Schweiz: Bundespräsidentin will Grenzwerte beibehalten (Technik)
Gigaherz-Präsident Jakob hat sich jahrelang abgestrampelt, smarte "adaptive Antennen" für 5G mit pseudotechnischen Begründungen als Werk des Teufels zu stigmatisieren. Wie es aussieht, war die Mühe vergebens, denn einem Bericht der Schweizer Boulevardzeitung Blick zufolge will die Schweizer Regierungschefin Sommaruga eben diese Antennen, um 5G mit den bestehenden Anlagegrenzwerten in dem Alpenstaat zum Durchbruch zu verhelfen.
Gut einen Monat später rudert Sommaruga vermeintlich zurück. Im Thuner Tagblatt ist zu lesen:
Simonetta Sommaruga kündigt an, dass der Bundesrat an den tiefen Grenzwerten für 5G-Antennen festhält. Damit wird der Ausbau des neuen Mobilfunknetzes verlangsamt, aber nicht gestoppt.
«Basis für die weiteren Arbeiten sind die heutigen Grenzwerte», sagte die Bundespräsidentin anlässlich der Schweizer Digitaltage 2020. Mehr Substanzielles ist dem Zeitungsbericht nicht zu entnehmen. Dabei hatte Sommaruga viel mehr gesagt, wie das Video von ihrer Eröffnungsrede belegt.
Ab Minute 5:00 spricht die Regierungschefin, die in ihrer Rede konsequent von Grenzwerten redet und nicht differenziert zwischen Anlagegrenzwerten und Immissionsgrenzwerten, auch über adaptive Antennen und was diese von herkömmlichen Antennen unterscheidet. Mehrfach weist sie darauf hin, sie wolle Fakten schaffen, um Bedenken und Einwänden zu begegnen. Dies deutet mMn darauf hin, dass die Anlagegrenzwerte zwar beibehalten werden, zugleich aber bei adaptiven Antennen der Fakt der zeitlich befristeten Befeldung unbeteiligter Anwohner es den Netzbetreibern gestattet, die Sendeleistung mit einem amtlich vorgegebenen konservativ bemessenen sogenannten "Reduktionsfaktor" zu beaufschlagen, was ihnen eine gewisse Anhebung der Sendeleistung gestattet. Insofern kann ich nicht nachvollziehen, warum dem Zeitungsbericht zufolge 5G-Rebekka gesagt haben soll: «Wir sind erleichtert, dass der Bundesrat sein Wort halten will». Möglicherweise entfuhr Frau Meier damit die ungewollte Zustimmung zu Sommarugas unausgesprochenem Vorhaben, mit einem faktisch begründbaren Reduktionsfaktor unter Beibehaltung der Anlagegrenzwerte den Bedürfnissen der Schweizer Mobilfunknetzbetreiber entgegen zu kommen. Dies wäre kurios, für die Schweizer Anti-Mobilfunk-Szene jedoch typisch.
Wie Simonetta Sommaruga es schaffen will, die im Fall des Falles mit Sicherheit kommenden Vorwürfe einer (angeblichen) Täuschung der Öffentlichkeit wirksam zu entkräften, wird spannend zu beobachten sein. Sommaruga hätte zwar die Fakten auf ihrer Seite, doch 5G-Gegner werden mit alternativen Fakten und Populismus dagegen halten. Die Regierungschefin weiß das. Vielleicht wird sie deshalb treffsicher erst zum Ende ihrer Amtszeit im Dezember 2020 die Karten in Gestalt der lange erwarteten Vollzugshilfen für die Bewilligung von 5G-Antennen auf den Tisch legen
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –
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- Schweiz: Bundespräsidentin will "adaptive 5G-Antennen" -
H. Lamarr,
22.09.2020, 14:14
- Schweiz: Bundespräsidentin will Grenzwerte beibehalten -
H. Lamarr,
03.11.2020, 23:48
- Schweiz: Bundespräsidentin will Grenzwerte beibehalten -
e=mc2,
04.11.2020, 08:10
- Was adaptive Antennen mit Mikrowellenöfen verbindet - H. Lamarr, 05.11.2020, 00:35
- Schweiz: Bundespräsidentin will Grenzwerte beibehalten -
Gustav,
04.11.2020, 13:29
- Schweiz: Chefrepräsentantin Sommaruga - H. Lamarr, 04.11.2020, 15:39
- Schweiz: Bundespräsidentin will Grenzwerte beibehalten -
e=mc2,
04.11.2020, 08:10
- Schweiz: Bundespräsidentin will Grenzwerte beibehalten -
H. Lamarr,
03.11.2020, 23:48