Grenzwert: Irrt sich Klitzing oder lügt er? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 30.05.2010, 23:53 (vor 5139 Tagen) @ RDW

[Zitat Anfang]"So bedient man sich der wissenschaftlich keineswegs begründeten Praxis, die aktuellen Grenzwerte nach DIN/VDE 0843 in der 26. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz deshalb nicht zu ändern, solange nach einer 6-minütigen Exposition in einem dem Menschen nachgebildeten Phantom die Temperaturdifferenz 0,5 K nicht überschreitet."[/Zitat Ende]

Diese Temperaturerhöhung gilt für den Grenzwert der SAR von 2 W/kg bei Mobilgeräten, nicht aber für den SAR-Wert von 0,08W/kg der 26. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz.
Irrt sich Klitzing oder lügt er?

Tut mir leid, aber ich komme damit nicht klar. Einmal ist die Ausführung von LvK schon sprachlich schwierig und von 0,5 K Temperaturerhöhung steht weder etwas in der 26. BImSchV noch in der IVNIRP-Richtline. In der deutschen Übersetzung der ICNIRP-Richtlinie steht aber:

Gesicherte biologische und gesundheitliche Wirkungen im Frequenzbereich von 10 MHz bis zu einigen GHz stimmen mit den Reaktionen auf einen Anstieg der Körpertemperatur um mehr als 1 °C überein. Dieser Temperaturanstieg ergibt sich aus der Exposition von Personen unter gemäßigten Umgebungsbedingungen durch eine Ganzkörper-SAR von ungefähr 4 W/kg während einer Zeit von 30 Minuten. Die durchschnittliche Ganzkörper-SAR von 0,4 W/kg wurde daher als Grenzwert gewählt, der einen angemessenen Schutz vor beruflich bedingter Exposition gewährleistet. Ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor von 5 wird für die Exposition der Normalbevölkerung eingeführt, was einer durchschnittlichen Ganzkörper-SAR-Grenze von 0,08 W/kg entspricht.

Die berühmt/berüchtigten 0,08 W/kg, also der Ganzkörper-Grenzwert, den auch LvK bemüht, bewirken also nicht einen Temperaturanstieg von 1 °C, wie es immer wieder beschrieben wird, sondern erst eine 50-mal höhere SAR von 4 W/kg. Die 1 °C Körpertemperaturerhöhung und den zulässigen Grenzwert 0,08 W/kg trennt also der Sicherheitsfaktor 50! Den Zusammenhang zwischen einem Teilkörper-Grenzwert von 2 W/kg und 0,5 °C Temperaturanstieg kann ich jedoch nicht nachvollziehen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
ICNIRP, Klitzing, Teilkörper-Grenzwert, VDE


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