Rindergesundheitsdienst (CH) erfasste Probleme mit Mobilfunk (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 14.08.2016, 20:40 (vor 1254 Tagen)

Der schweizerische Rindergesundheitsdienst (RGD) wurde am 26. Juni 1998 mit der Rechtsform eines Fördervereins in Bern gegründet. Hauptarbeitsgebiete des RGD sind unter anderem die Bestandsdiagnostik im Bereich Eutergesundheit, Fruchtbarkeit und Aufzucht/Mast. Der RGD hat in der Schweiz kein Monopol, es gibt noch andere Anbieter mit vergleichbarem Leistungsangebot.

Die folgende Grafik beruht auf den Geschäftsberichten des RGD. Sie zeigt die Anzahl der Betriebe (Rinderzucht), die wegen Problemen mit ihren Tieren den RGD einschalteten (blaue Kurve). Die rote Kurve nennt die Anzahl der Betriebe, die vermutete Probleme mit Mobilfunk meldeten. Hinweis: Im Jahr 2002 nannte der RGD im Gegensatz zu allen anderen Meldungen keine konkrete Zahl, sondern sprach von "mehreren Betriebsabklärungen im Zusammenhang mit einem vermuteten Einfluss durch nahe stehende Antennenanlagen des Mobilfunks oder der Radiosender". Für die Grafik habe ich "mehrere" mit der Zahl 3 interpretiert.

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Die Grafik bestätigt die Einschätzung von Prof. Hässig (Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich), Mobilfunk und Kriechströme seien in der Landwirtschaft kein wichtiges Problem: Die Problematik scheine in der Öffentlichkeit größer zu sein, als sie wirklich ist, möglicherweise deshalb, weil sich in der Vergangenheit einige wenige betroffene Landwirte wirkungsvoll mediales Gehör verschaffen konnten.

Zwischen 2001 und 2004 erlangte das Thema Mobilfunk für den RGD eine gewisse Relevanz (insgesamt acht Problembetriebe in vier Jahren), einen weiteren kurzen Ausbruch (zwei Betriebe) gab es im Jahr 2009. In 17 Jahren wurde der RGD somit 10-mal wegen vermuteter Probleme mit nahe gelegenen Mobilfunkmasten gerufen. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2006 wurde der Dienst 18-mal gerufen weil Rinder Probleme mit dem Euter hatten, 7-mal wegen Fruchtbarkeits- und Stoffwechselprobleme inkl. Klauen und 2-mal zur Analyse der Fütterung im Zusammenhang mit Euterproblemen. Seit 2009 wurden dem RGD keine Probleme mehr mit Mobilfunk gemeldet.

Die starken Schwankungen bei der Anzahl der Problembetriebe haben ökonomische Ursachen. Die Leistungen des RGD sind nicht billig, er verrechnet den besuchten Betrieben annäherungsweise die angefallenen Vollkosten und sah sich daher im Vergleich zu anderen Anbietern chancenlos. Seit Jahresbeginn 2015 ist der Dienst daher wieder (wie zuvor) an die Vetsuisse-Fakultäten Bern und Zürich angegliedert.

Hintergrund
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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Antreiber aus der Schweiz - der Fall Sturzenegger

KlaKla, Montag, 15.08.2016, 07:28 (vor 1254 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Montag, 15.08.2016, 07:56

Die folgende Grafik beruht auf den Geschäftsberichten des RGD. Sie zeigt die Anzahl der Betriebe (Rinderzucht), die wegen Problemen mit ihren Tieren den RGD einschalteten (blaue Kurve). Die rote Kurve nennt die Anzahl der Betriebe, die vermutete Probleme mit Mobilfunk meldeten. Hinweis: Im Jahr 2002 nannte der RGD im Gegensatz zu allen anderen Meldungen keine konkrete Zahl, sondern sprach von "mehreren Betriebsabklärungen im Zusammenhang mit einem vermuteten Einfluss durch nahe stehende Antennenanlagen des Mobilfunks oder der Radiosender". Für die Grafik habe ich "mehrere" mit der Zahl 3 interpretiert.

