Unerwartete Heilungsaussichten für überzeugte Elektrosensible (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 15.12.2016, 20:37 (vor 856 Tagen)

Was "Dr. Ratto" <hier> eingestellt hat, ist aus meiner Sicht eine kleine Sensation, nämlich eine Anleitung, wie überzeugte Elektrosensible endlich geheilt werden können! Nicht Medikamente sind die Lösung, auch gute Psychotherapeuten sind es nicht, sondern, es ist geradezu unglaublich: Mehrere aufeinanderfolgende Testungen auf Elektrosensibilität.

In der besagten Studie versteckt sich diese Botschaft in der krypischen Schlussfolgerung:

Conclusion

Our results suggest that a subgroup of persons exist who profit from participation in a personalised testing procedure.

(Deutsch: Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, eine Untergruppe von Personen profitiert von der Teilnahme an personalisierten Testungen.)

Das muss man 3-mal lesen und versteht es ohne Kontext dennoch nicht.

Was ist geschehen? Dazu ein Rücksprung ins Jahr 2006.

Bei der gescheiterten Replikation der berühmten TNO-Studie in Zürich (ETH-Studie) machten die gescheiterten EHS erstmals geltend, auf der Fahrt zum Studienort seien sie so stark mit Elektrosmog "aufgeladen" worden (Sättigung), dass sie beim anschließenden Test nicht mehr unterscheiden konnten, ob das EMF-Feld einwirkte oder nicht. Seither wurde das Argument der ungewollten Aufladung zu einer Art Standardausrede für EHS, wenn sie bei Tests in Laboren versagten.

Um diesem Argument die Spitze zu nehmen, baute eine Arbeitsgruppe um die niederländische Wissenschaftlerin Anke Huss eine transportable Befeldungsapparatur. Jetzt mussten EHS nicht mehr zum Test ins Labor, sondern sie konnten in ihrer gewohnten (feldarmen) Umgebung bleiben, die Wissenschaftler kamen zum Doppelblindtest zu ihnen. Ebenfalls neu: Statt eine Gruppe von Probanden einer Gießkannen-Exposition auszusetzen, die individuelle Besonderheiten eines EHS unberücksichtigt lässt, ist die Befeldungsapparatur auf die Sensibilität eines Probanden hin programmierbar (Signaltyp, Immissionsstärke, Immissionsdauer). Damit wurde ein weiterer Kritikpunkt an herkömmlichen Provokationstests aus der Welt geschaffen, so dass die Befeldungsapparatur eine qualitativ hochwertige Exposition gewährleistet.

Doch all dies nützte nichts: Von 42 Probanden (selbstdiagnostizierte EMF-Schnellspürer) im Alter zwischen 29 und 78 Jahren war trotz individuell angepasster Exposition im eigenen Heim oder an einem Ort der Wahl kein einziger imstande, über pures Raten hinaus zu erkennen, ob er momentan einem Feld ausgesetzt ist oder nicht. Eine Testsequenz bestand unter Doppelblindbedingungen aus zehn Phasen mit Exposition und Scheinexposition in zufälliger Reihenfolge. Im Anschluss an eine Testsequenz erhielt jeder Proband sofort sein Ergebnis mitgeteilt.

Nach zwei und nach vier Monaten wurden die Probanden in weiteren Sitzungen erneut getestet. Besser schnitt dabei keiner ab und auch die Einschätzungen der Probanden zum Grad ihrer "Elektrosensibilität" unterschieden sich nicht statistisch bedeutsam von der Einschätzung anlässlich der ersten Sitzung. Und doch gab es bei den beiden Folgetestungen eine erstaunliche Beobachtung: Die Teilnehmer zeigten wachsende Unsicherheit bei der Festlegung, ob sie sich befeldet fühlten oder nicht und sie berichteten von signifikant weniger Symptomen, als noch während der ersten Sitzung!

Kommentar: Innerhalb von vier Monaten 3-mal nacheinander ein negatives Testergebnis in den eigenen vier Wänden hinnehmen zu müssen, scheint die Überzeugung selbstdiagnostizierter Elektrosensibler empfindlich zu erschüttern, NF- oder HF-Felder wahrnehmen zu können. Daraus ließe sich möglicherweise ein neuer Therapieansatz ableiten, der eine Heilung der Betroffenen von ihrer Wahnvorstellung, "elektrosensibel" zu sein, zum Ziel hat. Heilung infolge wiederholt enttäuschender Testergebnisse – warum eigentlich nicht. Je nach Grad der Überzeugung könnten drei, fünf oder mehr Therapiesitzungen erforderlich sein. Bei restlos überzeugten EHS könnten es unendlich viele sein, d.h. diese Personen sind auch gegen diese "Provokationstherapie" bereits immunisiert.

Hintergrund
Anke Huss - niederländisches EHS-Projekt

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Selbstdarstellung, EHS-Phobie, Elektrochonder, Immission, Elektrosensibel, Niederlande, Huss, Heilungsaussicht, Therapieansatz, ETH-Studie


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