Studie zeigte nach nur 3 Jahren Krebs durch Rauchen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 06.01.2009, 02:29 (vor 5145 Tagen)

Gehen wir nicht alle davon aus, dass die Einwirkdauer der "Noxe" Mobilfunk seit 1993, so richtig aber erst seit 2000, noch nicht ausreichend lange andauert, damit sich ihre verheerende Wirkung in Form einer sprunghaft ansteigenden Krebsrate bemerkbar macht? Mir ist dieses Argument fleißiger Mobilfunkgegner jedenfalls geläufig. Da wird man als Skeptiker von einem Jahr aufs nächste vertröstet, der Anstieg habe zwar wegen laaaanger Latenzzeiten (noch immer) nicht begonnen, er sei aber so gewiss wie das Amen in der Kirche. Mit Norbert Blüms Worten: Die Rente ist sicher - man muss nur fest dran glauben.

Eine zufällig entdeckte Recherche von M. Hahn (PDF, 140 KByte) hat mir die Warterei auf den befürchteten (von Anti-Mobilfunk-Hardlinern erhofften) Anstieg der Krebszahlen jetzt ziemlich kurzweilig gemacht.

Hahn geht in dem PDF der Frage nach, ab wann es wirklich bekannt war, dass Rauchen mörderisch ist. Dabei räumt er mit der Behauptung auf, dies sei erst in den 90er Jahren der Fall gewesen. Die Spur führt zurück zu den Anfängen der berühmten British Doctors Study, der weltgrößten prospektiven Kohortenstudie zum Rauchen. Sie dauerte von 1951 bis 2001. Bereits 1954 beim ersten Zwischenbericht schrieben, so Hahn, die Autoren der Studie:

„Die Untersuchung hat bis dato noch nicht lange genug angedauert, um zeigen zu können, ob es eine Beziehung zwischen Rauchen und der Sterblichkeit an anderen Krankheiten gibt. Anhand der vorläufigen Zahlen dürfte es aber unwahrscheinlich sein, dass es irgend eine gibt, welche so eng ist wie die zum Lungenkrebs.

(Englischer originaltext: „The investigation has not, as yet, continued long enough to show whether there is a relationship between smoking and the mortality from any other disease, but from the preliminary figures it would seem unlikely that there is any as close as that observed with lung cancer.“)

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Bereits nach drei Jahren Beobachtung waren sich die Autoren reichlich sicher, dass Rauchen Lungenkrebs bewirkt. Sogar der mittlerweile längst bestätigte Risikoanstieg ums 20-fache gegenüber Nichtrauchern wurde damals schon erkannt! Im Mobilfunkbereich gibt es nichts Vergleichbares an Kohortenstudien im Sinne eines frühen und gut begründeten Alarms.

Aus dieser Sicht heraus bekommen die weitgehend entwarnenden Ergebnisse der großen dänischen Kohortenstudie zum Handygebrauch noch etwas mehr Schwung - hier wurde (2007) nach acht Jahren Beobachtung immerhin schon der zweite Zwischenbericht veröffentlicht wobei die altgedientesten Handynutzer bereits eine "Noxeneinwirkung" von 25 Jahren hinter sich haben. Der nächste Zwischenbericht, voraussichtlich 2012, wird zeigen, ob dieser Trend zur Entwarnung anhält.

[Admin: Toten Link zu Dokument von M. Hahn wiederbelebt 02.09.2014]

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Krebs, Studie, Analogie, Tabak, Rauchen, Sterblichkeit, Latenzzeit, Kohortenstudie, Hahn


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