Gebäudeenergiegesetz: in Gottes Namen gescheitert (II) (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 20.07.2020, 22:19 (vor 335 Tagen) @ H. Lamarr

Wie es kommt, dass ausgerechnet die "Bayerische Staatszeitung" regelmäßig Verlautbarungen aus dem Unterbauch der Funkgegner gänzlich schmerzfrei druckt ...

Als Publizist beherrscht Werner Thiede die Kunst, einen Artikel mit wenig Aufwand inhaltlich ein bisschen umzustellen und umzuformulieren, aus einem Artikel werden so ratzfatz zwei. Und so finden sich Thiedes Einwände gegen das GEG, wie er sie der Bayerische Staatszeitung anvertraut hat, etwas umfrisiert auch im Baubiologie Magazin. Da sein Beitrag dort gänzlich zeitlos ist, weil ohne Datum veröffentlicht, lässt sich nicht eindeutig ausmachen, welche der beiden Publikationen das Vergnügen der Erstveröffentlichung hatte. Da aber der älteste Kommentar in dem Baubiologenblatt vom 3. Juni 2020 ist, lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, die Baubiologen waren für Thiede zweite Wahl.

Wie der publizierende Theologe seinen Originalartikel leicht frisierte, zeigt folgender Vergleich einer kurzen Textpassage aus beiden Publikationen:

Bayerische Staatszeitung: [...] Dabei warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) durchaus: „Personen in der Nähe von drahtlos kommunizierenden Smart Metern sind den elektromagnetischen Feldern der Geräte ausgesetzt und absorbieren einen Teil der ausgesendeten Strahlungsleistung.“ Beruhigend wird aber ergänzt, die funkenden Zähler seien ja in der Regel im Keller installiert, so dass ein großer Abstand zwischen Sender und Personen bestehe: „Mit dem Abstand zum Sender nehmen die Feldstärken schnell ab.“ [...]

Baubiologie Magazin:[...] Tatsächlich warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): „Personen in der Nähe von drahtlos kommunizierenden SmartMetern sind den elektromagnetischen Feldern der Geräte ausge­setzt und absorbieren einen Teil der ausgesendeten Strahlungsleistung.“ Besänftigend heißt es aber weiter, die funkenden Zähler seien ja in der Regel unten im Keller installiert, so dass ein großer Abstand zwischen Sender und Personen bestehen bleibe: „Mit dem Abstand zum Sender nehmen die Feldstärken schnell ab.“ [...]

Die subtile Desinformation Thiedes steckt hier wie dort in seiner Behauptung, das BfS warne. Eine Warnung geht aus dem von Thiede zitierten Textfragment, das er sich von der Website des BfS geangelt hat, jedoch in keiner Weise hervor, das BfS trifft lediglich die physikalisch bedingte triviale Feststellung, ein Mensch aborbiert einen Teil der Energie des Funkfeldes, in dem er sich aufhält. Nur fachliche Laien wie ein Theologe können in dieser Feststellung eine Warnung erkennen. Diese verzerrte Sichtweise erklärt auch die irreführende Vokabel "beruhigend/besänftigend" mit der unser Elektrosmog-Angstmacher seine Ausführungen fortsetzt.

Das heute abgerufene Orginal des BfS-Zitats zeigt einen weiteren Denkfehler des Theologen, denn während er von simplen Funkzählern für Wärme oder Wasser redet, bezieht sich das BfS-Zitat, das er sich geangelt hat, auf Smart Meter. Offensichtlich glaubt Thiede, auch ein Funkzähler für Wärme oder Wasser sei ein Smart Meter. Doch das ist ein Irrtum. Smart Meter sind "intelligente" Stromzähler, die künftig im Datenaustausch mit "intelligenten" Stromnetzen neue Tarifmodelle ermöglichen werden. Dazu gehört es, dass Smart Meter die Verbrauchsdaten zeitnah an den Versorger melden, wobei die Meldestrecke situationsabhängig Kabel, Power-Line-Communication (PLC) oder Mobilfunk sein kann.

Funkzähler für Wärme oder Wasser haben mit Smart Metern nichts zu tun, sie speichern und funken Verbrauchsdaten entweder direkt an einen autorisierten Ableser oder an einen Datenkonzentrator außerhalb der Wohnung, an dem dann auch die Jahresablesung stattfindet. Funkzähler für Wärme oder Wasser müssen nicht "intelligent" sein, ihr wichtigster Sinn und Zweck ist es, die umständliche für alle Beteiligte zeitraubende Ablesung der Verbrauchswerte innerhalb von Wohnungen/Häusern obsolet zu machen.

Was Thiede verschweigt: Funkzähler für Wärme oder Wasser werden von einer kleinen Batterie etwa 10 Jahre bis 15 Jahre lang gespeist. Allein schon deshalb kann es nur zu einer schwachen Funkemissionen kommen. Wer sich ein Mobiltelefon, das zum Auftanken alle paar Tage ans Ladekabel muss, sorglos an den Kopf hält und zugleich Angst vor Funkzählern hat, handelt grob irrational.

So, hier nun endlich das Originalzitat von der BfS-Website:

Expositionen durch drahtlos kommunizierende Smart Meter gering
Personen in der Nähe von drahtlos kommunizierenden Smart Metern sind den elektromagnetischen Feldern der Geräte ausgesetzt und absorbieren einen Teil der ausgesendeten Strahlungsleistung. Es ist aber davon auszugehen, dass die resultierenden Expositionen gegenüber elektromagnetischen Feldern gering bleiben: Während die Sendeleistungen ähnlich sind, besteht beim Betrieb drahtloser Smart Meter anders als bei der Nutzung von persönlichen Kommunikationsgeräten wie Handy oder Smartphone üblicherweise ein großer Abstand zwischen dem Sender und den Personen.

Mit dem Abstand zum Sender nehmen die Feldstärken schnell ab. Weder Messgeräte noch Gateways sind üblicherweise in Räumen installiert, die für den längeren Aufenthalt von Personen bestimmt sind. Zudem kommunizieren Smart Meter untereinander oder mit dem Gateway nicht kontinuierlich, sondern in Intervallen mit Pausen. Funkverbindungen werden deshalb in der Regel nur kurzzeitig genutzt. Das gleiche gilt für die Verbindung zur Datenzentrale des Versorgungsunternehmens, wenn hierfür ein Mobilfunknetz genutzt wird.

Hintergrund
Was ist eigentlich ein Smart Meter?
Irrationale Angst vor Funk-Wasserzählern

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Desinformation, IBN, Verbandszeitschrift, Thiede, Smart Meter, Funkwasserzähler


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