"Das digitale Dilemma": Erfolgreiche Schnipseljagd (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 24.05.2024, 00:33 (vor 21 Tagen) @ H. Lamarr

Inhaltlich ist der Streifen, der gegenwärtig noch nicht zu haben ist, ein typischer Scheidsteger, d.h. ein Schnipselwerk, in dem er Szenen aus älteren Werken (ohne Hinweis "Archivmaterial") eingewoben hat und er die aktuelle Entwicklung im Fall Murray vs. Motorola auf den Kopf stellt. Es könnte einem schlecht werden angesichts der unglaublichen Verdrehungen von Tatsachen, die einem hier ungeniert serviert werden. Glauben Sie nicht? Sehen Sie selbst:

Das Zitat oben entstand im Dezember 2023 und beruht auf dem Trailer für "Das digitale Dilemma". Der Film selbst war seinerzeit noch nicht für jedermann zu streamen, dies ist erst seit 15. Mai 2024 der Fall.

Ich bin damals davon ausgegangen, der Trailer zeige einige Szenen des späteren Films. Das aber war ein Irrtum, denn der Trailer und der fertige Film passen überhaupt nicht zusammen, keine Inhaltsszene des Trailers konnte ich im Film wiederfinden. Auch die von Scheidsteger gesprochenen Kommentare im Trailer lassen mMn einen anderen Film erwarten, als der, der jetzt zu sehen ist. Auf mich wirkt das so, als ob Scheidsteger nach Freigabe des Trailers aus mir nicht bekannten Gründen den Plot des Films (Handlungsabfolge) radikal geändert hat und deshalb Trailer und Film zwei Paar Schuhe sind. Das wäre nicht erwähnenswert, wären mit dem Trailer nicht schon ab März 2023 Spenden eingeworben worden, die dann unter möglicherweise falschen Voraussetzungen flossen.

Erfolgreiche Schnipseljagd

Ist "Das digitale Dilemma" nun kein Schnipselwerk? Schön wär's! Doch es ist eins. Diesmal hat sich Scheidsteger an seinem Kurzfilm "War-Gaming für den Profit" aus dem Jahr 2019 schadlos gehalten und ganze Passagen inklusive Ton 1:1 übernommen (Szenen mit Fräuleins vom Amt, Henry Lai, Ron Melnick, Mike Repacholi). An Repacholi muss der Filmemacher einen Narren gefressen haben, denn die um 2004 herum mit dem Australier in Genf gedrehten Szenen verwurstet er seit spätestens 2015 immer wieder gerne. Dass er auch diesmal nicht widerstehen konnte, ist für mich ein Glücksfall. Denn 2019 habe ich die nur 3¼ Minuten dauernden Szenen mit Repacholi einem Faktencheck unterzogen, bei dem Scheidstegers Recherchefähigkeiten nicht gut wegkommen. Und weil er die Szenen unverändert auch in "Das digitale Dilemma" verbraten hat, hat auch der Faktencheck seine volle Gültigkeit behalten, ohne dass ich einen Finger krumm machen muss.

Vage erinnere ich mich, dass ich damals den Faktencheck nach Folge 6 entnervt vorzeitig abgebrochen habe. Den Anlass dazu hat der Wissenschaftskabarettist Vince Ebert sinngemäß so formuliert: Ein Mobilfunkkritiker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann :-).

Klaus Scheidsteger fabriziert seine Filme der "Risiko-Mobilfunk"-Reihe stets nach dem gleichen Ja-Aber-Schema. Zur Einstimmung ein paar Minuten lang nett anzuschauende Allgemeinplätze über die Segnungen der Technik, danach lässt er der Reihe nach Mobilfunkkritiker aufmarschieren. In den Szenenübergängen verdichtet er mit seinen Kommentaren aus dem Off das mulmige Gefühl, das seine Figuren beim Zuschauer wecken. Sind Figuren nach wiederholter Verwendung verbraucht (diesmal die Österreicher Kundi und Mosgöller), werden sie gegen unverbrauchte ersetzt (diesmal z.B. Laubscher und Oesch). Möglicherweise spielt bei der völlig willkürlich wirkenden Auswahl des einen oder anderen Neuzugangs dessen "Spendenfreudigkeit" eine tragende Rolle, so wie bei solchen Formaten, nur eben in einem anderen Tarnanzug :lookaround:.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Werbung, Moldan, Ko-Ini, Scheidsteger, Filmschnipsel, Stopfgänse, Wiechel, Aufklärungsfilme


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