... von Dr. med. C. Aschermann (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 10.09.2016, 15:04 (vor 922 Tagen) @ H. Lamarr

Unerwarterweise kommen jetzt auch aus Kreisen der Mobilfunkkritiker skeptische Stimmen ...

Bei Gigaherz schreibt Christine Aschermann:

Da ich eine Diskussion über die überall im Aufbau befindlichen Kleinzellennetze in Innenstädten für dringend notwendig halte, sah ich mich veranlasst, mich mit der Thematik zu befassen. Über das vielfach gelobte St. Galler Projekt (dort mit WLAN), das jetzt mehr und mehr Nachahmer findet, gibt es einen ausführlichen Bericht der verantwortlichen Schweizer Ingenieure von 2014.

Hier meine Zusammenfassung der Ergebnisse, die die Annahme nicht stützen, dass sich dadurch die Strahlenbelastung senken ließe.

Ausgangspunkt des Projekts war, dass die Mobilfunkbetreiber die Vorsorgegrenzwerte, eine Schweizer Besonderheit, erhöhen wollten. Man erhoffte sich, dass die Betreiber einzelne Sender abschalten würden, wenn sich das WLAN-Netz bewähre.
Ich stütze mich dabei auf die Unterlagen der verantwortlichen Schweizer Ingenieure und kommentiere (farbig gesetzt).

Die Ergebnisse:

1. Der Datenverkehr nahm im Zeitraum von 2011 bis Mitte 2013 um mindestens das Fünffache zu.

2. Die Gesamtstrahlenbelastung nahm geringfügig ab, wobei die Werte (aber) noch innerhalb der Messungenauigkeit lagen.
Kritik: bei der Gesamtstrahlenbelastung wurde vermutlich nach den anerkannten Messvorschriften gemessen, wobei die Peaks der Einzelimpulse unberücksichtigt bleiben.
Aus den gewonnenen Messwerten wurden über die Fläche des Bezirks und über die Messzeiträume Mittelwerte gebildet, wobei die besonders irritierenden Spitzenwerte- die mehr als 10 Volt pro Meter betragen können bei einem Handytelefonat- untergehen in der Masse.
LTE und der Datentransfer in das schnelle WLAN mit einer Frequenz von mehr als 5 Gigahertz wurden nicht berücksichtigt.
Ganz grundsätzlich ist anzumerken, dass biologisch nicht nur die Höhe der Strahlendosis bedeutsam ist, sondern auch Modulation, Pulsung u.a. sowie Reaktionsfenster beim Organismus eine entscheidende Rolle spielen. Die Fixierung nur auf die Leistung geht in die Irre.

3. Die an Glasfaser angeschlossenen Router mit der effektiven Sendeleistung von 100 milliWatt (100 000 microWatt!) wurden in dem vorgesehenen Bereich so verteilt, dass keine relativ funkarmen Zonen mehr existieren. Die Elektrosensiblen haben es als Erste gespürt.

4. Es wurden keine Abschaltungen von Mobilfunksendern vorgenommen.

5. Wie viele privaten oder geschäftlichen Router, die aus den Häusern nach außen dringen, tatsächlich abgeschaltet wurden, konnte zahlenmäßig nicht bestimmt werden. (Eine Übersicht über private Netze ließ sich im Internet finden, danach besteht jetzt eine sehr dichte Versorgung mit Hotspots, auch ohne das den Steuerzahler belastende städtische Netz).

6. Der erwartete Sachverhalt, dass über LTE, UMTS und WLAN sich Datenpakete besser, also mit geringerer Leistungsflussdichte, übertragen lassen als mit GSM-Mobilfunk, wurde in einem Vorversuch bestätigt. Dadurch hat der Smartphone-Nutzer in dem versorgten Bezirk eine deutlich geringere Strahlenbelastung bezogen auf eine bestimmte Datentransfergeschwindigkeit. Zu fragen ist, wieweit dieser Vorteil sich wieder aufhebt durch exzessive Nutzung. Die biologisch viel höhere Schädlichkeit von WLAN und UMTS (von Klitzing, Adlkofer) gegenüber GSM ist sehr bedenklich, zum Schadenspotential von LTE habe ich keine vergleichende Untersuchung vorliegen, aufgrund der MIMO-Technik und den Berichten Elektrosensibler gehe ich aber von einer besonderen Schädlichkeit aus.

