Gigaherz-Präsident Jakob zu Netzverdichtung: Einstein mogelt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 09.03.2014, 00:01 (vor 2142 Tagen)

Gigaherz-Präsident Jakob schreibt auf seiner Homepage:

Die TV-Sendung des Fernsehens SRF vermittelte einmal mehr den völlig falschen Eindruck, je mehr Mobilfunksender gebaut würden, desto schwächer würde eine einzelnen Anlage senden und umso tiefer würde die durchschnittliche Strahlenbelastung für die Bevölkerung ausfallen.

Das ist völlig unzutreffend. In den letzten 3 Jahren wurde in der Schweiz nicht eine einzige Mobilfunk-Sendeanlage gebaut, die mit ihren Strahlungswerten nicht weniger als 1-2% an den erlaubten Grenzwert heranreichte. Dass umso schwächere Anlagen gebaut werden, je mehr Standorte den Betreibern zur Verfügung stehen, ist demnach eine glatte Lüge.

Zunächst einmal: Es geht um diese 15-minütige TV-Sendung der Sendereihe "Einstein". Glaubwürdig wird dort zu Beginn dargelegt, dass die Funkimmission anlässlich der "Streetparade" Zürich sich infolge Netzverdichtung von einem Jahr zum nächsten halbiert habe. Die Sendung ist wirklich sehenswert, keiner der bekannten Selbstdarsteller verbreitet darin seine Desinformation, das Schweizer-Deutsch allerdings ist nichts für ungeübte Ohren.

Netzverdichtung bedeutet mehr Sendemasten auf gleicher Fläche. Dies wiederum bedeutet kleinere Funkzellen. Um ein Handy am Rand einer Funkzelle erreichen zu können, ist bei kleinen Funkzellen weniger Sendeleistung erforderlich als bei großen. Das ist wie bei einem Rasensprenger (Wasserdruck = Sendeleistung) und deshalb kinderleicht zu verstehen.

Dennoch behauptet Hans-Ueli, die Immissionsverringerung durch Netzverdichtung sei eine glatte Lüge.

Und er begründet dies damit: "In den letzten 3 Jahren wurde in der Schweiz nicht eine einzige Mobilfunk-Sendeanlage gebaut, die mit ihren Strahlungswerten nicht weniger als 1-2% an den erlaubten Grenzwert heranreichte."

Trotz mehrmaligem Lesen ist es mir nicht gelungen, diese Knobelaufgabe vom Typ "auf dem rechten Ohr bin ich halb blind" zweifelsfrei zu lösen.

Den Hauptsatz verstehe ich noch: In der Schweiz wurde demnach seit drei Jahren keine einzige Mobilfunk-Sendeanlage (auf)gebaut. Am daran anschließenden Relativsatz aber habe ich zu knabbern und kann nur vermuten, Hans-Ueli wollte sagen: Alle in den letzten drei Jahren in der Schweiz errichteten Mobilfunk-Sendeanlagen schöpfen die Grenzwerte zu mindestens 98 % oder 99 % aus.

Sollte diese Interpretation zutreffend sein, so ist die Behauptung des Gigaherz-Präsidenten vollständiger Stuss. Denn jede Mobilfunk-Sendeanlage erreicht nicht nur die Grenzwerte, sie überschreitet sie auch deutlich - man muss dazu nur nahe genug an die Antennen herangehen. Und weil das so ist, gibt es um Sendeanlagen Sicherheitsabstände, die ggf. durch bauliche Maßnahmen erreicht werden und verhindern sollten, dass Menschen den Anlagen zu nahe kommen. Mit Netzverdichtung hat dies alles nichts zu tun, auch bei kleinen Funkzellen gibt es (kleine) Sicherheitsabstände, die kein Mensch ungeschützt betreten darf.

Aus meiner Sicht ist der Beitrag von Herrn Jakob im Zusammenhang mit Netzverdichtung völlig sinnfrei und reiner Blödsinn. Richtig ist, dass bei Dachstandorten in den oberen Etagen von Häusern höhere Werte gemessen werden als am Erdboden. Doch das ist trivial und trifft immer zu, egal ob ein Funknetz eng- oder weitmaschig ist.

Der Gigaherz-Präsident verfasste seinen Beitrag am 8. März. Er ist damit seiner Zeit um 24 Tage voraus gewesen.

[Admin: Postingtitel geändert, 9. März 2014, 23:55 Uhr]

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Schweiz, Narrenhaus, Sendeleistung, Präsident


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