Europäische Union: EWSA/EESC retrospektiv neben der Spur (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.05.2022, 19:56 (vor 39 Tagen) @ H. Lamarr

Nach Fehlern gesucht habe ich in der Stellungnahme nicht. Wenn ich doch welche gefunden habe, ist dies das Ergebnis einer oberflächlichen Sichtung des Textes. Es kann also gut sein, dass sich der EWSA noch anderweitig Schnitzer geleistet hat.

Es kann nicht nur sein. Es ist so.

Unter Absatz 4.18 schreibt der EWSA: "In einigen Studien wird die Strahlung der Mobiltelefonie und der drahtlosen elektronischen Kommunikationsinfrastrukturen mit neuronalen, reproduktiven, onkologischen sowie mutagenen Risiken assoziiert (obwohl es sich um nichtthermische Emissionen handelt) (17). Die zuständigen Stellen sind jedoch auf der Grundlage ihrer eigenen Bewertungen und Verfahren zu der Einschätzung gelangt, dass die Strahlung der Mobiltelefonie und der elektronischen Kommunikationsinfrastruktur für den Menschen unbedenklich ist."

Der EWSA sät damit Misstrauen in die Integrität der "zuständigen Stellen", weil diese entgegen der unter Quelle 17 genannten Befunde bei nichtthermischer Emission (hier müsste es mMn Immission heißen) auf Grundlage ihrer eigenen Bewertungsmaßstäbe keine gesundheitlich abträglichen Folgen erkennen wollen. Nunja, das ist einmal mehr der hinlänglich bekannte Sprech organisierter Mobilfunkgegner.

So weit, so gut.

Doch jetzt raten Sie mal, was sich hinter der Quelle 17 verbirgt.

Salford? NTP oder Ramazzini? Kann nicht stimmen, denn die haben sich z.B. mit "reproduktiven" Risiken nicht beschäftigt.

Also was dann?

Trommelwirbel ...






Auflösung (Originaltext des EWSA):

(17) So wurde beispielsweise die europäische REFLEX-Studie (2004) im Auftrag der EU mit einem Gesamtbudget von über 3 Mio. EUR und einem Zuschuss der Europäischen Kommission in Höhe von 2,059 Mio. EUR von 12 Hochschuleinrichtungen durchgeführt.

:surprised:

Es ist nicht zu glauben. Da streiten zwei Wissenschaftler rund zehn Jahre über Fälschungsvorwürfe gegenüber den Wiener Studien des "Reflex"-Projekts, bis schließlich ein Oberlandesgericht entschieden hat: Nein, die besagten Wiener Studien dürfen nicht länger unter Fälschungsverdacht gestellt werden, dafür reichen die vorgelegten Beweise nicht aus. Denn einem vom Gericht bestellten Gutachter zufolge könnte einfach auch nur Pfusch die Ursache für die statistisch auffälligen Studiendaten sein.

Die Wissenschaft hatte zuvor schon reagiert und die Wiener Studien, wenn überhaupt, nur noch mit Vorbehalt in große Studienreviews aufgenommen, da ausnahmslos alle Replikationsversuche die Befunde des Wiener Labors nicht bestätigen konnten. Der Streit um die Wiener Studien gipfelte 2010 darin, dass die EU-Kommission die Medizinische Universität Wien (MUW) aufforderte, einen Teil der erhaltenen EU-Fördermittel zurück zu erstatten und die MUW dem folgte.

Das alles ficht die Autoren der EWSA-Stellungnahme nicht an. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre, tragen sie das "Reflex"-Projekt 2021 noch ebenso unschuldig vor, wie es der listige Projektkoordinator Franz Adlkofer ab 2003 in die Öffentlichkeit getragen hat. Von den Studien der "12 Hochschuleinrichtungen" schafften es allein die beiden spektakulär alarmierenden Studien des Wiener Labors in die öffentliche Wahrnehmung, die übrigen versickerten, weil unspektakulär, in den Datenbanken des Wissenschaftsbetriebs.

Der völlig unnötige Rückverweis auf das stigmatisierte "Reflex"-Projekt nährt weiter Zweifel an der Stellungnahme des EWSA. Wussten die Autoren es nicht besser oder stehen sie unter dem Einfluss von Leuten aus Kreisen organisierter Mobilfunkgegner, die sich seit Jahren an einer Rehabilitation der Wiener "Reflex"-Studien abarbeiten? Unwahrscheinlich, darüber jemals Klarheit zu bekommen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Reflex, Wissenschaftliches Fehlverhalten, Mosgöller, Ex-Tabaklobbyist, EWSA, Spaltung, EESC


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