Hirntumoren und frühe Mobilfunknetze (Forschung)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 16.12.2018, 18:03 (vor 213 Tagen)

Die im Dezember 2018 veröffentlichte Arpansa-Hirntumorstudie meldet für Hirntumoren in Australien zwei bemerkenswerte Entwicklungen:

► Obwohl die Nutzung von Mobiltelefonen seit 2003 weiter rapide zugenommen hat, ist seither kein Anstieg von Hirntumoren mehr zu verzeichnen.
► Seit 2003 gab es auch keine Zunahme von Gehirntumoren des Schläfenlappens, der am stärksten exponierten Hirnregion bei der Verwendung eines Mobiltelefons.

Die Beobachtungen von Arpansa könnten ein spätes Indiz dafür sein, dass die längst außer Betrieb genommenen Analognetze bei den Hirntumorraten für einige Jahre bis 2003 Spätfolgen in Gestalt eines befristeten Anstiegs (einen "Hügel") gezeigt haben. Doch wann wurde wo welches Analognetz in Betrieb genommen und mit welchen Sendeleistungen arbeiteten damals die Funktelefone? Die folgende Auflistung nennt dazu einige Eckdaten.

AMPS
Betriebszeit: 1983 bis 2008 (USA)
Verbreitungsgebiet: USA, Kanda, Russland, China, Israel, Australien, Pakistan u.a.
Maximale Teilnehmeranzahl: keine Angaben
Frequenzbereich: 824 MHz bis 895 MHz
Endgeräte: Handgehaltene Funktelefone ("Handys")
Sendeleistung Endgeräte: 0,6 W (andere Quelle: 3 W)
Leistungsregelung: ja, 8-stufig
Sendeleistung Basisstationen: 100 W
Quelle: Handbuch für die Telekommunikation, First Generation Systems, Measurements on AMPS Phones with
the R&S CMU200 and CMUgo
, Wikipedia

TACS/ETACS
Technisch angelehnt an AMPS; ETACS hatte mehr Kanäle als TACS
Betriebszeit: 1985 bis 31.05.2001 (UK)
Verbreitungsgebiet: Großbritannien, Österreich, China, Italien u.a.
Maximale Teilnehmeranzahl: keine Angaben
Frequenzbereich: 890 MHz bis 960 MHz
Endgeräte: Autotelefon, mobile Telefonkoffer
Sendeleistung Endgeräte: 7 W (andere Quelle: 10 W)
Leistungsregelung: ja, 8-stufig
Sendeleistung Basisstationen: 100 W
Quelle: Handbuch für die Telekommunikation, Total Access Communication System, First Generation Systems

C-Netz
Nicht zu verwechseln mit dem Netz-C in Österreich, das auf NMT beruhte.
Betriebszeit: 1985 bis 31.12.2000
Verbreitungsgebiet: Deutschland, Portugal, Südafrika
Maximale Teilnehmeranzahl: 800'000 bis 850'000 (Deutschland)
Frequenzbereich: 451 MHz bis 466 MHz
Endgeräte: Autotelefone, Eisenbahn, Küstenschiffe, mobile Telefonkoffer
Sendeleistung Endgeräte: 5 mW bis 15 W
Leistungsregelung: ja, bei Endgeräten und Basisstationen
Sendeleistung Basisstationen: max. 25 W
Quelle: Handbuch für die Telekommunikation, Wikipedia

NMT450
Betriebszeit: 1981 bis 31.12.2007
Verbreitungsgebiet: Skandinavien, Österreich u.a.
Maximale Teilnehmeranzahl: keine Angaben
Frequenzbereich: 451 MHz bis 467 MHz
Endgeräte: Autotelefone, mobile Telefonkoffer
Sendeleistung Endgeräte: max. 15 W
Leistungsregelung: ja
Sendeleistung Basisstationen: 50 W
Quelle: Handbuch für die Telekommunikation, First Generation Systems, Nokia Talkman 620, Hardell et al. (2008)

NMT900
Betriebszeit: 1986 bis 2000
Verbreitungsgebiet: Skandinavien u.a.
Maximale Teilnehmeranzahl: keine Angaben
Frequenzbereich: 890 MHz bis 960 MHz
Endgeräte: Autotelefone, "Handys"
Sendeleistung Endgeräte: max. 6 W, ab 1988 auch "Handys" mit max. 1 W
Leistungsregelung: keine Angaben
Sendeleistung Basisstationen: 100 W
Quelle: Handbuch für die Telekommunikation, First Generation Systems, Hardell et al. (2006)