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Zwischen 2001 und 2004 erlangte das Thema Mobilfunk für den RGD eine gewisse Relevanz (insgesamt acht Problembetriebe in vier Jahren), einen weiteren kurzen Ausbruch (zwei Betriebe) gab es im Jahr 2009. In 17 Jahren wurde der RGD somit 10-mal wegen vermuteter Probleme mit nahe gelegenen Mobilfunkmasten gerufen. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2006 wurde der Dienst 18-mal gerufen weil Rinder Probleme mit dem Euter hatten, 7-mal wegen Fruchtbarkeits- und Stoffwechselprobleme inkl. Klauen und 2-mal zur Analyse der Fütterung im Zusammenhang mit Euterproblemen. Seit 2009 wurden dem RGD keine Probleme mehr mit Mobilfunk gemeldet.

2002 schreibt der Beobachter vom Fall Sturzengger "Tierisches Leiden im Kuhstall". Später kristallisiert sich der Fall zum Vorzeigehof der Schweiz für die These, Mobilfunkstrahlung schade den Rindviechern. Immer wieder greift der Beobachter auf diesen einen Landwirt zurück. Wohl auch weil sich Dr. M. Hässig dem Problemen annahm, Sturzenegger als Referent zu seinem Fall agierte und einschlägige Multiplikatoren wie die Bürgerwelle, Diagnose-Funk, Funkstrahlung.ch oder KO-Ini daraus Lesestoff für Besorgte machten. Jedoch ohne kritische Betrachtung. Nicht zu erwarten ist von diesen Multiplikatoren eine sachlich richtige und faire Berichterstattung da sie im Dienste der Nutznießer (Baubiologie) aktiv sind.

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Meine Meinungsäußerung

Antreiber aus Deutschland - der Fall Altenweger

H. Lamarr @, München, Montag, 15.08.2016, 09:58 (vor 1254 Tagen) @ KlaKla

2002 schreibt der Beobachter vom Fall Sturzengger "Tierisches Leiden im Kuhstall".

In Deutschland propagierte zuvor (1998) der Anti-Mobilfunk-Verein "Bürgerwelle" den Fall Altenweger am oberbayerischen Schnaitsee. Die damals noch anschwellende Bewegung der Mobilfunkgegner bastelte postwendend daraus den populistischen Slogan: Erst die Rinder, dann die Kinder. Der Fall wurde zum Kristallisationspunkt dafür, dass die Bayerische Regierung die sagenumwobene und berühmt-berüchtigte "Rinderstudie" in Auftrag gab. Bauer Altenweger aber bekam durch die häufigen Medienberichte derart viel Zulauf, dass er die Milchviehhaltung aufgab und heute Ferienwohnungen auf dem Bauernhof vermietet. Für die Behauptung, er habe es darauf von Anfang an angelegt, gibt es jedoch keine Belege.

Ein paar Jahre später, 2004, machte der Stengel-Hof im Donau-Ries von sich reden. Danach war in Deutschland das Thema gegessen. Der Staffelstab wurde von Mobilfunkgegnern in die Schweiz getragen, Bauer Sturzenegger griff zu und sorgte einige Jahre nicht nur bei den Eidgenossen für Unruhe, sondern auch in Bayern. Bayerische Mobilfunkgegner organisierten 2010 für ihn im Freistaat eine regelrechte Vortrags-Tournee, vermutlich deshalb, um andere Viehzüchter gezielt mit der Idee zu infizieren, irgendwelche Probleme im Rinderbestand mit Mobilfunk in Verbindung zu bringen. Wenn es so war, war es erfolglos. Auffällig: Zu diesem Zeitpunkt hatten Sturzeneggers Kälber schon lange keine Probleme mehr, die verdächtigte Mobilfunkantenne war längst (2006) abgebaut worden. Bis heute weiß niemand genau, was auf seinem Hof eigentlich los war, der Verdacht gegenüber Mobilfunk konnte weder bestätigt noch widerlegt werden.

Aus meiner Sicht hat es zu keiner Zeit einen kausalen Zusammenhang zwischen kranken Rindern und nahen Mobilfunk-Sendemasten gegeben. Dieser Zusammenhang wurde von organisierten Mobilfunkgegnern geschickt konstruiert und sehr erfolgreich in die Medien getragen. Es dauerte mehr als zehn Jahre, um diese Inszenierung vom Spielplan zu nehmen. Immer auf der Suche nach neuem Alarmpotenzial haben verbohrte Mobilfunkgegner 2014 Ersatz für den verhallten Rinderalarm gefunden, jetzt waren es Ferkel, die angeblich unter Mobilfunk litten. Die erhoffte Signalwirkung des Ferkeldramas auf dem Hopper-Hof blieb jedoch aus, es gab unter Schweinezüchtern keine Trittbrettfahrer, die die reichlich sonderbare Idee aufgriffen.

