Diagnose-Funk lügt (Berichtigungen)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 01.05.2019, 18:19 (vor 1371 Tagen) @ KlaKla

[image] Quelle: Kompakt 1/2019

*W-LAN und Mobilfunk beschleunigen die Krebsentwicklung. Bundesamt für Strahlenschutz (2015):
„Im Prinzip kann und muss daher geschlussfolgert werden, dass tumorpromovierende Effekte zu hochfrequenten elektromagnetischen Feldern im ENU-Mausmodell als gesichert anzusehen sind.“

Zwischenzeitlich hatte Diagnose-Funk es unterlassen, dem BfS das obige Zitat in die Schuhe zu schieben. Jetzt also wieder, wenn auch nur klitzeklein und im Screenshot der letzten Seite der Kompakt-Ausgabe 1/2019 kaum lesbar. Wer wider besseren Wissens eine Unwahrheit verbreitet, der lügt. Und dann auch noch, nur um an Spendengeld heranzukommen :no:. Mit diesem niederträchtigen Verhalten wird es der Verein aus meiner Sicht nie schaffen, die Anerkennung von Entscheidern zu bekommen, nach der er sich so sehr sehnt.

Hinzu kommt, die folgenden Behauptungen aus dem Screenshot erkenne ich auch fachlich als falsch und irreführend:

Helfen Sie, krebsfördernde* Strahlung zu reduzieren!

*W-LAN und Mobilfunk beschleunigen die Krebsentwicklung

Der Befund von Lerchls zweiter Mäusestudie (2017) lautet eindeutig: Die Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (UMTS mit Ganzkörper-SAR = 0,00 W/kg, 0,04 W/kg und 0,4 W/kg) wirkt nicht kokarzinogen, da die durch ENU induzierten karzinogenen Effekte auf die DNA in drei Geweben der Maus (Hirn, Lunge und Leber) nicht gesteigert werden. Einfacher gesagt: EMF ist an der Krebsentstehung nicht beteiligt. Nur wenn ein Tumor bereits vorhanden ist, könnten elektromagnetische Felder dessen Wachstum beschleunigen. Allerdings ist dieser Beschleunigungseffekt kaum erkennbar, vergleicht man in der Studie die Grafiken (DNA-Schädigung) der befeldeten mit den unbefeldeten Mäusen.

Ich behaupte nun, die obigen Formulierungen von Diagnose-Funk sind mutmaßlich absichtlich so vage, dass das adressierte Publikum (Laien) diese kinderleicht und häufig falsch verstehen kann, nämlich dass EMF-Einwirkung (W-Lan und Mobilfunk) Krebs hervorruft (verursacht). Wer hier regelmäßig mitliest weiß, der Verein lässt auffallend häufig durch schwammige Formulierungen falsche Interpretationen im Kopf seiner Leser entstehen.

Zweifelsfrei irreführend ist es, W-Lan neben Mobilfunk zu nennen, denn Lerchl hat seine Mäuse nicht mit W-Lan befeldet, sondern allein mit UMTS. Hier macht sich einmal mehr der starke Hang von Diagnose-Funk zum Dramatisieren bemerkbar. Lerchl befeldete die Mäuse mal mit 50 Prozent des Ganzkörpergrenzwerts mal mit 500 Prozent, eine Dosis-Wirkungs-Beziehung ist bei den Grafiken der DNA-Schäden nicht erkennbar. W-Lan-Accesspoints bewirken ebenfalls Ganzkörperexposition, arbeiten jedoch mit maximal nur 100 mW Strahlungsleistung. Hängt ein 2,4-GHz-Accesspoint wie üblich an einer Wand und ein Mensch steht direkt davor, erfährt diese Person eine Ganzkörper-SAR von etwa 0,09 mW/kg, das ist rd. 450-mal weniger als bei Lerchls schwacher Exposition. Diesen Fall darf man also getrost als belanglos abhaken. Ein W-Lan-Notebook auf einem Arbeitstisch bewirkt bei einer davor sitzenden Person etwa 0,12 mW/kg (Ganzkörper), 5,4 mW/kg (Teilkörper Kopf/Rumpf) oder 14,6 mW/kg (Teilkörper Gliedmaßen). Alle diese Werte sind unerheblich (Positionsveränderungen um ±5 cm können Änderungen der Ganzkörper-SAR um ±30 Prozent bewirken!). Die Zuschreibung von Diagnose-Funk, W-Lan beschleunige die Krebsentwicklung ist unter diesen Umständen nichts als Panikmache.

Hintergrund
Untersuchung des Einflusses von Antennen- und Gerätetopologien von körpernah betriebenen drahtlosen Kommunikationsendgeräten auf die von diesen verursachten SAR-Werte

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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