NTT
Betriebszeit: 1979 bis ?
Verbreitungsgebiet: Japan
Maximale Teilnehmeranzahl: keine Angaben
Frequenzbereich: 860 MHz bis 940 MHz
Endgeräte: keine Angaben
Sendeleistung Endgeräte: 5 W
Leistungsregelung: keine Angaben
Sendeleistung Basisstationen: 25 W
Quelle: First Generation Systems

Hintergrund
Mobiltelefone stehen im Verdacht, Hirntumoren zu verursachen oder zu begünstigen. Einen Kausalzusammenhang herzustellen ist schwierig, da Hirntumoren lange Latenzzeiten von je nach Quelle 20 bis 40 Jahren haben. Bislang geben nationale Hirntumorstatistiken keinen Anlass zur Sorge, sie zeigen bestenfalls stellenweise einen Anstieg der Neuerkrankungen auf sehr niedrigem Niveau (weil Hirntumoren selten sind). Besonders Mobilfunkgegner verweisen deshalb gerne darauf, es gäbe Mobilfunk noch nicht lange genug, als dass weltweit der bei milliardenfacher Nutzung von Mobiltelefonen zu erwartende deutliche Anstieg der Hirntumorrate hätte einsetzen können. So argumentieren Mobilfunkgegner allerdings schon seit etlichen Jahren, ohne dass der prophezeite dramatische Anstieg global zu beobachten wäre. Wobei anzumerken ist: Selbst wenn es einen solchen Anstieg gäbe, wäre dies zunächst nur ein Hinweis auf Mobiltelefone als Verursacher. Weil sich andere Verursacher jedoch nicht ausschließen lassen, lässt sich ein Prophezeiung mit Statistiken allein nicht belegen. Ein solcher warnender Hinweis könnte jedoch begründeten Anlass für Vorsorgemaßnahmen geben, um die Zeit zu überbrücken, bis mit anderen Forschungsmethoden eine Bestätigung des Tumor-Verdachts oder Entwarnung gegeben werden kann.

Was beim Vertrösten auf spätere Jahre gerne übersehen wird: Mobilfunk gab es schon vor den heutigen digitalen Funknetzen, die etwa ab 1991 schrittweise in aller Welt eingeführt wurden. Ab den frühen 1980er Jahren wurden bevorzugt in den Industrienationen neue zellulare Funknetze mit analoger Sprachübertragung eingeführt (Analognetze). Deren Teilnehmerzahlen waren zwar weitaus geringer als bei den heutigen Digitalnetzen, vier Millionen sollen es 1989 weltweit ab doch gewesen sein. Und wegen der Seltenheit von Hirntumoren hat bereits ein relativ schwacher Zuwachs in den absoluten Fallzahlen starke Auswirkungen auf Prozentwerte in den Statistiken. Skrupellose Mobilfunkgegner nutzen dies aus und schüren mit Meldungen wie "Verdopplung der Hirntumoren" Ängste in der Bevölkerung.

Stand: 19.12.2018-20:05

Hinweis: Sollte ich noch fehlende Angaben finden, werde ich die Liste nachträglich ergänzen und den Stand aktualisieren

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Tags:
Handy, Prophezeiung, Hirntumor, Kausalzusammenhang, Gliom, Latenzzeit, Arpansa

Hirntumoren und frühe Mobilfunknetze

Kuddel, Dienstag, 18.12.2018, 21:15 (vor 211 Tagen) @ H. Lamarr

Man sollte erwähnen, dass es sich bei den frühen Mobiltelefonen mit hoher Sendeleistung (5..15Watt) ausschliesslich um KFZ (Einbau) oder transportable "Koffergeräte" mit abgesetztem Hörer handelte.
D.h. bei normaler Nutzung war die Antenne > 20 ..40cm vom "Gehirn" entfernt, bei PKW-Einbau sogar ausserhalb des "Faradayschen" Käfigs.

Die letzten analogen Telefone hatten schon "Handyform", aber auch nur Sendeleistungen in der Größenordnung von 1Watt und zudem meist noch externe Antennen, da integrierte Antennen für derart niedrige Frequenzenzen (<450MHz) aufgrund der geringen Größe einen zu schlechten Wirkungsgrad gahabt hätten .

