Gutbier wirft BfS Betrug vor (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 14.11.2020, 19:05 (vor 71 Tagen)

RegioTV lässt wegen der geplanten Errichtung eines Funkmasten in Böblingen Jörn Gutbier zu Wort kommen:

Minute 2.53: "Wir sagen, das Bundesamt für Strahlenschutz und die Behörden, die diese Grenzwerte festlegen, betrügen die Öffentlichkeit."

Eigentlich ist das aus meiner Sicht eine justiziable Unterstellung des Diagnose-Funkers. Doch Gutbier kann unbesorgt aufs Blech hauen, er weiß, das Amt wird sich erfahrungsgemäß nicht wehren und ihn gerichtlich nicht belangen. Mutmaßlich verfährt das Bundesamt nach der Devise: "Was juckt es den Mond, wenn ein Hund ihn anbellt". Gutbier nutzt diesen stillschweigend erteilten Freibrief und tastet sich mit zunehmend groteskeren Behauptungen über das Amt weiter vor.

[image]Tatsächlich hat die Behörde keinen Grund, Gutbier und seinen Populismus ernst zu nehmen, denn der Architekt spielt sich grundsätzlich nur in Laienkreisen als Experte auf, in der Fachwelt hingegen ist er ein Unbekannter. Ein handfester Beleg für diese Einschätzung liefern die neuen Icnirp-Grenzwertempfehlungen, die dieses Jahr vorgestellt wurden. Den Entwurf der neuen Richtlinien unterzog Icnirp 2018 einer öffentlichen Konsultation, an der sich Fachleute und Laien beteiligen konnten. Gut 90 Personen und Institutionen nutzten diese Gelegenheit, komfortabel übers Internet Kritik an dem Entwurf zu üben. Auch das BfS machte davon Gebrauch, von Diagnose-Funk, Jörn Gutbier oder irgendeinem anderen Mobilfunkgegner aus Deutschland ist hingegen weit und breit nichts zu sehen, sie produzieren sich lieber dort, wo ihre Wissenslücken nicht auffallen, z.B. in lokalen Medien. Die Liga, in der das BfS mitspielt, ist für Herrn Gutbier und seine Gesinnungsgenossen ein paar Klassen zu hoch, selbsternannte Mobilfunk-Experten würden dort nach allen Regeln der Kunst in Runde 1 auf die Bretter geschickt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Auch die Anführer der Anti-Mobilfunk-Szene wissen das und gehen Konfrontationen mit anerkannten Experten, von seltenen Ausnahmen abgesehen, vorsorglich aus dem Weg. Spontan fällt mir Dr. Horst Eger ein, der 2004 eine Einladung der Forschungsgemeinschaft Funk ausschlug, seine Naila-Studie vor Experten vorzustellen, Jörn Gutbier kniff 2013 auf spektakuläre Weise, eine Einladung des Wissenschaftsforums-EMF anzunehmen und Diagnose-Funk-Studienbesprecherin Isabel Wilke verließ 2020 der Mut, die Einladung der SPD-Bundestagsfraktion zu einem Fachgespräch anzunehmen, denn dort wäre sie auf den Widerspruch zweier anerkannter Wissenschaftler gestoßen. Naturgemäß gibt es zwischen selbsternannten und anerkannten Experten ohnehin nur sehr wenig Berührungspunkte: Die anerkannten geben sich aus nachvollziehbaren Gründen mit den selbsternannten, wenn überhaupt, dann nur zu Forschungszwecken ab und werden, wenn überhaupt, die selbsternannten einmal zum Gedankenaustausch von den anerkannten eingeladen, sagen die selbsternannten aus Angst vor einer Blamage lieber ab.

Eine der angesprochenen Ausnahmen war der Zahnarzt Claus Scheingraber, der sich im Juni 2005 traute, in der Sendung "Stadtgespräch" des Münchener Lokalsenders tvm gemeinsam mit einem Gesinnungsgenossen gegen Joachim Hagenauer (Inhaber des Lehrstuhls für Nachrichtentechnik an der TU München) und den damaligen Vodafone-Pressesprecher Ernst Andersch anzutreten. Danach wagte er dies meines Wissens nie wieder. Eine jüngere Ausnahme ist Klaus Buchner, der sich 2020 zwei Professoren der TU Braunschweig stellte – und bei dieser Gelegenheit unübersehbar den Part des Juniorpartners übernahm, der die beiden Seniorpartner höflich um Auskünfte bat.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Unterstellung, Instant-Experte, Dialog, Populismus, Gutbier, ICNIRP-Richtlinien, Wissenschafter, Freibrief, Hybris, F60.8 ICD-10-GM, Hochmut, Narrativ


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