EWG-Studie: Diagnose-Funk spielt wie erwartet Populismuskarte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 05.10.2021, 00:14 (vor 313 Tagen) @ H. Lamarr

Wie geht man mit dem Ergebnis dieser Studie um? Da die Hauptautorin Uloma Uche noch jung und deshalb vielleicht unerfahren ist, könnte man versuchen, ihr Fehler im Studiendesign nachzuweisen. Oder man staunt, wer die Peer-Reviewer der Studie waren. Organisierte Mobilfunkgegner werden das selbstredend nicht tun, sie werden die komplexen Sachverhalte mehr oder weniger verfälscht für Populismuszwecke eindampfen, die Arbeit als neue Alarmstudie feiern und Behörden damit bombardieren.

Am 1. Oktober 2021 schritt der Verein Diagnose-Funk zur Tat und bastelte aus der EWG-Studie eine sogenannte Pressemitteilung mit dem Titel US-Studie rechnet vor: Mobilfunk-Grenzwerte hundertfach zu hoch! Gewohnt dilettantisch fordert der Verein aufgrund dieser Studie sogleich von der kommenden Bundesregierung die Anwendung des Vorsorgeprinzips beim Thema Mobilfunk. Dabei ist dies schon seit eh und je der Fall. Nur ersichtlich ist dies eben nicht für jeden, schon gar nicht für fachfremde Anti-Mobilfunk-Populisten, die gerne mit Krawall auf sich aufmerksam machen möchten.

Um vom Glanz der EWG-Studie nicht völlig abgeschattet zu werden, kann Diagnose-Funk es sich nicht verkneifen auf eine eigene "Untersuchung" hinzuweisen. Diese habe zwei Studien aus Deutschland betrachtet und ergeben, die SAR-Grenzwerte müssten um Faktor 100 reduziert werden, ersatzweise begnügen sich die forschen Stuttgarter auch mit 10-fach größeren Sicherheitsabständen um Mobilfunksendemasten.

Diese "Untersuchung" beruht auf der netten und mathematisch simplen aber durchaus fehlerfreien Zahlenjongliererei eines Dr.-Ing. der Chemie, der noch dazu davon überzeugt ist "elektrosensibel" zu sein. Das sind keine guten Voraussetzungen für eine qualifizierte "Untersuchung" von Mobilfunkstudien. So bringt der Chemiker schon mal die Befeldungsstärken der von ihm untersuchten Studien durcheinander und beraubt den Autor der älteren Studie (Thomas Tillmann) eines "l"s im Namen. Und Diagnose-Funk verbreitet die falsche Schreibweise in seiner "Pressemitteilung" fröhlich weiter. Doch das sind Kinkerlitzchen. Der eigentliche Bock, den der Chemiker bei seinem Zahlenspielchen schießt ist: Er setzt Menschen mit Mäusen gleich, differenziert also nicht zwischen Human- und Tierstudien und er ignoriert die Randbedingungen der untersuchten Studien. Was ich damit meine ist alles schon gesagt worden, wer mag kann es hier und dort nachlesen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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