Fulda-Grüne beantragen Elektrosensiblen-Reservat in der Rhön (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 03.11.2012, 01:33 (vor 2573 Tagen)

Im 81 Sitze zählenden Kreistag zu Fulda sind die zwölf Grünen nach CDU (43 Sitze) und SPD (15 Sitze) nur die drittstärkste Fraktion. Deshalb dürfte der neueste Antrag der in Mobilfunkfragen bekanntermaßen schlecht beratenen Fulda-Grünen aller Voraussicht nach schon an der ersten Hürde straucheln, es ist die des gesunden Menschenverstandes, wie ihn nicht selten Christdemokraten haben.

Ja was ist denn passiert, in Fulda?

Unter dem Einfluss überzeugter Mobilfunkgegner haben die Kreisgrünen auf der letzten Kreistagssitzung am 8. Oktober 2012 allen Ernstes beantragt, der Kreisausschuss möge sich mit der Problematik der Einrichtung eines Elektrosensiblen-Reservats (Weiße Zone) innerhalb des Biosphärenreservates beschäftigen. Ja, richtig gelesen: In der Röhn soll eine funkfreie Zone für Menschen eingerichtet werden (Funkloch), die behaupten, Funkfelder spüren zu können.

Fraktionsschef Helmut Schönberger begründet das absurde Ansinnen in einem Schreiben an den Kreistagsvorsitzenden (PDF, 2 Seiten) mit dem unrühmlichen Beschluss des Europarats: "Am 27.05.2011", schreibt Schönberger, "forderte das höchste Beschluss fassende Gremium des Europarates zur Wende in der Mobilfunkpolitik auf. Unter anderem wird die Errichtung funkfreier Gebiete für elektrosensible Personen benannt, so genannte Weiße Zonen."

Mein lieber Mann!

Wer, Herr Schönberger hat Ihnen denn diesen Quatsch eingeredet? Wissen Sie denn nicht, dass es weltweit bislang keinem einzigen Wissenschaftler gelungen ist, auch nur einen einzigen echten Elektrosensiblen zu finden? Echt ist ein Elektrosensibler dann, wenn er seine subjektiv empfundene Fähigkeit, Funkfelder unangenehm zu spüren, nach den strengen objektiven Maßstäben der Wissenschaft nachweisen kann. Unecht sind Elektrosensible, die ihre Fähigkeit lediglich behaupten. Diese Leute brauchen kein Reservat, sondern professionelle ärztliche Hilfe.

Wissen Sie denn nicht, dass sich in der Schweiz in einem 2 1/2 Jahre dauernden Versuch lediglich 155 "Elektrosensible" bei einer unentgeltlichen Beratungsstelle gemeldet haben - obwohl für diesen Service jahrelang Dauerwerbung gemacht wurde? Und wissen Sie denn nicht, dass von diesen 155 nur 49 aufraffen konnten, nach der Beratung überhaupt einen Umweltmediziner aufzusuchen? Was glauben Sie denn, wieviele "Elektrosensible" unter diesen Umständen die "Weiße Zone" in der Rhön bevölkern werden? Aus meiner Sicht werden es Anfangs, wenn die Medien da sind, vielleicht zehn oder 20 sein, danach dürfte ohne Medieninteresse der Bestand exponentiell auf Null abnehmen.

Und hören Sie mir bloß mit der Resolution 1815 des Europarats auf. Dazu habe ich einen Beitrag epischen Ausmaßes verfasst, um mit Belegen deutlich zu machen, auf welche abenteuerliche Weise diese Resolution zustande gekommen ist. Entgegen Ihrer Behauptung war es nicht das "höchste Beschluss fassenden Gremium des Europarates", das wäre die Parlamentarische Versammlung, sondern es waren ganze 26 Europaräte, die diese Resolution im Schnelldurchgang nach 15 Minuten Palaver abgenickt haben, denn in der 4-stündigen Sitzung mussten noch 16 andere Geschäftsvorfälle abgearbeitet werden. Können Sie alles haarklein nachlesen <hier>.

Was, Herr Schönberger, muss passieren, damit Sie sich von den Einflüsterungen Ihrer Anti-Mobilfunk-Fraktionäre frei schwimmen können. Lassen Sie sich von denen nicht für dumm verkaufen, informieren Sie sich unabhängig und ziehen Sie nicht den Karren für mutmaßliche Gewerbe-Lobbyisten, die mit unbegründeter Angst vor Elektrosmog den Markt gefügig machen wollen. Was Ihre Ratgeber wirklich drauf haben, am 27. Oktober in München haben sie es gezeigt.

Für mich ist eine Partei inkompetent, wenn sie sich willfährig selbst absurdeste Forderungen aus Kreisen überzeugter Mobilfunkgegner zueigen macht. Inkompetenz wähle ich nicht, denn Inkompetenz darf mMn keine politische Verantwortung tragen.

Hintergrund
Bericht über den Weiße-Zone-Antrag in Fuldainfo mit kritischen Kommentaren
Fuldas Grüne lassen Grenzwerte im Mobilfunk hinterfragen
Weiße Zonen in der Rhön
Rhön: Neue Selbsthilfegruppe für Elektrosensible

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Politik, Umweltmediziner, Die Grünen, Funkloch, Lobbyismus, Karren, Erholungsort, Europarat, Fulda, politische Verantwortung


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