Steinhardt-Verlag: Intensiv-Crashkurs mit Fehlern (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 27.04.2014, 15:08 (vor 2035 Tagen) @ KlaKla

Der Steinhard-Verlag ist einigen vielleicht schon bekannt. Über diesen Verlag vermarkten Profiteure ihre Botschaft.

Der sogenannte Steinhardt-Verlag, Karlsruhe, bietet unentgeltlich den 2-stündigen "Intensiv-Crashkurs" Elektrosmog - Ursachen - Wirkungen - Lösungen an. Edgar Steinhardt stellt sich in dem Video als Geschäftsführer des Verlags vor, tatsächlich ist er auch der Kameramann, der z.B. die Tagung der sogenannten Kompetenzinitiative am 5. April 2014 in Würzburg festgehalten hat - um sie als DVD kommerziell zu vermarkten.

Vom sogenannten Steinhardt-Verlag schreibe ich, weil dieser 2-Personen-Verlag keine Rechtsform hat und alles danach aussieht, als ob Herr Steinhardt und seine Ehefrau das Gewerbe, das sie betreiben, einfach nur Verlag nennen. Die Gründung eines Buchverlags meldet man unter Vorlage des Personalausweises beim zuständigen Gewerbeamt an. Die Kosten belaufen sich auf etwa zehn bis vierzig Euro (Quelle).

Was der Intensiv-Crashkurs des Edgar Steinhardt inhaltlich bietet weiß ich nicht vollumfänglich, da ich mir diese zwei Stunden natürlich nicht angetan habe. Denn schon die erste Behauptung Steinhardts (Minute 2:40), der Begriff "Elektrosmog" sei erstmals 1980 in "Das Beste aus Reader's Digest" erwähnt worden, ist falsch. Wie hier ersichtlich, prägte 1971 ein gewisser Anderson den Begriff "electronic smog", und wer in dem verlinkten Buch zurückblättert findet: Jack Anderson ist kein Phantom, er war einer der Autoren der Washington Post. Dass die Angaben stimmen belegt ein Original-Artikel Andersons im Herald Journal vom 12. November 1972: Navy ist Testing Microwave Effects. Forschungsleiter damals war ein Deutscher, Dietrich Beischer, ein Wissenschaftler aus der Zeit des II. Weltkriegs. Er wußte schon damals, dass die EMF-Grenzwerte in der UdSSR 1000-mal geringer waren als im Westen. Er sagte aber auch: "Die Öffentlichkeit sollte nicht beunruhigt werden. Wir gehen nicht davon aus, dass selbst 10 mW/cm² zu Grauem Star führen. Doch wir sind nicht sicher, wo der ungefährliche Bereich beginnt."

Der Begriff "electronic smog" steht in der zweiten Spalte unmittelbar vor der Zwischenüberschrift.

Weitere Quellen: Der Begriff "electromagnetic smog" stand am 1. September 1978 in The Age, schwache EMF wurde damals für plötzlichen Kindstod verantwortlich gemacht. Ein Jahr zuvor stand dieser Begriff auch im Ocala Star-Banner. Den Begriff "electro smog" habe ich in den Google-Scans alter US-Zeitungen nicht gefunden.

Steinhardt ist, wie so viele kommerziell orientierte Mobilfunkgegner, ein Instant-Experte von Googles Gnaden. Das heißt: Er scannt regelmäßig das Internet nach brauchbaren Meldungen, verpackt diese um und verwurstet sie im eigenen "Verlag". So kommt es, dass Steinhardt in seinem "Intensiv-Crashkurs", den er vor einem Jahr auf Vimeo hochgeladen hat, exakt dieselbe Falschmeldung verbreitet, die das IZgMF bereits seit Mitte 2012 dem Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk vorhält. Wie die Resolution 1815 des Europarats überhaupt zustande gekommen ist, dies lässt sich in diesem IZgMF-Beitrag in allen (bestürzenden) Einzelheiten nachlesen.

Zwei Falschmeldungen gleich zu Beginn des 2-Stunden-Epos, das war mir zuviel ...

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
, Video, Instant-Experte, Linsentrübung, Steinhardt-Verlag, Personalunion


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