Mein Nachbar, der Sendemast in 6 m Abstand (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 06.12.2015, 23:20 (vor 1460 Tagen)

Hinter unserem Testbaum wird seit etlichen Monaten ein neues Haus errichtet. Inzwischen ist der Rohbau so weit fertig, dass meine Frau und ich in zwei halsbrecherischen Besuchen am Rande der Legalität nachgesehen haben, wie die späteren Bewohner der oberen Stockwerke den nahen Sendemasten wahrnehmen werden.

Zwei Antennenpanele des Sendemasten sind exakt auf den Neubau ausgerichtet. Und sie sind verdammt nahe, von den Panelen bis zur nächsten Außenmauer des Neubaus sind es mit Google Earth zentimetergenau vermessen gerade einmal rd. 6 Meter (Bild 1). Von unten wirkt die Situation noch nicht so bedrohlich.

Bild 1: Nur 6 Meter trennen die Antennen von der Außenmauer des Rohbaus.
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Im vierten von fünf Stockwerken ist der Sendemast vom Balkon der Wohnungen dort aus betrachtet ein alles beherrschendes Ungetüm (Bild 2). Dort, wo meine Frau im Bild zu sehen ist, habe ich 5 mW/m² (RMS) und 13 mW/m² (Peak) gemessen. Für mich überraschend niedrige Werte, der Hauptstrahl muss über unsere Köpfe hinweg zischen. Nur, über uns ist noch ein Stockwerk, das später offensichtlich die Schlafräume für die Bewohner des 4. Stocks aufnehmen soll. Leider waren bei unserem zweiten Besuch heute keine Leitern mehr zu sehen, die uns den Zugang zum 5. Stock ermöglicht hätten. Vergangene Woche war das noch anders, da kraxelten wir in den fünften, dort aber kapitulierte auf der Stelle das Messgerät, das ohne 20 dB Dämpfungsglied nur 2 mW/m² messen kann. Heute hatten wir zwar das Dämpfungsglied dabei, kamen wegen fehlender Leiter jedoch nicht bis ganz oben. Treppen dort hinauf gibt es noch nicht.

Der Balkon im 4. Stock ist durchgehend und wird wohl erst später durch Sichtschutzwände separiert. Heute konnte ich mich auf dem Balkon ungehindert etwa 40 Meter von dem Masten entfernen, der Messwert an dieser Stelle war mit ungefähr 120 µW/m² (RMS) frappierend niedrig. Ich erkläre mir das so, dass der relativ hohe Wert dicht am Masten von einer Nebenkeule verursacht wird und der Downtilt (Neigung eines Antennenpanels nach unten) so gering ist, dass in 40 Meter Abstand der Hauptstrahl noch immer über den Köpfen ist.

Bild 2: Blick vom vierten von fünf Stockwerken auf den mächtigen Sendemasten.
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Aller Voraussicht nach ist die Funkfeldimmission im 5. Stock deutlich höher als im 4. Stock, nur konnten wir dort heute nicht messen. Einen Eindruck, wie der Mast dort oben wirkt, gibt Bild 3, das vergangene Woche aufgenommen wurde. Bis zum 4. Stock ist Beton und Ziegel das Baumaterial. Im 5. Stock ist jedoch nur die Außenmauer Richtung Mast massives Ziegel-Mauerwerk, die übrigen Wände und auch die Decke sind dort mit Holzkonstruktion und Holzplatten errichtet worden. Die werden sicher noch gegen Witterungseinflüsse verputzt, die Funkfelddämpfung dürfte jedoch nicht berauschend sein. Aber: Bei der ersten Begehung habe ich ungefähr 25 Meter von dem Masten entfernt im Innern der Holzeinhausung des 5. Stocks in Raummitte Werte zwischen 100 und 500 µW/m² (RMS) gemessen, die Peak-Werte dort lagen zwischen 300 und 1150 µW/m². Das sind nun harmlose Werte. Wenn dort oben einer krank wird, dann nicht wegen der Felder, sondern wegen des bedrohlichen Anblicks des nahen Masten.

Irgendwelche Schirmmaßnahmen im 4. und 5. Stock im Mauerwerk Richtung Masten sind uns nicht aufgefallen. Das Flachdach des 5. Stocks liegt schätzungsweise 1,5 bis 2 Meter unterhalb der Unterkante der Antennen.

Bild 3: Blick vom obersten (5.) Stockwerk auf den etwa 8 bis 9 Meter entfernten Sendemasten.
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Um die künftigen Obergeschoß-Bewohner des neuen Hauses nicht unnötig zu ängstigen, würde ich einen Sichtschutz zwischen Mast und Neubau errichten. Oder irgendeine Attrappe über den Masten stülpen, es muss ja nicht ausgerechnet eine Palme sein.

Sollten wir noch einmal Zugang zu dem 5. Stock bekommen, werden wir die Messung dort oben auf dem Balkon in unmittelbarer Nähe des Masten nachholen. Vergangene Woche haben wir uns etwa 1,5 Stunden im 4. und 5. Stock des Neubaus aufgehalten, meist im Freien, heute waren es etwa 1,0 Stunden im 4. Stock - irgendwelche Symptome wollten sich währenddessen nicht einstellen - und Bauarbeiter sind unseres Wissens nach auch keine vom Gerüst gefallen.

Der 2002 errichtete Sendemast trägt mittlerweile 18 Antennen (Standort: 531194). Die Hauptstrahlrichtung 80° ist diejenige, die voll auf den Neubau trifft. Gemäß EMF-Datenbank der BNetzA zeigen drei Antennen in Richtung 80°, da die Fotos nur zwei zeigen, muss eines der Panele zwei Antennen beherbergen.

Spannend wird es mit den Sicherheitsabständen werden. Denn momentan hat eine der drei 80°-Antennen 6,82 Meter horizontalen Sicherheitsabstand. Und der standortbezogene Sicherheitsabstand in Hauptstrahlrichtung beträgt sogar 15,72 Meter horizontal und 3,72 Meter vertikal. Wenn sich daran bis zum Bezug der Wohnungen in dem Neubau nichts ändert, werden die Bewohner der dem Masten gegenüber liegenden Wohnung im 5. Stock nach meiner Einschätzung unzulässig befeldet.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Sendemast, Hauptstrahl, Baurecht, Sicherheitsabstand, Einspruch, München, Standortbescheinigung, Bauausführung, Nachbar


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