Verein für Elektrosensible: Evidenz vom Hörensagen (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Montag, 16.03.2020, 00:29 (vor 987 Tagen) @ H. Lamarr

► Verein Weiße Zone Rhön, Hohenroda (Hessen): etwa 50 Mitglieder

Nur wenige Tage später fabriziert der Verein für Elektrosensible, München, im Februar 2020 ein neues Papier (Welche sozialrechtlichen Hilfen brauchen EHS- und /oder MCS-Umwelterkrankte?), in dem der hessische Verein jetzt plötzlich "über 70 Mitglieder" hat, 40 Prozent mehr als zuvor. Großer Zulauf bei Hessens "Elektrosensiblen"? Nein, wohl kaum. Schnöde Zahlenwichserei? Ja, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

Das neue Papier des Münchener Vereins ist eine ellenlange Aufzählung, jedoch nicht von harten Fakten, sondern von Wunschvorstellungen, Hoffnungen, Mutmaßungen oder Behauptungen, die als Fakten verkleidet ausgestellt werden: Selbstbetrug im Sekundentakt.

Wie immer bei solchen Wunschzetteln beginnen die "Elektrosensiblen" mit dem zweiten Schritt und übergehen den ersten Schritt, als gäbe es diesen nicht. Doch es gibt ihn und er ist bei "Elektrosensiblen" übelst verpönt, weil er die unbequeme Existenzfrage stellt: Gibt es überhaupt "Elektrosensible"? Bekanntlich hat sich in den vergangenen Jahren der Wissensstand der seriösen Forschung dahingehend konsolidiert, dass "Elektrosensibilität" als psychische Störung angesehen wird. Betroffene aber wollen davon nichts wissen, sie blenden den Stand der Forschung aus und leisten sich ersatzweise den Selbstbetrug, "Elektrosensibilität" wäre eine medizinisch anerkannte physische Krankheit, ganz ohne Existenzprobleme. Das jüngste Papier des Münchener Vereins bestätigt diese Realitätsverweigerung der Verfasser aufs Neue. Dass durch "Kopf in den Sand stecken" die Situation nicht besser wird, sollte eigentlich jedem klar sein, dennoch wird der kuriose Fluchtreflex von "Elektrosensiblen" seit mindestens 20 Jahren immer wieder neu vorgeführt. Das Personal der Szene wechselt, ihre Rituale aber bleiben die gleichen.

Sich mit dem Papier auseinander zu setzen ist hinfällig, über Scheinfakten und Fake News zu diskutieren ist unergiebig. Ausnahme ist folgende Passage vom Ende des Papiers:

(3)

NVA-Untersuchung von 1967 an Funkern, Elektrosensibilität war Stand des Wissens, DDR 1967, Nationale Volksarmee, Vertrauliche Verschlusssache Nr.C 13937, „Die Problematik des Einflusses von Mikrowellen auf den Gesundheitszustand des Funkmesspersonals der Nationalen Volksarmee“, Die Funker der NVA wurden durch die Funktechnik der Mikrowellenstrahlung (ähnliche Technik wie im Mobilfunk) krank, obwohl strengere Grenzwerte als heute in Deutschland galten, siehe dazu in der Studie ...

Ein Kernproblem der "Elektrosensiblen" ist aus meiner Sicht, sie tun nichts, um ihre Situation substanziell zu ändern. Sie tun viel, um sich selbst zu betrügen und sie tun noch mehr, um sich gegenseitig selbst zu bestätigen. Kritik, Kreativität? Fehlanzeige! Copy-Paste oder abschreiben bei Vortänzern? Ja, gerne! So kommt es, dass die "Elektrosensiblen" häufig den Stuss wiederkäuen, den andere zuvor in die Welt gesetzt haben.

Der Stuss aus obigem Zitat geht mutmaßlich auf Peter Hensinger zurück, jedenfalls brachte Diagnose-Funk im Juni 2019 die Falschmeldung von den angeblichen "Funkern" der DDR-Volksarmee. Der Stuss ist deshalb Stuss, weil es eben in der vermeintlichen Studie (tatsächlich ist es eine Dissertation) gar nicht um "Funker" geht, sondern um "Radarsoldaten". Beide haben in etwa so viel miteinander zu tun wie ein Taxifahrer mit einem Formel-1-Piloten, wer das nicht begreifen mag sollte mEn aus der Mobilfunkdebatte verschwinden.

Mehr zu der peinlichen Faktenverdrehung durch Diagnose-Funk gibt es hier zu lesen. Das Beispiel zeigt: Die "Elektrosensiblen" greifen wahllos überall dort zu, wo sie glauben, zugunsten ihrer Sache etwas abgreifen zu können. Die Qualität der Quellen kümmert sie nicht und selbst sind sie offenbar nicht imstande, Spreu (Desinformation) von Weizen (Information) unterscheiden zu können. So backen sie seit nunmehr 30 Jahren ihre Brote mit Spreu und wundern sich ebenso lange, warum sie erfolglose Randfiguren geblieben sind, die hin und wieder von den Medien im Sommerloch zur Belustigung anderer vorgeführt werden. Das ist die Sicht von Außen.

"Elektrosensible" praktizieren lieber die für sie vorteilhaftere Innensicht. Da wird aus einem schrulligen Sonderling der mit einer besonderen Gabe gesegnete Auserwählte und aus einem Ärzteschreck wird ein selbsternanntes "Frühwarnsystem" für die dusselige unempfindliche Bevölkerung. Kanariengelb ist deshalb auch die Lieblingsfarbe organisierter "Elektrosensibler", wähnen diese sich doch als legitime Rechtsnachfolger der Kanarienvögel, die im späten Mittelalter Bergleute frühzeitig vor heimtückischen giftigen Gaskonzentrationen in Stollen warnen sollten. Der Haken an der netten Geschichte: Die Vögel meldeten angeblich zuverlässig, nicht jeder überlebte freilich seinen Alarm. "Elektrosensible" hingegen trauen sich selbst nicht über den Weg, sie bedienen sich daher nahezu ausnahmslos technischer Hilfsmittel, um Feldeinwirkungen jeder Art akustisch, optisch oder mit Messwerten angezeigt zu bekommen. Schlägt so ein Detektor Alarm, geht es den Betroffenen umgehend schlecht. Mit dem putzigen Vorbild Kanarienvogel hat dieses absurde Verhalten allerdings nicht mehr das Geringste zu tun ...

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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