleitet mich seit 2002. Anfangs sah ich keinen Grund, entsprechenden Berichten nicht zu trauen, ab 2005 kamen mir die Meldungen spanisch vor und seit spätestens 2010 weiß ich: Märchenstunde ist angesagt, wenn Laien oder Wissenschaftler behaupten, die Anzahl "Elektrosensibler" nehme zu.

Das jüngste Märchen dieser Art erzählt David O. Carpenter im Elektrosensiblen-Sonderheft (Ausgabe 30/2015) von Reviews on Environmental Health. Wer es noch nicht weiß: Carpenter ist überzeugter Mobilfunkgegner und Chefredakteur der Zeitschrift, allzuviel Ergebnisoffenheit darf ihm daher nicht unterstellt werden. In seinem Beitrag The microwave syndrome or electro-hypersensitivity: historical background weiß Carpenter zu berichten:

The reported incidence of the syndrome is increasing along with increasing exposure to EMFs from electricity, WiFi, mobile phones and towers, smart meters and many other wireless devices.

Aus meiner Sicht ist die Erklärung Carpenters für die wachsende Anzahl "Elektrosensibler" zu kurz gegriffen. Der Wissenschaftler tut gerade so, als wäre die Zunahme der Emissionsquellen das einzig Wahre. Aus meiner Sicht übersieht er den tatsächlichen Motor, der, sollte es überhaupt eine begrenzte personelle Zunahme bei überzeugten Elektrosensiblen gegeben haben, dafür verantwortlich ist: das World Wide Web. Das www ist für psychisch Labile aus meiner Sicht der ideale Selbstbedienungsladen, um sich über das aktuelle Angebot an Phobien zu informieren und eine auf die persönliche Situation optimal passende Phobie auszuwählen, im konkreten Fall eine Elektrosmog- oder Sendemasten-Phobie. Motiv: sekundärer Krankheitsgewinn.

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Tags:
Psychische Krankheit, EHS-Phobiker


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