Advocatus Diaboli vs. DAU (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 18.07.2014, 01:06 (vor 3620 Tagen) @ Alexander Lerchl

[...] so dass mir nicht klar ist, was genau Sie meinen.

Das sehe ich nicht so.

Ja, das glaube ich Ihnen gerne, Sie wissen ja am besten, was Sie vermitteln wollten. Dennoch habe ich die Passage anfangs missverstanden, richtig erst nach Ihrem Hinweis.

Mobilfunkgegner haben also keine Reflex-Replikation finanziert. Schade eigentlich, bei Lennart Hardell haben sie's später auf Betreiben von (ausgerechnet) Franz Adlkofer gemacht.

Auch Technische Redakteure haben so etwas wie eine Peer-Review, wir nennen es Korrekturlesen. Und natürlich erliegen auch wir leicht der Versuchung, bei einer Nachfrage wegen einer mehrdeutigen Formulierung dem Kollegen zu erklären, was gemeint sei. Gut ist das nicht, wenn es dabei bleibt, denn die Leser unserer Werke (Benutzerhandbücher) müssen später ohne Mund-zu-Mund-Beatmung damit klar kommen. Ich habe mir daher im Job angewöhnt, jede Verständnisfrage grundsätzlich nicht als Empfängerproblem zu sehen (du bist zu doof mich zu verstehen), sondern als Senderproblem (ich habe mich nicht einwandfrei ausgedrückt). Okay, sagen wir bei fast jeder Verständnisfrage sehe ich das so. Dort, wo's klemmt, wird dann ohne Diskussion umformuliert. Die Diskussion wäre sogar schädlich, denn je ahnungsloser ein Korrekturleser ist, desto besser, nur so kann er einen guten Pappkamerad für den späteren "echten" Leser abgeben. Jede verbale Hilfestellung entwertet den Korrekturleser, in einem zweiten Korrekturlauf noch einmal erfolgreich den Advocatus Diaboli zu geben. Denn nur 1-mal verbal gebrieft hat er - teuflisch angenehm für den Sender - gar keine Fragen mehr auf den Lippen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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