Blut-Hirn-Schranke: abschwellender Schwanengesang (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 07.02.2022, 23:19 (vor 297 Tagen) @ H. Lamarr

► Der Infoline-Originalmeldung sind drei Quellen zugeordnet:
1) http://dx.doi.org/ doi: 10.1289/ehp.6039
2) http://www.detnews.com/
3) http://www.cellular-news.com
Quelle 1) führt zu der besagten Salford-Studie. Das gegenwärtig angezeigte PDF datiert vom Juni 2003. Darauf aber konnte die Infoline vom 6. Februar 2003 unmöglich verweisen. Anzunehmen ist, dass am Linkziel ursprünglich ein anderes Dokument war, etwa ein ungeprüfter Entwurf der Studie oder ein universitärer Forschungsbericht der Forschergruppe Salford.

Welches Dokument hat die Redaktion der FGF-Infoline vom 6. Februar 2003 wirklich gesehen, als sie mit Quelle 1) darauf verlinkte?

Diese Frage hat mich nicht ruhen lassen. Deshalb kramte ich im IZgMF-Archiv und fand ganz tief unten tatsächlichen einen Hinweis auf das gesuchte Dokument. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es diese frühe Fassung von Salfords Forschungsbericht. Das Dokument wurde gemäß Dokumenteigenschaften am 9. Januar 2003 von Autor "JACO3" erstellt und am 28. Januar 2003 noch einmal bearbeitet. Diese Daten passen jetzt! Und sie erklären auch, wieso Volker Schorpp schon im Februar 2003 eine Deutsch-Übersetzung des Papiers dem hese-Projekt übergeben konnte.

Ein inhaltliche Prüfung des Fundes zeigt jedoch keinerlei Hinweis darauf, Salford hätte sich auf die in der FGF-Infoline dokumentierte Weise geäußert. Wie später im Juni 2003 in der publizierten Fassung finden sich auch in der Vorabfassung Sätze wie diese:

The largest human biological experiment ever. So has the voluntary exposure of the brain to microwaves from handheld mobile phones by one fourth of the world’s population been called (Salford et al.2001).

We can not exclude that after some decades of (often), daily use, a whole generation of users, may suffer negative effects maybe already in their middle age.

Beim besten Willen: Wer solche Sätze schreibt, der bekundet zeitnah an anderer Stelle nicht, das Ergebnis seiner Forschung bedeute keinen Anhalt für ein Risiko am Menschen.

Jetzt wird es eng für die FGF!

Denn nun gibt es aus meiner Sicht nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder hat die Redaktion den von Hensinger beanstandeten Halbsatz der heute unauffindbaren Quelle 2) entnommen, – oder sie hat Mist gebaut und den Halbsatz frei erfunden :lookaround:. Da wir 19 Jahre zu spät dran sind, werden wir bei der Suche nach der richtigen Lösung wahrscheinlich auf keinen grünen Zweig kommen.

Damit nun Diagnose-Funk nicht auf die Idee kommt, mich mit der silbernen Verdienstnadel des Vereins auszustatten, sei mir mit Blick auf den Status der Infoline (siehe Startposting) der Hinweis gestattet, dass die Mücke für mich noch immer eine Mücke ist, jetzt aber immerhin eine Stechmücke.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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