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H. Lamarr @, München, Samstag, 01.09.2018, 13:22 (vor 1019 Tagen) @ KlaKla

Punkt 8.12. hebt darauf ab, man müsse die Risiken des neuen Mobilfunkstandards 5G vor seinem flächendeckenden Ausbau wissenschaftlich neutral untersuchen.

Wie niedlich, die AfD Bayern wirbt 2018 mit dem ehemaligen SPD-Motto "Wir sind breit".

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Bild: Titanic

Im Wahlprogramm der Partei taucht der Begriff 5G in drei Programmpunkten auf:

8.12. Risiken des neuen Mobilfunkstandards 5G vor seinem flächendeckenden Ausbau wissenschaftlich neutral untersuchen

Bezugnehmend auf einen Appell von mehr als 160 Wissenschaftlern und Ärzten aus 36 Ländern, gerichtet an die EU im September 2017, setzen wir uns dafür ein, dass vor dem Ausbau der Mobilfunknetze mit der neuen Technologie 5G eine Abklärung der Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt durch staatliche, industrieunabhängige Forschung erfolgt.

10.5. Breitbandausbau – nicht reden, sondern Gigabit

[...] Unsere Ziele bis 2023: alle öffentlichen Einrichtungen und mittelständische Unternehmen mit Glasfaser versorgt, Breitbandgrundversorgung für alle Bürger – auch im ländlichen Raum, weitgehende 5G-Mobilfunkversorgung in der Fläche. Wo notwendig, muss auch der Freistaat selbst in die Verantwortung gehen. Wir wollen in ausgewählten Städten (z. B. Hof, Weiden, Passau, Kempten) schnellstmöglich mit dem Ausbau eines Gigabit-Netzes beginnen. An belebten Plätzen in ganz Bayern soll kostenloses, öffentliches WLAN zum Standard werden.

13.5. Autonomes Fahren – Weltmarktführer Bayern, wenn wir jetzt handeln

[...] Insbesondere will die AfD dabei das 5G-Mobilfunknetz in Bayern fördern. [...]

Ich meine die Widersprüchlichkeit, einerseits 5G (und öffentliches W-Lan) mit Macht fördern zu wollen, zugleich aber die absurden 5G-Bedenken organisierter Mobilfunkgegner aufzugreifen, ist ein schönes Beispiel für Populismus. Unverständliche Positionen zum Breitbandausbau hatte die AfD bereits 2017 anlässlich der Bundestagswahl im Programm, neu ist mit Blick auf 5G jetzt nur die Position 8.12. Irgendein nach Aufregern angelnder AfD-Funktionär muss sie ins Wahlprogramm der AfD Bayern aufgenommen haben und auf dem AfD-Parteitag Anfang Juni 2018 in Nürnberg wurde diese Peinlichkeit dann auch noch beschlossen. Peinlichkeit deshalb, weil sich die AfD damit öffentlich als inkompetent outet in Sachfragen der Mobilfunkversorgung. Nach ödp, Grüne, Freie Wähler und die Linke versucht sich jetzt also die AfD am Thema Mobilfunkkritik.

Warum ich von dem 5G-Appell einiger wissenschaftlicher Außenseiter, Pseudowissenschaftler und der üblichen Trittbrettfahrer nichts halte, ist <hier> ausführlich begründet. Warum die AfD nicht imstande ist, wenigstens die Anzahl der Appellanten (es waren mehr als 180) richtig abzuschreiben, lässt sich nirgendwo nachlesen. Und weil der 5G-Start hierzulande für 2020 angekündigt ist, gerät die AfD schon wieder in die Klemme: Wie soll in nur rund 1,5 Jahren "eine Abklärung der Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt durch staatliche, industrieunabhängige Forschung" erfolgen? Allein das 2002 aufgelegte Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm hatte schon eine Laufzeit von sechs Jahren, bis alle Ergebnisse vorlagen. Ein weiteres typisches Zeichen für Überforderung ist der ebenso populistische wie naive Ruf nach "staatlicher industrieunabhängiger" Forschung. Wie sollte die denn genau vonstatten gehen, wenn der Pool an kompetenten Bioelektromagnetikern so begrenzt ist, dass "der Staat" zur Erfüllung dieser Forderung auf hochbetagte Rentner oder Pseudowissenschaftler aus dem Dunstkreis organisierter Mobilfunkgegner zurückgreifen müsste?

Die Wirkung von Funkwellen auf Organismen ist gut erforscht und es besteht bis auf Weiteres kein Grund zu glauben, die 5G-Technik hätte andere biologische Wirkmechanismen als 2G, 3G oder 4G. Dies wird sich erst ändern, wenn irgendwann einmal ganz andere Trägerfrequenzen jenseits von sagen wir mal 20 GHz oder 30 GHz zur Anwendung kommen werden. Doch 5G startet zunächst auf Frequenzen < 10 GHz und muss deshalb nicht neu erforscht werden. Wer dies dennoch fordert, wie jetzt die AfD Bayern, fischt in den trüben Gewässern dubioser Alternativmedziner und Pseudowissenschaftler, die der fixen Geschäftsidee nachhängen, nicht die Trägerfrequenz sei mit maßgebend für biologische Wirkungen eines HF-Signals, sondern die dem Träger aufmodulierte "Information". In Esoterikkreisen wird die "Informationsmedizin" ernst genommen, außerhalb wird sie als das gesehen was sie ist: Hokuspokus.

Hintergrund
5G-Verteufelung ist in Österreich angekommen

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Fehlinterpretation, Trittbrettfahrer, Außenseiter, NTP-Studie, 5G-Appell, Wyde


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