Kommentar zur Mobilfunkforschung (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 13.07.2008, 01:51 (vor 5443 Tagen) @ Doris

An jedem Befund irgendeiner der betrachteten Arbeit war ein Fehler zu finden, während die negativen Ergebnisse automatisch als 100%ig korrekt und akkurat durchgeführt zu betrachten sind; sie werden jedenfalls nicht diskutiert.

Dieses Thema haben wir hier schon einmal versucht, durch die Mangel zu drehen.

Dass negative Ergebnisse nicht diskutiert werden ist nicht wahr. Natürlich werden diese diskutiert. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist die "misslungene" Replikation der TNO-Studie in Zürich. Allerdings findet bei jeder Diskussion über positive/negative Studienergebnisse gerne ein Plattformwechsel statt: Nicht die an einer Studie beteiligten Wissenschaftler und deren Kontrahenten aus dem Wissenschaftsbetrieb treten in Diskussion miteinander, sondern externe Beobachter der Szene. Dabei wird dann bei negativem Ergebnis ein relativ breites Kompetenzspektrum durchfahren, von empörten Laien mit ES-Hintergrund über Verschwörungstheoretiker bis hin zu akribischen Analysen, wie sie für W.K. typisch sind. Auch die entwarnende BHS-Nachfolgestudie von Salford hat für viele mehr oder weniger kompetente Kommentare gesorgt, nur einer hat dabei nicht mitdiskutiert: Salford.

Die Prozedur des Studiengebährens unter den Augen der Öffentlichkeit erinnert mich ein wenig an englische Fuchsjagden: Während sich die Jäger zum gepflegten Dinner in den Elfenbeinturm zurückgezogen haben balgt sich vor der Türe eine Meute von Kritikern um die frei gegebenen Informationsbrocken. Drinnen wird schon über den nächsten Streich nachgedacht, draußen jagt eine waghalsige Interpretation die nächste und niemand weiß genau, welche oder ob überhaupt eine der Interpretationen die richtige ist. Denn leider treten die Jäger abschließend so gut wie nie vor die Türe, um zu den wuchernden Meinungsäußerungen etwas erhellendes zu sagen. Der Wissenschaftsbetrieb hat mMn noch nicht wirklich überrissen, dass Bismarck nicht mehr Reichskanzler ist.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
TNO-Studie, Salford


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