Der Trick organisierter Mobilfunkgegner besteht darin, den abstrusen Einzelfall stets als Vorboten einer Lawine von Fällen zu verkaufen. Da sie nichts Überzeugendes in der Hand haben, müssen die Gegner fortwährend mit düsteren Zukunftsaussichten drohen. Der vermeintliche Beweis sind zuweilen ein paar Trittbrettfahrer, die sich von dem ursprünglichen Einzelfall inspirieren lassen. Mit Hilfe der Sensationspresse lässt sich daraus etwas machen und es kann Jahre dauern, bis der Schwindel auffliegt. Ähnlich wie im Anti-Mobilfunk-Zirkus verhält es sich z.B. mit dem Plan des Italieners Sergio Canavero, der 2017 den Kopf eines Menschen transplantieren möchte. Die Fachwelt ist entsetzt. Ein Kritiker hofft nun darauf, dass Canavero kein OP-Team zusammenstellen kann und meint: "Zwei oder drei Spinner findet man immer. Aber nicht dreißig." Was auch vom Rindergesundheitsdienst zu beweisen war :-).

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Ohne Verschwörungstheorie geht bei Mobilfunkgegnern nichts

H. Lamarr @, München, Montag, 15.08.2016, 11:26 (vor 1254 Tagen) @ H. Lamarr

Der Trick organisierter Mobilfunkgegner besteht darin, den abstrusen Einzelfall stets als Vorboten einer Lawine von Fällen zu verkaufen. Da sie nichts Überzeugendes in der Hand haben, müssen die Gegner fortwährend mit düsteren Zukunftsaussichten drohen.

Mist, etwas Wichtiges hatte ich vergessen: Ohne Verschwörungtheorien geht bei Mobilfunkgegnern nichts. Solche Theorien sind außerordentlich praktisch, sie lassen sich immer dann auspacken, wenn Unerklärliches nach Erklärung schreit. Zum Beispiel, wenn einem auffällt, dass die Anzahl der Rinderzüchter, die angeblich Probleme mit Mobilfunkmasten haben, aus dem einstelligen Zahlenbereich nicht herauskommen möchte. Und das trotz neu errichteter Mobilfunknetze und fortwährender Netzverdichtung. Dies ist ein eklatanter Widerspruch, was tun? Bauer Sturzenegger hat die Lösung in einer dunklen Verschwörung gefunden und meint in der Chronologie seines eigenen Falls:

"Man hört auch von Betroffenen, die ganz plötzlich schweigen."

Gut, dass es diesen universellen "man" gibt, denn der lässt sich verdammt schlecht greifen.

Herr Sturzenegger ist als Verschwörungstheoretiker jedoch ein Pausenfüller im Vergleich zu dem betagten Präsidenten eines schweizerischen Anti-Mobilfunk-Vereins, was dieser vom Stapel lässt, treibt einem die Tränen in die Augen.

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Kühe erkranken eher an BSE, als an "Elektrosensibilität"

H. Lamarr @, München, Samstag, 24.09.2016, 10:19 (vor 1214 Tagen) @ H. Lamarr

Zwischen 2001 und 2004 erlangte das Thema Mobilfunk für den RGD eine gewisse Relevanz (insgesamt acht Problembetriebe in vier Jahren), einen weiteren kurzen Ausbruch (zwei Betriebe) gab es im Jahr 2009.

Dieser Quelle zufolge gab es 2015 in der Schweiz rd. 39'000 Rindviehhalter.

Zum Vergleich: Zwischen 1990 und 2001 sind in der Schweiz 367 Fälle von BSE aufgetreten mit dem Unterschied, dass es sich dabei erwiesenermaßen um BSE handelte und nicht nur um einen vagen Verdacht, wie bei den zehn angeblich elektrosensiblen Kühen zwischen 2001 und 2009.

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