D.h. zwar war die Sendeleistung größer als heute, aber auch der Abstand zum Kopf betrug einige cm mehr. Eine deutliche Überschreitung heutiger SAR Grenzwerte war aber sicherlich möglich-

Man muß aber auch die Limitierungen der Geräte und das Nutzerverhalten berücksichtigen:
Die Netzabdeckung war meist so bescheiden, dass die Nutzer freiwillig einen größeren Abstand zum Körper gehalten haben (Vermeidung von Abschattung, bzw Verstimmung der Antenne) , um überhaupt eine Verbindung zu bekommen.

Ferner ist die geringe Akkulaufzeit zu erwähnen. Man konnte (bei hoher Lesitungseinstellung) nur ca 20..30 Minuten damit telefonieren, dann musste der Akku getauscht bzw geladen werden.

Ferner waren Telefonate extrem kostspielig (mehrere DM pro min) so dass man sich freiwillig "kurz" gehalten hat.

Die Verbreitung war sehr gering. Nur "Big Bosse" konnten sich so etwas leisten.

Mithin stellt sich m.M.n. die Frage, ob sich angesichts der geringen Verbreitung und der der üblichen (vergleichsweise kurzen) Expositionszeiten überhaupt ein Zusammenhang zu Hirntumoren herstellen läßt.

[image] [image]

K

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Netzabdeckung, Exposition, SAR-Wert, Sendeleistung, Akku, Autotelefon

Hirntumoren: Hardell fand 1999 für NMT Risikoanstieg

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 19.12.2018, 19:05 (vor 210 Tagen) @ Kuddel

Mithin stellt sich m.M.n. die Frage, ob sich angesichts der geringen Verbreitung und der der üblichen (vergleichsweise kurzen) Expositionszeiten überhaupt ein Zusammenhang zu Hirntumoren herstellen läßt.

Diese Frage stellte sich auch der Epidemiologe Lennart Hardell. In einem ersten Anlauf (veröffentlicht 1999) befragte er 209 Patienten, bei denen zwischen 1994 und 1996 ein Hirntumor festgestellt wurde nach ihrem Telefonierverhalten mit NMT- und GSM-Mobiltelefonen. Die Kontrollgruppe bildeten 425 gesunde Personen.

Hardell unterscheidet "Handys" (er nennt sie "cellular Phones") von anderer Technik wie Autotelefone und Telefonkoffer. Wer mit Autotelefonen (inkl. Außenantenne) oder mit Telefonkoffern telefonierte wurde von Hardell aus der Handy-Gruppe ausgeschlossen. Mit Handys telefonierten noch 78 Fälle und 161 Kontrollen, diese Fälle telefonierten in ihrem Leben bis zum Befragungszeitpunkt (so habe ich Hardells etwas schwammige Angabe jedenfalls verstanden) im Mittel 511 Stunden (Median 136 Stunden, Bereich 8 Stunden bis 9000 Stunden), die Kontrollen telefonierten im Mittel 428 Stunden (Median 136 Stunden, Bereich 8 Stunden bis 6304 Stunden.

In seiner Tabelle III schlüsselt Hardell die Handynutzer nach GSM und NMT auf, leider nicht plausibel, denn die Summen ergeben nicht die besagte 78 Fälle und 161 Kontrollen, sondern höhere Werte. Darum kümmere ich mich jetzt jedoch nicht weiter.

Plausibel ist noch, dass 38 Fälle (Kontrollen: 76) weniger als 136 Stunden telefonierten (Medianwert siehe oben) und 40 Fälle (Kontrollen: 85) mehr. Doch ab jetzt passen die Zahlen nicht mehr zusammen.

► Mit GSM telefonierten 44 Fälle (92), davon 20 (45) weniger als 88 Stunden und 24 (47) mehr.

► Mit NMT telefonierten 52 Fälle (106), davon 28 (51) weniger als 224 Stunden und 24 (54) mehr.

Die statistische Auswertung dieser Zahlen erbrachte nicht den erwarteten Risikoanstieg für Vieltelefonierer (Odds Ration OR > 1), sondern das Gegenteil: Vieltelefonierer haben paradoxerweise ein geringeres Hirntumorenrisiko. Bei NMT-Gebrauch z.B. sank das Risiko von +5 Prozent Anstieg bei Wenigtelefonierern (<224 Stunden) auf –17 Prozent bei Vieltelefonierern. Kein Wunder, denn keines der Ergebnisse erreichte statistische Signifikanz.

