J. Schüz: Bei Magnetfeldern auf kleinen Mittelwert achten (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 03.06.2009, 23:09 (vor 3838 Tagen)

Im einer Diskussion mit Teilnehmer "unwichtig" im Gigahetz-Forum kam die Behauptung auf, dass in Haushalten Magnetfelder im Bereich einiger Mikrotesla gang und gäbe wären - und deshalb folgendes Zitat falsch sei:

Durchschnittliche Magnetfelder ≥ 0,2μT sind in Deutschland selten. Nur in 1,4 % der für die Allgemeinbevölkerung repräsentativen Wohnungen wurden Magnetfelder ≥ 0,2 μT gemessen. In etwa 77 % aller Wohnungen war der Meßwert kleiner als 0,05 μT. Magnetfelder während der Nacht waren im Durchschnitt noch niedriger.

Da das Zitat aus einer Studie von J. Schüz (PDF) stammt, fragte ich heute bei ihm nach, was Sache sei.

Er schrieb zurück, bei der zitierten Arbeit handle es sich um eine Studie zum Leukämierisiko bei Kindern und nicht um eine Messreihe. Deshalb sei ausschließlich der Feldparameter interessant gewesen - für den er und seine Kollegen ab 0,2 µT ein erhöhtes Leukämierisiko beobachtet haben -, um die Folgen abschätzen zu können. Dieser Feldparameter ist der Durchschnittswert (genauer: der Medianwert über eine 24-Stunden-Messung stationär im Kinderzimmer) und deshalb sei dieser in der Arbeit auch berichtet worden. Die Maximalwerte des magnetischen Feldes wären natürlich auch bei der Studie höher gewesen, es habe viele Messwerte im µT-Bereich gegeben. Dies aber sei für ihn unerheblich, weil der Maximalwert nicht mit dem Leukämierisiko bei Kindern in Zusammenhang stand!

D.h. aber auch: Wer als Vorsichtsmaßnahme höhere Magnetfeldexpositionen vermeiden möchte, muss den Durchschnittswert unter 0,2 µT senken, eine Vermeidung lediglich von höheren Maximalwerten bringt nichts. Die Messungen, auf der die Arbeit beruht, wurden seinerzeit vom Forschungsverbund Elektromagnetische Verträglichkeit biologischer Systeme der Technischen Universität Braunschweig durchgeführt.

Aus meiner Sicht ist die entscheidende Auskunft von J. Schüz die, dass der über 1 Tag gemittelte Durchschnittswert für das Leukämierrisko von Kindern maßgebend ist und nicht hohe aber nur kurzzeitig einwirkende Magnetfeldspitzen. Dies konkretisiert die alte Frage nach der biologischen Bedeutung von Effektiv- und Spitzenwerten zugunsten des Effektivwerts. Allerdings muss mMn unterschieden werden, zwischen einer Mittelung über sehr kurze Zeit, wie dies bei Messgeräten der Fall ist (Peak/RMS-Messung) und der Mittelung über lange Zeit. Infolge unscharfer Begrifflichkeit können da zwei leicht stundenlang streiten ohne zu merken, dass der eine dies meint und der andere das.

[Admin: Toten Link (BfS-Webadresse) zur Studie von J. Schüz am 27.08.11 wiederbelebt (IZgMF-Webadresse)]

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kinder, Leukämie, Schüz, Magnetfeld, Rundfunk, Effektivwert


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