EMF & oxidativer Stress: WHO hat systematische Review in Arbeit (Forschung)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 14.11.2021, 23:05 (vor 267 Tagen) @ H. Lamarr

Microwave News und Diagnose-Funk berichten von der Open-Access-Übersichtsarbeit Manmade Electromagnetic Fields and Oxidative Stress — Biological Effects and Consequences for Health im International Journal of Molecular Sciences. Das Journal hat mit 4,556 (2019) einen überdurchschnittlichen Impact Factor, der ihm in seinem Fachbereich (Biochemie & Molekularbiologie) den Rang 74 von 297 Titeln einbringt.

Bei dieser 33 Seiten umfassenden Review handelt es sich um die Langfassung der Kurzpräsentation, die bereits im Januar 2021 von Berenis, Schweiz, veröffentlicht wurde. Ursprünglich war angekündigt worden, das Schweizer Bundesamt für Umwelt (Bafu) werde die Langfassung publizieren.

Autoren sind David Schürmann, Universität Basel, und Meike Mevissen, Universität Bern.

Der umfangreichen Review zu EMF & oxidativem Stress von Schürmann und Mevissen (beide Schweiz) haftet derselbe grundsätzliche Mangel an wie der Review zu 5G & Gesundheitsfolgen der Italienerin Belpoggi: Beide Arbeiten sind keine systematischen Reviews, sondern narrative. Was es an narrativen Reviews auszusetzen gibt, ist hier kurz beschrieben. Dessen ungeachtet wurde die Review aus der Schweiz nach deren Bekanntwerden ab April 2021 von organisierten Mobilfunkgegnern als Kronzeuge für die Behauptung missbraucht, das Papier habe den Beweis erbracht, Funkfelder des Mobilfunks würden Körperzellen durch oxidativen Stress schädigen (Beispiel). Die beiden Autoren selbst behaupten dies nicht, sie reden vorsichtig von Hinweisen und weisen ordnungsgemäß darauf hin, es bestünde kein wissenschaftlicher Konsens über die Existenz, das Ausmaß und die Mechanismen eines durch HF-EMF ausgelösten oxidativen Stresses. Gibt es doch wissenschaftlich ernst zu nehmende Stimmen, die infrage stellen, ob HF-EMF überhaupt anhaltenden und dadurch gesundheitsschädlichen oxidativen Stress hervorrufen kann.

Um den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand qualitativ besser zu verdichten, arbeitet gegenwärtig im Auftrag der WHO eine 14-köpfige internationale Autorengruppe an einer systematischen Review, welche in der Fachliteratur beschriebene Zusammenhänge zwischen einer Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und oxidativem Stress bewerten wird. Das BfS hat für diese Arbeitsgruppe drei Mitarbeiter abgestellt. Und die Systematik der geplanten Review steht bereits seit Monaten fest, sie wurde gemäß den Leitlinien der WHO für derartige Literaturstudien entwickelt und sieht vor, kontrollierte In-vivo- und In-vitro-Laborstudien einbeziehen, die die Auswirkungen einer Exposition mit HF-EMF auf valide Marker für oxidativen Stress im Vergleich zu Kontrollen oder Schein-Exposition bewerten.

Die Daten aus Forschungsdatenbanken werden anhand eines vordefinierten Formularsatzes extrahiert, der in der Online-Software DistillerSR entwickelt wurde, und nur dann in einer Meta-Analyse zusammengefasst, wenn die Studien ausreichend ähnlich sind, um sie überhaupt sinnvoll kombinieren zu können. Ist so eine Meta-Analyse nicht möglich, werden die Auswirkungen der Exposition ersatzweise auf narrative Weise beschrieben. Weitere Details lassen sich dem Studienprotokoll entnehmen, das Mitte Oktober 2021 veröffentlicht wurde.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Oxidativer Stress, Belpoggi, Schürmann, Mevissen, narrative Reviews, Meta-Analyse


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