EU-Ausschuss Scheer: Selektive Wahrnehmung durch Diagnose-Funk (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 14.04.2023, 22:22 (vor 405 Tagen) @ e=mc2

Jetzt sitzt diagnose:funk in der Klemme. Da es nun eine offizielle Stellungsnahme der EU gibt, ist es nichts als recht, wenn diese auch so eifrig propagiert wird wie der STOA-Bericht. Man darf gespannt sein. :wink:

234 Tage später: Ich habe soeben auf der Website des Vereins Diagnose-Funk nach dem Stichwort "Scheer" gesucht und muss Ihnen zu Ihrem Bedauern mitteilen: Nein, Ihre Erwartungen an den Stuttgarter Verein sind zu hoch gewesen, sie haben sich nicht erfüllt. Diagnose-Funk selbst äußerte sich zu der vorläufigen Stellungnahme Scheers vom August 2022 bislang mit keinem Wort.

[image]Das einzige was sie dazu bringen ist ein Link auf eine klangvoll verpackte Laien-Kritik an dem Scheer-Papier, die im Januar 2023 vom dänischen "Council for Safe Telecommunications" (heißt: Pernille Schriver, Lehrerin) und von der "Swedish Radiation Protection Foundation" (heißt: Mona Nilsson, Journalistin) verfasst wurde. Mit dem Icnirp-Konkurrenzverein ICBE-EMF haben die beiden Mädels überhaupt nichts zu tun, dennoch preist Diagnose-Funk deren Kritik seit mehr als zwei Monaten mit dem völlig irreführenden Linktext "ICBE: Critique of the SCHEER Opinions report from 2022" an (siehe Screenshot).

Warum legten Schriver/Nilsson ihre Kritik erst im Januar 2023 einem Laienpublikum öffentlich vor? Vielleicht deshalb, weil die öffentliche Konsultation zur Scheers vorläufiger Stellungnahme im September 2022 beendet wurde und die beiden so umhin kamen, sich ganz ohne Öffentlichkeit "wissenschaftlich" substanziell mit dem Papier auseinander setzen zu müssen. Da demnächst mit der finalen Fassung der Stellungnahme auch die Kommentare der Konsultation veröffentlicht werden sollen, werden wir sehen, ob meine Vermutung zutrifft.

Zurück zu Diagnose-Funk: Dass die Stuttgarter ihre "Stopfgänse" mit dem jüngsten Scheer-Papier nicht verstören wollen, liegt mit einiger Sicherheit daran, Scheer ließ nichts verlauten, was der Verein als "Warnung eines wichtigen EU-Ausschusses" an die große Glocke hängen könnte. Im Gegenteil, Scheer verkündete kurz und schmerzhaft etwas, was für die Stuttgarter Interessenlage pures Gift ist und deshalb den braven "Stopfgänsen" des Vereins auf keinen Fall verabreicht werden darf:

[...] The SCHEER could not identify moderate or strong level of evidence for adverse health effects resulting from chronic or acute RF EMF exposure at levels below the limits set in the annexes of Council Recommendation 1999/519/EC and Directive 2013/35/EU. [...]

Scheer hat einfach nur die "falschen" Schlussfolgerungen (Entwarnung) aus der Sichtung der wissenschaftlichen Literatur gezogen und ist somit selbst Schuld, dass für Diagnose-Funk die vorläufige Stellungnahme des Ausschusses zum Risiko HF-EMF seit 234 Tagen nur Luft ist.

Zieht Scheer hingegen die "richtigen" Schlussfolgerungen (Warnung), sind diese dem Stuttgarter Verein hoch willkommen. Selbst dann, wenn sie neben vielen anderen, die mit EMF überhaupt nichts zu tun haben, Erwähnung finden. So geschehen im Dezember 2018, als Scheer ein Statement on emerging health and environmental issues publizierte. Das Thema EMF ist dort in einem Sammelsurium von 14 Themen vergraben. Die empfindlichen Spürnasen von Diagnose-Funk haben es dennoch gefunden, das kurze Textfragment für "richtig" befunden und im März 2020 in einem "Brennpunkt" verwurstet:

[...] Folglich gab der Wissenschaftliche Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und neu auftretende Risiken (SCHEER), der den früheren Wissenschaftlichen Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken (SCENIHR) ersetzt, in einer Erklärung im Dezember 2018 eine vorläufige Einschätzung der Bedeutung von 5G als hoch an. Darüber hinaus schätzt er das Ausmaß, die Dringlichkeit und die Wechselwirkungen (mit Ökosystemen und Arten) einer möglichen Gefährdung als hoch ein. Es weist darauf hin, dass es biologische Konsequenzen aus einer 5G-Umgebung geben könnte, aber es gibt dazu bisher keine „Beweise und Informationen, um auf deren Grundlage Expositionsrichtlinien für die die 5G-Technologie zu entwickeln“. [...]

Den englischen Originaltext kann man sich unter dem oben genannten Link auf Seite 14 ansehen und lesen, was Scheer nicht "als hoch" einstufte. Auch der Quellennachweis auf Seite 15 ist einen Blick wert, insbesondere die Quelle.3, die dort mMn nichts zu suchen hat.

Fazit: Um von Diagnose-Funk wahrgenommen zu werden, genügt es völlig, einfach nur das "Richtige" (aus Sicht des Vereins) über das Risiko EMF zu sagen. Inkompetenz spielt dann keine Rolle. Wenn es nur "richtig" ist, beachtet der Stuttgarter Verein z.B. auch Äußerungen des dritten Hausmeisters der Justizvollzugsanstalt Heimsheim.

Um von Diagnose-Funk missachtet zu werden, genügt es hingegen völlig, einfach nur das "Falsche" über das Risiko EMF zu sagen. Kompetenz spielt dann keine Rolle. Wenn es nur "falsch" ist kann selbst der wissenschaftliche Ausschuss zur Risikobewertung am EU-Parlament sagen was er will, Diagnose-Funk wird gnadenlos auf Durchzug stellen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Wahrnehmung, Diagnose-Funk, Inkompetenz, Irreführung, SCENIHR, Brennpunkt, Nilsson, Gesundheitsrisiko, Echokammer, Richtlinien, EU-Ausschuss Scheer, ICBE-EMF, Schriver


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