EMF-Käsetheke: Diagnose-Funk rezensiert Dode-Studie (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 02.11.2021, 12:57 (vor 195 Tagen) @ Schutti2

Reviewer 1 schreibt hierzu:
"Meiner Meinung nach ist das elektromagnetische Feld nicht der einzige Umweltfaktor, der die menschliche Gesundheit beeinflusst. Bei der Analyse sollten auch andere Faktoren berücksichtigt werden, die das Auftreten von Krebs beeinflussen können. Bei der Analyse des Auftretens von Lungenkrebs ist es äußerst wichtig, anzugeben, ob die Patienten Langzeitraucher waren."

Ein anonymer "Reviewer 4" schritt erst nach Veröffentlichung des Papers im Auftrag des Vereins Diagnose-Funk zu Werke und befand für die Alarmstudiendatenbank (EMF-Data) des Vereins, sichtlich zwischen auftragsgemäßer Pflichterfüllung und "gesundem Menschenverstand" hin und hergerissen, dass die Studie zwar pseudowissenschaftlicher Käse ist – vermutlich aber dennoch irgendwie aussagekräftig sein könnte :-):

[...] Bemerkenswert ist die Methode, mit der die Hochfrequenz-Strahlendosis, welcher Krebspatienten ausgesetzt waren, ermittelt wurde: pro Krebspatient wurde die Anzahl an (aktiven oder angemeldeten) Mobilfunkbasisstationen am Wohnort (jeweilige Großstadt) betrachtet, und dies jeweils pro Lebensjahr des Patienten hochgerechnet auf eine Gesamtdosis pro Lebenszeit des Patienten (Antennen x Jahre). Die MBS-Exposition der Krebspatienten ist also die gleiche für Patienten, die die gleiche Anzahl Jahre in der gleichen Hauptstadt gelebt haben (und im gleichen Jahr verstorben sind). Dies ist auf einzelne Patienten bezogen zwar nur eine grobe Schätzung, da weder die reale Lage am Wohnort (wie viele Antennen in der Nähe rings um die Wohnung sind, und wie viele direkt mit ihren Strahlenkegeln die Wohnung eines Patienten bestrahlen), noch die Exposition tagsüber am Arbeitsplatz betrachtet werden, noch die Exposition durch andere Quellen von hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung, wie WLAN und Mobilfunkendgeräte. Auf viele Krebsfälle pro Großstadt bezogen, ist es vermutlich dennoch ein adäquater Indikator. [...]

Diese Studienbesprechung, die mutmaßlich von dem Diagnose-Funk-Nachwuchstalent Alain Thill angefertigt wurde, zeigt mMn sehr schön, wie sich die Interessen eines Auftraggebers (hier: EMF-Risiken dramatisieren) in einer Besprechung niederschlagen können. Der Autor hat die eklatanten Schwächen der Studie anscheinend durchaus erkannt und geht sogar milde darauf ein. Zugleich übt er mit wohlwollend relativierenden Einschüben den augenscheinlich schmerzhaften Spagat, die Interessen seines Auftraggebers wahren zu wollen. Die Rezension ist daher zwar windelweich, wird aber wohl ihren Zweck bei Laien erfüllen. Denn aus der Risikokommunikation ist bekannt, dass Warnungen (Alarme) weitaus besser im Gedächtnis haften bleiben als Entwarnungen. Wahrscheinlich ist dieser Umstand der Grund, warum der fade brasilianische Käse nicht bei einem seriösen Journal in der Auslage liegt, sondern bei der Käsetheke EMF-Data des Vereins Diagnose-Funk.

Hintergrund
Würdigung von EMF-Data im IZgMF-Forum

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Kinderpost, Dode, Peudowissen, Thill, EMF:Data, Plurv


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