Begünstigt 5G Hautkrebs? Israelis legen nach (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 21.09.2018, 16:59 (vor 425 Tagen) @ H. Lamarr

Die Schweizerische Expertengruppe "Berenis" hat die Arbeit der israelischen Forschungsgruppe Betzalel et al. 2017 "Absorption von Strahlung im Sub-terahertz-Frequenzbereich durch die menschliche Haut" analysiert und schreibt:

Der Unterschied der lokal maximalen SAR in der Haut mit und ohne Berücksichtigung von Schweissdrüsen beträgt in dieser Studie einen Faktor 1'000 - 10'000. Die Schweissdrüsen stellen sich dabei als Mikrostrukturen mit einer sehr stark erhöhten Absorptionsfähigkeit heraus.

[image]Diese Feststellung gilt für den Sub-Terahertz-Frequenzbereich ab 30 GHz, der mit den gegenwärtig anlässlich der Einführung von 5G vorgesehenen Frequenzbändern bis maximal 6 GHz nichts zu tun hat. Die Berenis-Experten beziffern bei 30 GHz die Wellenlänge in der Haut mit rd. 1 mm. Die einfache Formel zur Umrechnung von Frequenz auf Wellenlänge (in Luft) ergibt jedoch den Wert 10 mm. Den scheinbaren Widerspruch erklärt der Brechungsindex der Haut, denn wenn eine Funkwelle aus der Luft in Haut übertritt, dann bleibt die Frequenz der Welle zwar gleich, die Wellenlänge aber wird um den Brechungsindex kleiner. Sehr schön zu erkennen ist dies in der animierten Grafik (Wikipedia).

Im Mai 2018 legten die Israelis nach und brachten die neue Arbeit heraus "The human skin as a sub-THz receiver – Does 5G pose a danger to it or not?". Darin warnen sie davor, den Sub-Terahertz-Frequenzbereich oberhalb von 24 GHz für Kommunikationsdienste frei zu geben, bevor die Auswirkungen auf die Bevölkerung gründlich erforscht wurde. Die von der Studie vorgestellten Simulationen der SAR-Verteilung finden jedoch nicht z.B. bei 30 GHz statt, sondern bei Frequenzen weit über 400 GHz. Bemerkenswert: Das Wort "cancer" wird auch in dieser Arbeit kein einziges Mal gebraucht, es sind erst Interpretationen überzeugter Mobilfunkgegner, die diese Verbindung herstellen!

Die Bedeutung der Studien aus Israel lässt sich aus meiner Sicht gegenwärtig ohne Replikation durch andere Arbeitsgruppen kaum abschätzen, zu komplex und damit fehleranfällig sind die Betrachtungen. Interessant wäre z.B. eine funktechnisch kompetente Betrachtung der Kernidee, die Wendelform einer Schweißdrüse wirke wie eine kleine Richtantenne im Mikrokosmos. Das mag in der Theorie so sein, doch ist es auch in der Praxis so, wenn diese Mikroantennen in Gewebe eingebettet sind?

Eines aber lässt sich aus den Arbeiten von Betzalel et al. mit Sicherheit nicht ableiten: Der bevorstehende Rollout von 5G in Frequenzbändern unterhalb von 6 GHz rechtfertigt in keiner Weise pauschale Bedenken, 5G könne Hautkrebs begünstigen. Die Wellenlängen bei 6 GHz sind mit 5 Zentimetern viel zu groß, als dass sie selbst mit Lambda/4 in Resonanz mit den weitaus weniger als 1 mm messenden Schweißdrüsen treten könnten. In zehn oder 20 Jahren, wenn Trägerfrequenzen über 24 GHz zur Anwendung kommen mag dies anders zu beurteilen sein, doch wer heute 5G noch vor dessen Einführung schon mit Hautkrebs in Verbindung bringt, ist für mich ein unseriöser seiner Zeit vorauseilender Panikmacher. Bedenklich finde ich, dass die israelische Arbeitsgruppe engen Kontakt zu organisierten Mobilfunkgegnern (Devra Davis) hat, das begünstigt Misstrauen in die Ergebnisoffenheit der Wissenschaftler.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Hautkrebs, BERENIS, 5G, Ergebnisoffenheit, Schweißdrüsen


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