Faktencheck: Spottbillige UMTS-Lizenzen für Schweizer (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 14.01.2019, 22:31 (vor 978 Tagen) @ H. Lamarr

Wird die deutsche Standortdichte von 0,207 Standort/km² auf die Fläche der Schweiz angewendet, resultieren daraus 8'561 Mobilfunkstandorte. Tatsächlich hat die Schweiz jedoch gut doppelt so viele Standorte (18'252). Der Faktencheck bestätigt damit die Behauptung, tiefe Vorsorgewerte würden zu deutlich mehr Sendemasten führen.

Die hohe Standortdichte in der Schweiz beschert den dortigen Netzbetreibern regelmäßig die Spitzenplätze für die Netzqualität in den D-A-CH-Ländern. Doch wie konnten sich die Netzbetreiber in der Schweiz die gegenüber Deutschland doppelt so hohe Standortdichte für Mobilfunksender finanziell leisten?

Eine Erklärung geben die Lizenzen für UMTS, die um 2000 herum in Europa versteigert wurden. Seinerzeit gab es von Land zu Land gravierende Unterschiede, wie tief die Netzbetreiber in die Tasche greifen mussten. Die Schweizer kamen damals im Vergleich zu Deutschland und Österreich äußerst günstig davon:

UMTS-Lizenzkosten pro Einwohner (Quelle)
Spanien: 13 Euro
Schweiz: 18 Euro
Polen: 50 Euro
Österreich: 102 Euro
Italien: 239 Euro
Deutschland: 619 Euro
Großbritannien: 654 Euro

Die Schweiz und Österreich haben je etwa 8 Mio. Einwohner, Deutschland 10-mal mehr. Deutsche Netzbetreiber mussten rd. 34-mal mehr (rd. 50 Mrd. Euro) für die Lizenzen zahlen als die Schweizer (144 Mio. Euro) und immerhin noch rd. 6-mal mehr als die Österreicher (816 Mio. Euro), die ihrerseits rd. 5,6-mal mehr hinblättern mussten als die Schweizer.

Die im Vergleich zu Deutschland spottbillig erworbenen UMTS-Lizenzen hielten den Schweizern den Rücken frei, die wegen der EMF-Vorsorgewerte höhere Standortdichte im Alpenstaat zu finanzieren. Deutschen Netzbetreibern kamen die UMTS-Lizenzen 34-mal teurer zu stehen, dafür kommen sie wegen des Verzichts auf schweizer EMF-Vorsorgewerte mit der halben Standortdichte aus.

Den größten Reibach aber machten die Netzbetreiber in Spanien: Obwohl dort, von einigen Provinzen mit Faktor 1,5 niedrigeren Grenzwerten abgesehen, die ICNIRP-Grenzwerte der EU-Ratsempfehlung gelten, mussten sie dennoch nur 13 Euro pro Einwohner für die UMTS-Lizenzen berappen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Vergleich, Lizenz


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