Gigaherz: Neuerkrankungen an Krebs nehmen rapide zu (Berichtigungen)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 29.06.2014, 22:00 (vor 1986 Tagen)

Auszug aus dem jüngsten Beitrag von Gigaherz-Präsident Jakob:

Unterdessen steigt die Anzahl Neuerkrankungen an Krebs unaufhörlich weiter.
Onkologen rechnen sogar mit einer noch höheren Anstiegsgeschwindigkeit als bisher. Derweil werden Wissenschaftlern, die diese Zunahme mit Mobilfunk in Zusammenhang bringen, die Forschungsgelder entzogen und ihnen ihre Institute geschlossen. Nicht nur das. Sie werden von Mobbing-Agenturen im Auftrag der Mobilfunkindustrie in den Medien und im Internet regelrecht verfolgt und lächerlich gemacht.

Der Gigaherz-Präsident versucht hier einmal mehr auf seine, sagen wir einmal "schlichte" Art und Weise, Ängste gegenüber Elektrosmog zu schüren. Ich halte dies für unverantwortlich, dem Mann gehört das Handwerk gelegt. Aber wie? Am besten dadurch, dass seiner hetzerischen Darstellung eine kompetente entgegen gehalten wird.

Wie Jakob mit den steigenden Krebszahlen umgeht, zeugt von grandioser Dummheit oder von gnadenloser Skrupellosigkeit. Denn auch wer sich als Mobilfunkgegner nur flüchtig mit Krebs beschäftigt, der muss wissen, dass die absoluten Krebszahlen eine direkte Abhängigkeit zur Altersstruktur einer Gesellschaft haben. Heißt im Klartext: Die Krebszahlen steigen bei uns auch schon allein deshalb, weil das statistische Lebensalter hierzulande von Jahr zu Jahr steigt. Berücksichtigt man diesen Einfluss, bleibt von den dramatisch steigenden Krebszahlen, die den Schweizer zu seinem Beitrag inspirierten, nicht mehr viel übrig. Der Elektriker Jakob verschweigt diesen Einfluss und präsentiert sich so als fanatischer Hetzer, dem außer Behauptungen und Unterstellungen nicht viel einfällt.

Anders das DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum), das den Gigaherz-Präsidenten mit nachstehendem Auszug (bezogen auf Deutschland) klipp und klar widerlegt:

Für das Jahr 2014 erwarten die Wissenschaftler rund 500'900 neue Krebserkrankungen. Um diese Aussage treffen zu können, wurden die Schätzungen für das Jahr 2010 auf Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung des Jahres 2014 übertragen.

Damit ist die Neuerkrankungsrate zwar gestiegen. Die Experten der Krebsregister können anhand der Zahlen aber zeigen: Die sogenannten altersstandardisierten Krebsraten sind zumindest bei Männern seit einigen Jahren nahezu gleich geblieben. Bei dieser Berechnung wird berücksichtigt, dass die Lebenserwartung steigt und in Deutschland immer mehr Menschen eine Krebserkrankung buchstäblich noch "erleben". Bei Frauen ist der Anstieg der absoluten Erkrankungszahlen innerhalb des letzten Jahrzehnts auch auf die Früherkennung von Brustkrebs durch das Mammographie-Screening zurückzuführen: Viele Frauen zwischen 50 und 69 Jahren nahmen in den letzten Jahren zum ersten Mal an dieser 2004 eingeführten Untersuchung teil, was die Rate der neu entdeckten Erkrankungen kurzfristig ansteigen ließ. Seit 2009 ist dieser Trend allerdings wieder rückläufig: Die Zahlen steigen nicht mehr.

Fast alle Krebsarten treten bei älteren Menschen sehr viel häufiger auf als bei Jüngeren. Statistiker vergleichen die Angaben zu Krebsneuerkrankungen von Kindern, Jugendlichen und Menschen aller Lebensalter miteinander: Auf einen unter 15-Jährigen, der eine Krebsdiagnose erhält, kommen demnach 200 bis 300 über 80-Jährige.

Auch der Zusammenhang, den Jakob zwischen der Entwicklung der Krebsneuerkrankungen und der Anzahl der Mobilfunksender konstruiert, zeugt von Inkompetenz. Noch nicht einmal der schwedische Krebsforscher Lennart Hardell traut sich, Mobilfunksender mit Krebs in Verbindung zu bringen. Dazu braucht es den verrenteten Elektriker aus Schwarzenburg. Hardell sieht durchaus einen Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Krebs, jedoch nur bezogen auf Handys und Schnurlostelefone.

Nein, was Jakob seinen Lesern auftischt, ist unsägliche verzerrt und inkompetent. Mich erinnert es an den Epidemiologenwitz, dem zufolge ein glasklarer Zusammenhang herrscht zwischen dem Geburtenrückgang bei Menschen - und dem Rückgang der Störche. Wie man einen scheinbaren Zusammenhang viel besser dokumentiert, als dies Jakob vermag, zeigt Prof. Lerchl mit diesem Posting.

Das Personal der Anti-Mobilfunk-Bewegung, es ist ihr größtes Defizit.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Krebs, Risikokommunikation, Verantwortungslos, Rentner, Krebsregister, Narrenhaus, Elektriker, Erkrankungsrate


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