Naila - einmal nüchtern betrachtet (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 10.08.2004, 11:58 (vor 6632 Tagen)

In der jüngsten Ausgabe des Elektrosmog-Reports (August 2004), herausgegeben vom Nova-Institut, Hürth, geht es u. a. auch um die Ärztestudie aus Naila. Die Autoren gießen etwas Wasser ins Feuer und schreiben:

"... Obwohl die hier vorgestellten Daten (Anm. Red.: gemeint sind die Angaben der Ärzte aus Naila) statistisch signifikant sind, lassen sich aus den Beobachtungen keine entgültigen Schlussfolgerungen zum Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und Krebs ziehen. In der Vergangenheit hat es in verschiedenen Ländern immer wieder solche Einzelbeobachtungen zum möglichen Krebsverursachenden Effekt hochfrequenter Strahlung in selektierten Kollektiven gegeben. In vielen dieser Fällen ließ sich nach einer Ausweitung auf unsektierte Kollektive der Verdacht auf einen solchen Zusammenhang nicht bestätigen.

Die bekanntesten dieser Untersuchungen, die zugleich zu den sogfälltigsten zählen, sind zwei Studien aus Großbritanien zum Zusammenhang zwischen Fernsehsendern und der Krebshäufigkeit (Dolk et al. 1997). Zu Anfang der 90-er Jahre viel einem niedergelassenen Arzt bei Birmingham in England eine Häufung von Leukämiefällen in der Nähe eines Fernseh- und Radiosenders auf. Eine daraufhin durchgeführte Untersuchung bestätigte tatsächlich die Existenz einer Verdoppelung des Leukämierisikos. Eine Folgestudie die an verschiedenen Standorten von 20 weiteren Sendern durchgeführt wurden, fand jedoch keine relevante Erhöhung der Krebsrate."

Mit dieser nüchternen Einschätzung sollten eigentlich alle gut leben können. Naila hat eine wichtigen Warnhinweis gegeben und die große Ampel wieder einmal auf Gelb geschaltet. Ob sie nun auf Rot oder Grün weiterschaltet, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Die Nagelprobe für Politik und Forschung wird aus meiner Sicht die sein, wie schnell und wie transparent auf das Gelb-Signal reagiert wird. Denn wenn ich so an die TNO-Studie der Niederländer denke, die ja vor rd. 1 Jahr ebenfalls ein unbestritten deutliches Warnsignal gesetzt hat, dann kommt es mir schon so vor, dass diese Ampel zwar nach wie vor Gelb anzeigt, dies aber irgendwo inmitten der Sahara. Soll heißen: Wo zum Kuckuck bleiben erkennbare ernsthafte Reaktionen verantwortlicher Stellen in diesem unserem Lande? Warum zum Teufel ist die TNO-Studie, der auch die Gegenseite die Seriosität nicht abspricht, nicht längst mit gleichem Studiendesign in GER, FRA, AUT, CH und GBR wiederholt worden? Wenn Naila ebenso lasche Reaktionen auslöst, dann - Gegenseite - ja dann wundere dich nicht, wenn wieder Verschwörungstheorien in Umlauf kommen, von denen immer mehr glauben, dass es vielleicht gar keine Theorien sind.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Leukämie, Eger, Naila


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