Dr. med. M. Kern: Handystrahlung nahezu radioaktiv (Esoterik)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 13.07.2014, 17:13 (vor 1979 Tagen) @ H. Lamarr

Ob Kern in beschwörendem Ton den Stuss über nahezu radioaktive Handystrahlung tatsächlich so gesagt hat, oder ob ein schräger Vogel das Interview "passend geschnitten" hat, bleibt offen.

Originaltext Dr. Kern aus dem Video (ab Minute 0:52):

Es gibt sie, die Hinweise auf Krebsentstehung. Auf Doppelstrangbrüche. Ja, es gibt sie, die Hinweise auf Stress auf Hitzeschockproteine, die man nachweisen konnte. Man hat menschliche Zellen genommen, und hat sie bestrahlt und konnte tatsächlich feststellen, dass zwischen der Wirkung von radioaktiver Strahlung, deren Wirkung wir mittlerweile relativ gut verstanden haben, und der Strahlung von Handys nahezu nicht unterscheidbar sind.

Erst im geschrieben Text fällt auf, am Satzende angekommen weiß der Mediziner offensichtlich nicht mehr, wie er seinen verschachtelten Schlusssatz begonnen hat. Doch das ist Nebensache, wichtiger ist: Wo hat Dr. Kern überhaupt seine Information her, wer ist "man", der mit menschlichen Zellen experimentiert hat? Im Interview ist Kern sehr unverbindlich und nennt keine Quelle.

Wir schon.

Auslöser ist die (Berliner) Reflex-Studie, gemäß der radioaktive Strahlung der Energiedosis 0,5 Gy (Gray) ähnlich schädlich auf Zellen wirkt wie Funkfelder, die in Körpergewebe eine SAR von 1,3 W/kg verursachen (siehe Seite 6 in diesem PDF von Franz Adlkofer).

Erster Haken: Spätestens seit Mitte 2013 sollten auch Dr. Kern Zweifel an der Berliner Reflex-Studie gekommen sein, denn diese konnte in Berlin nicht erfolgreich repliziert werden. Dies erhärtet nachdrücklich den Fälschungsverdacht, der seit 2008 auf Teilen der Reflex-Studie lastet.

2006, lange vor Dr. Kern, war der Nailaer Allgemeinarzt Horst Eger der erste, der mit dem unqualifizierten Vergleich von Funkfeldern und ionisierender Strahlung Punkte machen wollte indem er behauptete:

"Ein 72-stündiges Telefonat entspricht in etwa der Belastung durch 1000 Röntgenaufnahmen"

Teilnehmer Franz fragte seinerzeit bei Dr. Adlkofer nach, ob diese Behauptung zutreffend sei. Sie ist es nicht. Auch der gelernte Atomphysiker und Mobilfunkgegner Dr. Klaus Buchner erteilte dem Vergleich eine Absage.

Davon unbeeindruckt kramte Dr. Kern im Herbst 2013 den unseligen Vergleich mit radioaktiver Strahlung neu hervor und festigt damit den Verdacht, dass er als "Panikmacher" harmlosen Funkfeldern ein Risiko andichtet, damit die Bevölkerung eine diffuse Urangst gegenüber Funkwellen entwickelt. Motiv: Marktentwicklung für Nutznießer, die gegen Cash die irrationalen Ängste eindämmen.

Wie abwegig Kerns Vergleich ist zeigt ein Posting des Teilnehmers "Raylauncher" vom Juni 2006. Er schrieb:

Man sollte noch erwähnen, dass von den Autoren der Reflexstudie ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass von ihren "in vitro"-Versuchen (also Zellkulturen im Reagenzglas) keine Schlüsse auf das Verhalten von Zellen in lebendem Gewebe gezogen werden können.

Was die Autoren verneinen ist genau das, was Dr. Kern in dem Video macht.

Game over. Next Player.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Verantwortungslos, Kern, Pseudowissenschaft, Erfolglos, Funkfelder, Doppelstrang


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