Langzeittelefonierer (mindestens 5 Jahre)
In einem nächsten Schritt musterte Hardell alle aus, die weniger als 5 Jahre im Besitz eines Handys waren. Danach blieben 34 Fälle (Kontrollen: 69) übrig.

► Mit GSM telefonierten jetzt nur noch 4 Fälle (12), davon 0 (6) weniger als 292 Stunden und 4 (6) mehr.

► Mit NMT telefonierten immerhin noch 31 Fälle (66), davon 17 (33) weniger als 380 Stunden und 14 (33) mehr.

Auch hier das gleiche Bild: Je mehr die Leute telefonierten desto geringer war das Risiko, einen Hirntumor zu entwickeln. Bei NMT-Gebrauch sank das Risiko von –7 Prozent für Wenigtelefonierer (<380 Stunden) auf beachtliche –32 Prozent für Vieltelefonierer. Aber: Auch diese Ergebnisse erreichten keine statistische Signifikanz.

Langzeittelefonierer (mindestens 10 Jahre)
Im letzten Schritt musterte Hardell alle aus, die weniger als 10 Jahre im Besitz eines Handys waren. Damit schieden sämtliche GSM-Teilnehmer aus. Nur noch 16 Fälle (Kontrollen: 26) blieben jetzt übrig.

► Neun Fälle (13) telefonierten mit NMT weniger als 968 Stunden und 7 (13) mehr.

Und jetzt endlich konnte Hardell einen erwarteten (vielleicht sogar erhofften) nennenswerten wenngleich irritierenden Risikoanstieg melden:

Die 9 Wenigtelefonierer unter den Fällen (<968 Stunden) hatten im Vergleich zu den 13 Kontrollen ein +32 Prozent höheres Hirntumorisiko. Die 7 Fälle, die länger telefonierten hatten dummerweise nur noch ein +6 Prozent höheres Risiko.

Klar, auch diese Ergebnisse erreichten keine statistische Signifikanz. Hardell räumte daher unumwunden ein:

In this study we did not find an overall increased risk for brain tumours associated with exposure to cellular phones. The results were similar both for the analogue and digital system. No dose-response effect could be seen or any effect of tumour induction time.

Für nicht nachvollziehbar halte ich seine Bemerkung:

It should be noted that analogue telephones have at least three times higher output power than digital phones.

Eine 3-fach höhere Leistung als Handys trifft auf Autotelefone und Telefonkoffer zu, die Hardell aber aus seiner Handy-Betrachtung ebenso ausgeklammert hat wie den Gebrauch von Freisprecheinrichtungen. Dass frühe NMT900-Analoghandys mindestens 6 W Sendeleistung hatten (3 x 2 W von GSM900), statt 1 W, dafür konnte ich keine Belege finden. Theoretisch wäre es jedoch vermutlich rechtlich zulässig gewesen Handys zu verkaufen, die mehr als 2 W/kg Teilkörper-SAR bewirken, die de-facto grenzwertsetzende EU-Ratsempfehlung 1999/519/EG kam ja erst 1999.

Meines Wissens ist Hardell der einzige Epidemiologe, der versucht hat, das Hirntumorrisiko durch die Endgeräte der Analogfunknetze vor der GSM-Ära systematisch zu untersuchen. Sein erster Anlauf 1999 ist aus meiner Sicht nicht ergiebig, die Ergebnisse irritieren mehr als dass sie Klarheit bringen. Das mag an den typischen Schwachstellen epidemiologischer Studien liegen, etwa daran, dass unzutreffende Gedächtnisangaben der befragten Teilnehmer zwangsläufig zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Die oben von einem "Fall" genannten 9000 Stunden am Handy halte ich für so einen Erinnerungsfehler. Wenn es stimmt, dass die ersten NMT-Handys 1988 auf den Markt kamen und die Person bis 1996 damit telefonierte, dann verteilen sich die 9000 Sprechstunden auf neun Jahre oder auf etwa 2160 Arbeitstage (5-Tage-Woche, 8-Stunden-Tag, vier Wochen Jahresurlaub) oder auf gut vier Stunden pro Arbeitstag. Das ist mMn genauso unglaubwürdig wie später der Fall Marcolini, schon gar nicht in Verbindung mit den von Hardell ins Spiel gebrachten mindestens 6 W Sendeleistung, die einen damals üblichen NiCd-Handyakku ratzfatz leergesaugt hätten.

