Schmidt und Gutbier gehen in Wolfratshausen baden (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 06.03.2021, 18:38 (vor 570 Tagen) @ KlaKla

In der anschließenden Abstimmung lehnte eine Mehrheit der Mitglieder den Antrag ab. 15 der Anwesenden stimmten dafür, 24 dagegen, es gab zwei Enthaltungen.

Diese Pleite für Gutbier und Schmidt muss für die Anti-Mobilfunk-Szene in Südbayern schmerzhaft sein. Denn sie zeigt erstmals deutlich, auch die Grünen auf dem flachen Land gehen organisierten Mobilfunkgegnern von der Fahne.

Wolfratshausen, ein Städtchen vor den Toren Münchens, ist seit eh und je ein Widerstandsnest der Mobilfunkgegner und Hans Schmidt, politisch aktiv, versucht die Lokalpolitik dort seit Jahren mit bizarren Forderungen zum Thema EMF auf seine Seite zu ziehen. Wenn er jetzt trotz herbeigerufener Unterstützung aus Stuttgart so deutlich den Kürzeren zog, hat dies möglicherweise Signalwirkung für die anderen Widerstandsnester in Südbayern, die allerdings mehr auf das Konto der ÖDP gehen, als auf das der Grünen.

Ab der Jahrtausendwende hatten die bayerischen Mobilfunkgegner mit Martin Runge einen wirkungsvollen Mitstreiter im Bayerischen Landtag sitzen, der als "mobilfunkpolitischer Sprecher" der Grünen Jahr für Jahr öffentlichkeitswirksame Mobilfunk-Anhörungen im Maximilianeum veranstaltete und dort bevorzugt die Scheinriesen der Szene zu Wort kommen ließ. Der Spuk dauerte bis 2013. Dann rebellierte die grüne Jugend gegen die EMF-Reichsbedenkenträger in ihrer Partei und hatte durchschlagenden Erfolg. Die Landtagsgrünen schafften den Posten des "mobilfunkpolitischen Sprechers" ab und haben seither ein unverkrampftes Verhältnis zu Mobilfunk. An der Basis war dieser Sinneswandel zum Besseren bisher nicht so klar erkennbar. Dass der Widerstand gegen Mobilfunk auch dort bröckelt zeigt exemplarisch die Niederlage des Duos Gutbier/Schmidt. Nun macht zwar eine Mücke noch keinen Sommer, in Anbetracht der starken Konzentration organisierter 5G-Gegner in Südbayern ist deren Pleite ausgerechnet in der alten Hochburg Wolfratshausen jedoch ein unerwartet deutliches Signal, das auf eine bemerkenswert starke Diskrepanz zwischen Schein und Sein der bayerischen Mobilfunkgegnerei hinweist.

Erst kürzlich gab es auch aus der Schweiz ein ähnliches Signal. Um dort eine gegen Mobilfunk gerichtete Änderung der Bundesverfassung zu erwirken, startete eine Gruppe von "Elektrosensiblen" im Herbst 2019 die Sammlung für eine "Volksinitiative". Um die erste Hürde zur angestrebten Verfassungsänderung zu nehmen, sind binnen 18 Monaten 100'000 Unterschriften von Unterstützern erforderlich. In der Schweiz, dem Vorreiter weltweiter Anti-Mobilfunk-Proteste, sollte diese niedrige Hürde eigentlich mühelos zu nehmen sein. Doch im Februar 2021 zeigte sich, Schweizer Mobilfunkgegner können zwar laut klappern, großen Rückhalt in der Bevölkerung aber haben sie nicht. Die Initiative gab wenige Monate vor Ende der Sammelfrist beim Stand von 15'000 Unterschriften auf. Ob es einer später gestarteten zweiten ebenfalls gegen Mobilfunk gerichteten Schweizer Initiative ebenso oder besser ergeht ist gegenwärtig offen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Scheinriesen, Selbstüberschätzung, Wolfratshausen, Volksinitiative, Hochmut


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