Hardells ICNIRP-Kritik: Alarmstufe rot (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 24.07.2021, 00:07 (vor 495 Tagen) @ Schutti2

Hardell schreibt die Unwahrheit.
Seine Behauptung, ICNIRP habe die Referenzwerte für Frequenzen von 2-6 GHz erhöht, trifft nicht zu.

Fakt ist vielmehr:
Der Wert von 10 W/m² gilt in dieser Höhe unverändert weiter.

Hardell bringt zwei verschiedene Referenzwerte (für Ganzkörper- und Teilkörperexposition) durcheinander und verwechselt obendrein noch Basisgrenzwerte mit Referenzwerten.

Na sowas! Ein De ja-vu, denn am 25. Juli 2018 verwechselte ein Schweizer Ex-Elektriker anlässlich seiner "Dringenden Warnung vor 5G" auf ganz ähnliche Weise Basisgrenzwerte und Referenzwerte, allerdings für Frequenzen > 6 GHz. Schneidig schlussfolgerte der alte Herr damals aus seinem Irrtum, Icnirp hätte wegen des kommenden 5G seine Grenzwertempfehlungen auf 200 V/m für Arbeitsplätze und auf 90 V/m für die Allgemeinbevölkerung angehoben. Und obwohl er im März 2019 widerlegt wurde, behauptet Gigaherz-Jakob, wie ich soeben feststellen durfte, seinen Blödzinn noch heute unberichtigt weiter.

Was Hardell mit Gigaherz verbindet: 2013 trat der Schwede als Referent beim letzten sogenannten Gigaherz-Kongress in der Schweiz auf, offenbar als Dank für finanzielle Zuwendungen, die er von dem Verein zuvor bekommen hat.

Wenn ein greiser Ex-Elektriker bei der Deutung der neuen Icnirp-Empfehlungen in den Wald gerät, ist das nicht weiter schlimm, auch wenn dem Märchenonkel immerhin das ZDF auf den Leim ging. Wenn aber mit Hardell ein anerkannter Wissenschaftler und Icnirp-Großkritiker an der richtigen Interpretation scheitert, ist Alarmstufe rot angesagt. Denn bislang zählte Hardell mMn zu den wenigen Mobilfunkkritikern, von denen man annehmen durfte, dass sie einem keinen hanebüchenen Stuss auf Jakob-Niveau erzählen. Dieses Grundvertrauen in seine Kompetenz hat Hardell mit seiner von Ihnen gefundenen fachlichen Entgleisung verspielt. Statt Vertrauen ist jetzt Misstrauen angesagt. Auch bei ihm muss man sich wohl auf unangenehme Überraschungen gefasst machen, sobald jemand seine Texte nicht nur überfliegt, sondern kritisch analysiert. Und plötzlich bekommt eine Icnirp-Stellungnahme einen Sinn, an die ich mich vage erinnere. Ich meine es war ein Icnirp-Vorsitzender, der sinngemäß einmal sagte, der Verein sei eben kein "closed Club", wie Diagnose-Funker Gutbier kürzlich behauptete, sondern stünde allen Wissenschaftlern vom Fach offen, wenn sie denn die für die anspruchsvollen Aufgaben erforderlichen fachlichen Qualifikationen mitbringen. Wie es aussieht hat Hardell fein säuberlich dokumentiert, dass er sie nicht mitbringt.

Ein übertrieben strenges Urteil für nur eine einzige Entgleisung? Aus meiner Sicht nein, wenn ich mir das hochgespielte Gezeter wegen eines im Hochwassergebiet bei einem Lacher erwischten Armin Laschet ansehe. Und wer legt die Hand dafür ins Feuer, dass Hardell nicht noch häufiger Quatsch geschrieben hat, der nur noch nicht gefunden wurde? Mobilfunkgegner sind bei der Suche danach keine Hilfe, denn die finden bei ihren Helden nie etwas Anstößiges, nicht einmal bei Gigaherz-Jakob, obwohl der Stuss wie am Fließband produziert.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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