EHS-Test von Klitzing- keine Garantie (Allgemein)

Kuddel, Sonntag, 30.05.2010, 14:58 (vor 4042 Tagen) @ KlaKla
bearbeitet von Kuddel, Sonntag, 30.05.2010, 15:34

Gleich zu Anfang erfolgt der Garantieausschluß

Mehrjährige Forschungen zu diesem Thema haben ergeben, dass bestimmte physiologische Parameter zwar eine sehr gute Korrelation zur Elektrosensibilität aufzeigen, jedoch nicht die von der Statistik geforderte strenge Kausalität zulassen. Somit können derzeit nur die vielen Erfahrungen berücksichtigt werden, die sich in einer Beschreibung zahlreicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen widerspiegelt. Andererseits hat sich gezeigt, dass das vegetative Nervensystem in seinen Reaktionen einen guten Indikator darstellt.

Auf gut Deutsch: Das Verfahren erfüllt nicht wissenschaftliche Kriterien (Kausalität). Lediglich aufgrund nicht näher spezifizierter "Erfahrungen" meint der Autor, daß die Parameter einen guten "Indikator" darstellen.

Unter "Testverfahren" stellt der Autor folgende Behauptung auf, an deren Richtigkeit ich zweifele:

Als objektivierbare, nicht durch die Psyche unmittelbar beeinflussbare Parameter gelten hier die Herzratenvariabilität (Variabilität in der Aufeinanderfolge der einzelnen Herzaktionen), die Mikrozirkulation (Dynamik der kapillaren Gefäßdurchblutung) und die aktiven elektrischen Hautpotenziale.

Für meine Zweifel habe ich folgende Gründe:

1.) Herzratenvariabilität (HRV)
Fast jeder kennt diese Blutdruckmeßgeräte für das Handgelenk oder den Oberarm.
Der Puls wird als akustischer Piepton wiedergegeben. Zumindest bei mir ist es so, daß die Pulsfolge sehr unregelmäßig wird, wenn ich mich zu stark auf die Messung konzentriere oder aufgeregt bin. Für mich ist das ein eindeutiger Einfluß der Psyche.
Auch in Wikipedia kann man nachlesen, dass die HRV in der Streßforschung und Psychophysiologie eingesetzt wird:

... Festgestellt wurde, dass bei so komplexen Reaktionen wie Liebe oder Dankbarkeit, die mit der emotionalen Reaktion der Freude verbunden sind, eine messbare Synchronisation der Rhythmen von Herz und Atmung (Respiratorische Sinusarrhythmie) erfolgt.[12] Diese Balance zwischen Atmung und Herzschlag verschwindet jedoch bei Reaktionen wie Hetze ("Stress"), Ärger oder Angst...

=> Die HRV kann von der Psyche beeinflußt werden kann, z.B. durch (Prüfungs-)Angst oder Nervosität.

2.) Mikrozirkulation

Wikipedia: Mit dem Begriff Mikrozirkulation bezeichnet man in der Medizin die Durchblutung und den Stoffaustausch in den kleinsten Blutgefäßen mit einer Größe kleiner als 100 µm (z. B. Kapillaren, Arteriolen, Venolen), den sogenannten Mikrogefäßen.

Hier möchte auch auf das allgemein bekannte Phänomen des Errötens hinweisen, welches nichts anderes ist, als eine Änderung der Mikrozirkulation durch die Psyche.

Wikipedia: Das Erröten (medizinisch als Flush bezeichnet) beruht auf einer plötzlichen Ausdehnung von Blutgefäßen und einer damit verbundenen Zunahme des Blutvolumens der Haut des Gesichtes und der Halsregion des Menschen. ...Um die Auslöser des Errötens zu verstehen, ist es hilfreich, wie im Englischen blush und flush zu unterscheiden. Blush beschreibt das Erröten als mögliche körperliche Begleiterscheinung einer der selbstbewertenden Emotionen (Verlegenheit, Scham, situationsbezogene Scheu, Peinlichkeit).

3.) Aktive Hautpotenziale
Hautpotentiale stehen im engen Zusammenhang mit der elektrischen Leitfähigkeit der Haut, welche sich z.B. durch (Angst-) Schweiß verändern kann.
In der Psychologie gilt die Hautleitfähigkeit sogar als

"sensibler vegetativer Indikator psychophysischer Aktivierung (elektrodermale Aktivität, Psychophysiologie)".

Einfachstes Beispiel: Angst-Schweiß, "feuchte Hände" unter Prüfungsbedingungen, oder "Lügendetektortests".

Der Begriff "Lügendetektor" führt bei Wikipedia zu ergiebigen Aussagen, welche in totalem Widerspruch zu von Klitzings Aussage: -"Objektivierbar und nicht durch die Psyche beeinflußbar"- steht:

Polygraphische Untersuchungen basieren auf der Annahme, dass Menschen beim Lügen mindestens geringfügig nervös werden..
Geeignete Reaktionen sind unter Anderem:

* Änderung der Atemfrequenz
* Änderung des Pulses
* Änderung des Blutdrucks
* psychogalvanische Hautreaktion – Änderung des Hautwiderstands durch Schwitzen

...Also genau die in von Klitzings "EHS-Test" verwendeten "Indikatoren".

Wie bitte kann man da behaupten, daß diese Parameter nicht durch die Psyche beeinflußbar sind, wenn schon eine "geringfügige Nervosität" die Parameter beeinflußt ?

Fazit: Meiner Meinung nach ist von Klitzings "EHS-Test" nichts anderes als ein Lügendetektortest und sogar sehr von der psychischen Konstitution der Probanden (z.B. Prüfungsangst, Nervosität) abhängig.

Neulich gab es auch einen Fernsehbeitrag *), wo der Ablauf von von Klitzings "EHS-Test" gezeigt wurde. Das Ein-Ausschalten der DECT Basisstation erfolgte im Film auf dillettantische Weise durch laut hörbares Einstecken des Steckernetzteils.

Wer sollte da nicht mindestens "geringfügig" nervös werden, wenn er gerade auf EHS getestet wird ?

Übrigens: Auch von Klitzings EEG-Versuche erfolgten in ähnlicher Weise unverblindet, d.h. der Proband konnte jeweils hören, wenn von Klitzing den HF-Generator bediente.

[*) Admin 24.05.2017: Der Link führt nicht mehr zum Ziel; Ersatzlink]

Tags:
Herzratenvariabilität, HRV, Durchblutung


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