Mobilfunkgegner finanzierten Reflex-Replikationen? (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 16.07.2014, 23:38 (vor 3058 Tagen) @ Alexander Lerchl

Zum Thema ist vor wenigen Tagen ein Beitrag von mir im Laborjournal erschienen.

Schöner Beitrag, der, seiner klaren Worte wegen, Ihrem Lieblings-Gegenspieler wahrscheinlich eine Reaktion abnötigen wird. Zuletzt hat Franz Adlkofer auf der Pandora-Website vor acht Monaten ein Lebenzeichen gesendet (ungepulst). Für mich sieht es so aus: Die beiden 2013 gescheiterten Reflex-Replikationsversuche in Berlin und Darmstadt haben den Studienkoordinator am Nerv getroffen.

Auch Sie schreiben in Ihrem Artikel ja über gescheiterte Reflex-Replikationsversuche:

Nicht eine Publikationen wurde bislang zurückgezogen. Die Folgen: Die Paper werden nach wie vor zitiert, insbesondere von Mobilfunkgegnern und Profiteuren der Debatte, und anderen Gruppen wurden Replikationsstudien finanziert, nur um festzustellen, dass die Ergebnisse tatsächlich nicht reproduzierbar sind.

Leider hapert es ausgerechnet an der entscheidenden Stelle ein bisschen an der Grammatik, so dass mir nicht klar ist, was genau Sie meinen. Ich habe die Passage so verstanden, Mobilfunkgegner, Profiteure und andere hätten gescheiterte Reflex-Replikationsstudien finanziert. Das wäre, wenn ich Sie nicht falsch verstanden habe, ein ziemliches Ding, zu dem Sie mMn ein paar Takte mehr sagen sollten. Erinnert mich stark an die missglückte und deshalb vertuschte berühmt-berüchtigte Replikation der Hühnerembryonenstudie des hese-projects.

Von der Logik her passt es, wenn Mobilfunkgegner wie Diagnose-Funk, Gigaherz und "Kompetenzinitiative" Geld in eine Reflex-Replikation gesteckt hätten, um ein Gewicht für ihre Waagschale zu bekommen. Doch hätte sich so ein Anlauf geheim halten lassen? Mir ist davon jedenfalls überhaupt nichts bekannt geworden.

Umgekehrt habe ich mich gewundert, dass die beiden 2013 gescheiterten Reflex-Replikationen (Berlin-Darmstadt) zwar öffentlich kurz vorgestellt wurden, eine detaillierte Würdigung und die Bedeutung der Arbeiten für den Reflex-Streit jedoch ausblieb. Kurioserweise war es Franz Adlkofer himself, der die Berliner Replikation unmissverständlich zum Scheiterhaufen für Reflex erklärte, als er im September 2013 verbittert schrieb:

In der Publikation „Gentoxische Wirkungen nach Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern sind in HL-60-Zellen nicht reproduzierbar“ von Speit, Gminski und Tauber werden die im Rahmen der REFLEX-Studie erhaltenen Forschungsergebnisse nicht etwa angezweifelt, sondern für ungültig erklärt.

So eine deutliche Wertung hätte ich eigentlich eher von Ihnen, von der SSK oder vom BfS erwartet.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Reflex-Koordinator, Tauber, HL60-Zellen, Hühnerembryonen-Studie, Speit, Sponsoren, Gminski


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