7. Elektrosensible werden mit einem derartigen Kleinzellennetz in großem Maßstab aus Innenstädten ausgegrenzt.
Grundlegende Rechte der Europäischen Menschenrechtskonvention, der Schweizer Bundesverfassung, des deutschen Grundgesetzes, der Behindertenkonvention garantieren ihnen jedoch einen freien Zugang zu öffentlichen Plätzen, Behörden usw.. Bei der Verwirklichung dieses Konzepts gibt es keine Fluchtmöglichkeiten mehr. Früher konnten Elektrosensible einem einzelnen Smartphone-Nutzer u.U. aus dem Wege gehen. Bei zig begeisterten Pokemon-Jägern (welch ein Irrsinn!) in einer WLAN-Zone ist das nicht mehr möglich. Zudem gab es Stellen mit weniger Funkbelastung (Abschirmung durch Gebäude).
Da die Router sich in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher befinden, ist zu erwarten, dass auch die bisher nicht elektrosensiblen Passanten, Anwohner und Geschäftsinhaber nach einer gewissen Zeit (Erschöpfung der körpereigenen Reserven) darauf reagieren werden.

Zu den oft gleichzeitig diskutierten Begriffen
Trennung von Inhouse-Outdoor-Versorgung :
Bisher nur Schlagworte!
Der Funk der üblichen WLAN-Router (100 milliWatt, neue 5-Gigahertz-Router bis zu 1 Watt, siehe Maes) endet bekanntlich nicht an der Hauswand. In vielen Gebäuden sind bis 15, 20 WLAN-Netze der Nachbarn aufzuspüren, die sich gegenseitig behindern, was wiederum dazu führt, dass die Leistung höhergedreht wird- welch eine Verschwendung unter Energiespargesichtspunkten! Es wäre sicher technisch möglich, Router mit wesentlich geringeren Leistungen zu entwickeln, wenn ein Interesse dafür besteht! (siehe auch früheres Konzept von S. Spaarmann zur Strahlenminimierung). Router mit automatischer Abschaltung bei Nichtgebrauch gibt es bereits, andererseits sind Betreiber bestrebt, ihr WLAN-to-go beim Kunden durchzusetzen (z.T. ohne dessen Wissen, und dann darf nicht abgeschaltet werden).

Ich halte die Erprobung solcher Modelle dennoch für sinnvoll, wenn es wirklich um drastische Reduzierung von Strahlenbelastung geht und nicht um eine taktische Maßnahme, die durch weitere Ausbreitung von Funknetzen Werbung und Konsum anheizen soll. Vorläufig, so lange die Gesamtgesellschaft die langfristigen Schäden jeder Funktechnik noch nicht bewusst wahrnimmt (Nachweise existieren bekanntlich längst und werden von den interessierten Kreisen geleugnet), halte ich es für dringend notwendig, funkfreie Zonen einzurichten, in den Städten, Behörden und Krankenhäusern, öffentlichen Verkehrsmitteln usw. bzw. umgekehrt die Funknetze an bestimmten Orten zu konzentrieren und den Rest freizuhalten.

Leistungsregulierung: Beim Laien entsteht oft der (falsche) Eindruck, dass dadurch die Strahlung verringert wird. Das ist aber nicht der Fall bzw. es handelt sich nur um eine relative Verringerung. Bei gutem Empfang ist die volle Strahlungsstärke durch den Sender vorhanden, das Handy muss nicht stärker, evtl. bis auf maximale Leistung aufdrehen, wie es bei schlechten Empfang notwendig wird. Wenn viele Nutzer zur gleichen Zeit im Netz sind, ist höhere Leistung der Handys erforderlich.

Fragen zum Schluss: Nun könnte man argumentieren, dass bedauerlicherweise die Mobilfunkbetreiber und die Privatleute mit Hotspots nicht mitgespielt hätten.
Aber ist es realistisch anzunehmen, dass Sender abgeschaltet werden und dass plötzlich private WLAN-Nutzer auf ihr bequemes drahtloses Netz, das auch nach draussen und in Nachbarhäuser dringt, verzichten oder die Hotspotbetreiber auf Gratifikationen beim Netzzugang?
Wann werden die neugeschaffenen Netze an ihre Grenze kommen?
Und welchen gesellschaftlichen Nutzen haben die digitalen Netze? Die "Kollateralschäden" durch Unfälle mit wie blind daher laufenden jungen Leuten, die Beeinträchtigung der Hirnfunktionen nehmen zu.
Wollen wir das?
Was wird erst LTE (4G) in den Straßenlaternen vor jedem Haus bewirken, mit seiner sehr breitbandigen Technik, wie für Kempten im Allgäu angedacht?

09.09.2016 Christine Aschermann

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kleinzellen, WLAN-Router, Aschermann, Kollateralschäden, St.-Gallen


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