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Handy, Risiko, Exposition, Statistik, Hardell, Hirntumor, Signifikanz, Marcolini, Epidemiologe, Autotelefon

Hirntumoren: Hardell fand 1999 für NMT Risikoanstieg

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 20.12.2018, 20:47 (vor 209 Tagen) @ H. Lamarr

Mithin stellt sich m.M.n. die Frage, ob sich angesichts der geringen Verbreitung und der der üblichen (vergleichsweise kurzen) Expositionszeiten überhaupt ein Zusammenhang zu Hirntumoren herstellen läßt.

Diese Frage stellte sich auch der Epidemiologe Lennart Hardell. In einem ersten Anlauf (veröffentlicht 1999) befragte er 209 Patienten, bei denen zwischen 1994 und 1996 ein Hirntumor festgestellt wurde nach ihrem Telefonierverhalten mit NMT- und GSM-Mobiltelefonen. Die Kontrollgruppe bildeten 425 gesunde Personen.

Hardell setzte nach 1999 seine Beobachtung (Hirntumoren in Schweden inkl. Gebrauch von NMT- und GSM-Mobiltelefonen sowie Schnurlostelefonen) fort und mit jeder neuen Studie wuchs logischerweise die Anzahl seiner "Fälle", was der statistischen Qualität seiner Ergebnisse zugute kam:

2013: Studie über bösartige Hirntumoren, die zwischen 2007 und 2009 diagnostiziert wurden.
Auszug: The odds ratio (OR) for mobile phone use of the analogue type was 1.8, 95% confidence interval (CI)=1.04‑3.3, increasing with >25 years of latency (time since first exposure) to an OR=3.3, 95% CI=1.6-6.9.

2015: Studie über Hirntumoren, die zwischen 1997 und 2003 diagnostiziert wurden.
Auszug: In fact, an increasing incidence of acoustic neuroma has been noted in Sweden [9]. The risk increased significantly by 5% (95% CI = 2–9%) for acoustic neuroma per 100 hrs of analogue phones. The risk increased also significantly, 12% (95% CI = 6–17%) per years of use of analogue phones, and similar results were obtained per years of latency period. However, for digital mobile phones or cordless phones the risk did not increase significantly per 100 hrs of use, years of use or latency period. Regarding the three categories of latency time.

Die Ergebnisse aufzudröseln wie oben für seine erste derartige Studie ist mir zuviel Arbeit, das möge bitte jeder selber tun, der es genau wissen mag. Obacht: Im Gegensatz zur Studie von 1999 nennt Hardell in seinen Tabellen nicht mehr "NMT", sondern benutzt dafür das Synonym "Analogue".

Unterm Stich ist es allen Einwänden zum Trotz wohl so, dass Hardell den NMT-Mobiltelefonen eine beträchliche Schuld an der Hirntumorentwicklung in Schweden gibt.

Interessant in Bezug auf eine vereinfachte Betrachtung der unterschiedlichen Sendeleistungen finde ich folgende Bemerkung Hardells, die ich <hier> gefunden habe:

The different types of phones have different output power. We applied different weighting factors according to the mean output power of the phones using for analogue phones (NMT) = 1, GSM= 0.1 and cordless phones = 0.01. The cumulative time for use of the different phone types was multiplied with the respective weighting factor added into one score.

Ich denke da an Paniker, die wegen eines Blutooth-Headsets, einer Funktastatur für PCs oder eines Funkwasserzählers vorsorglich in Wallung geraten, weil ein evangelischer Pfarrer im Land der Bayern meint, ganz und gar unchristliche Warnungen über derartiges Teufelszeug öffentlich verzapfen zu müssen.

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DynaTAC8000X

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 19.12.2018, 21:02 (vor 210 Tagen) @ Kuddel

Ferner ist die geringe Akkulaufzeit zu erwähnen. Man konnte (bei hoher Lesitungseinstellung) nur ca 20..30 Minuten damit telefonieren, dann musste der Akku getauscht bzw geladen werden.

[image]Das Motorola DynaTAC8000X war ab 1983 für AMPS-Netze zu haben. Laut Wikipedia reichte eine 10-stündige Akkuladung für 30 Minuten Sprechzeit. Bei diesem klobigen Gehäuse konnte die Antenne gar nicht näher als etwa fünf Zentimeter an den Kopf herankommen. Eine SAR-Wert-Überschreitung >2 W/kg ist unwahrscheinlich.

Die hier genannte Sendeleistung von 0,6 W (was eigentlich, Peak oder RMS?) kommt mir jedoch spanisch vor, denn gemäß dieser Quelle war bei AMPS der Maximalradius einer Funkzelle 20 Kilometer. Allerdings war der Frequenzbereich in USA mit 824 MHz bis 895 MHz ausbreitungstechnisch vorteilhaft tief angesetzt.

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Motorola, Akku

DynaTAC8000X

Kuddel, Freitag, 21.12.2018, 12:54 (vor 208 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Freitag, 21.12.2018, 13:43

..hier genannte Sendeleistung von 0,6 W (was eigentlich, Peak oder RMS?) kommt mir jedoch spanisch vor, denn gemäß dieser Quelle war bei AMPS der Maximalradius einer Funkzelle 20 Kilometer. Allerdings war der Frequenzbereich in USA mit 824 MHz bis 895 MHz ausbreitungstechnisch vorteilhaft tief angesetzt.

Die Frage nach Peak/RMS stellt sich nicht. Die Analogen Standards nutzten m.W.n. ausschliesslich Frequenzmodulation. Die Technologie ist nahezu identisch zu CT1 Schnurlostelefonen, nur eben mit 100-fach höherer Leistung.
D.h. während der Verbindung blieb die Sendeleistung absolut konstant ( ungepulst=konstante Hüllkurve).

Funkzellenradien von 20 Kilometer bei 900MHz waren sicherlich nur "überland" und nur mit PKW oder "10W Koffergeräten" erreichbar . Mit "1W Handies" eher 1/3 davon und In städtischen Gebieten dürften es maximal 2..3 km gewesen sein.
Bei 450MHz (NMT) Faktor 2..3 mehr, aufgrund der günstigeren Funkausbreitung.

Bei GSM beträgt die Spitzenleistung max. 2 Watt, aber durch das Puls-Pause-Verhältnis von 1/8 beträgt der Mittelwert 250mW, was ebenfalls der gemittelten Maximalleistung von UMTS oder LTE entspricht.
Man kann also "grob" sagen, dass bei "Handies" mit integrierter Antenne die Einhaltung der SAR Grenze von 2Watt bis zu 250mW Sendeleistung (Mittelwert) ermöglicht.

Anders bei Analogtelefonen :
Da sie ungepulst senden, sind Mittelwert und Spitzenwert identisch (0,5..1Watt), mithin ist der "Mittelwert bei 0,5..1Watt Leistung 2..4 fach höher als bei heutigen digitalen Standards.
Allerdings gab es damals schon die Möglichkeit, bei guter Verbindung die Leistung (manuell) zugunsten der Akku-Betriebszeit auf z.B. 0,1..0,2Watt zu reduzieren. (*)
Ferner hatten die meisten Modelle ja auch noch "externe" Gummi-Antennen, welche das SAR reduziert haben dürften.

((*) Gerade Vieltelefonierer dürften verstärkt von der reduzierten Leistung (wo möglich) Gebrauch gemacht haben, ansonsten hätten sie bei z.B 4 Stunden Telefonie am Tag 8-12 Akkupacks mit sich herumschleppen müssen. Ob Hardell diese Option in seinen Studien auch berücksichtigt hat ?
Er hätte ja fragen können: "Wie oft haben sie am Tag den Akku gewechselt", was sicherlich zu erheblich genaueren Expositionsdaten geführt hätte, als die Frage, "wieviel Stunden am Tagen haben sie telefoniert".

K

60 Jahre Autotelefon in Deutschland

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 19.12.2018, 12:57 (vor 210 Tagen) @ H. Lamarr

An mein erstes Mobiltelefon erinnere ich mich besser als an meinen ersten Kuss. Okay, mag an der Frau gelegen haben. Oder am Siemens S3 com? Es war 1995 jedenfalls der letzte technische Schrei, weil man mit ihm diese gerade eingeführten SMS verschicken konnte. mehr ...

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