Storchennest auf Funkmast: Die Irrtümer des Hans-U. Jakob (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 02.07.2016, 16:13 (vor 1230 Tagen) @ Dr. Ratto

Bilder dazu gibt es hier.

Kommentar: Satt und ruhig, weder Entwicklungsprobleme noch ADHS!

Hans-U. Jakob, der sogenannte Fachstellenleiter des Vereins Gigaherz, hat die Storchenfotos des Nabu zum Anlass genommen, ein neues Beispiel seines Könnens zu geben. Der greise Ex-Elektriker meint zu wissen:

Wenn Störche oben auf Mobilfunkantennen nisten und gesunde Jungvögel aufziehen, ist nicht die Unbedenklichkeit der Strahlung dafür verantwortlich, sondern der Dämpfungsfaktor mit welchem die Strahlung nach oben aus einer Antenne austritt.

Das musste aus Sicht des Schweizers anscheinend mal gesagt werden, auch wenn es Stuss ist weil fälschlich der Eindruck erweckt wird, man könne unbesorgt auf einer Sektorantenne Platz nehmen. Der Dämpfungsfaktor allein ist eine wertlose Größe wenn die Stärke der Funkfelder missachtet wird, die der Strahlungsquelle (Antennendipole) entspringen. Genau dies aber ist Jakob passiert.

Zum Foto eines Storchennestes auf einer 3-Sektor-Mobilfunkantenne schreibt der sogenannte Fachstellenleiter weiteren Stuss:

Bilder wie dieses hier werden von den Mobilfunk-Propagandisten, Elektrosmogleugnern und Berufsmobbern gerne dazu verwendet, um die Bevölkerung arglistig zu täuschen und Elektrosmog-Kranke lächerlich zu machen.
Eine Mobilfunkantenne strahlt in W/m2 gerechnet nach oben nämlich rund 1600mal weniger stark als waagrecht nach vorne.

Nun ist es bekanntlich so, dass die Kompetenzen des Starkströmlers Jakob nicht unbedingt in der Hochfrequenztechnik zu verorten sind, der Mann auf diesem Gebiet vielmehr regelmäßig Unsinn behauptet. Seine Storchenstory macht da keine Ausnahme. Was also gibt es an den Ausführungen Jakobs zu bemeckern?

Zunächst ist festzustellen: Es gibt hunderte unterschiedliche Mobilfunk-Sektorantennen mit teils völlig unterschiedlichen Abstrahleigenschaften. Mobilfunkbetreiber brauchen diese Vielfalt, um je nach Versorgungssituation auf eine passende Antenne zurückgreifen zu können, z.B. auf eine, die nur einen schmalen Bereich zwischen zwei benachbarten Funkzellen ausleuchten soll und deshalb eine starke Richtwirkung mit geringem horizontalen Öffnungswinkel aufweist.

Doch was macht Herr Jakob? Er greift zum Diagramm einer x-bliebigen Sektorantenne und baut darauf seine pauschale Behauptung auf, eine Mobilfunkantenne strahle nach oben 1600-mal weniger Leistung ab als in Hauptstrahlrichtung. Diese vereinfachende Pauschalisierung ist unzulässig, denn bei anderen Antennen ist der Faktor größer oder kleiner. Dieser Fehler des Ex-Elektrikers ist unschön, entscheidend aber ist er nicht.

Ebensowenig ist ein anderer kleiner Fehler von Herrn Jakob maßgebend, der fälschlich das Storchennest senkrecht über den Antennen (0°) annimmt. Tatsächlich befindet sich das Nest jedoch in einem Winkel von 10° bis 15° hinter den Antennen. Im Vergleich zu den Dämpfungswerten bei 0° ist der Unterschied jedoch eher gering, so sich dieser aus dem Vertikaldiagramm überhaupt noch halbwegs zutreffend ablesen lässt.

Was Jakob jedoch völlig übersehen hat und ein gravierender Fehler ist, das ist die starke Emission von Sendeantennen im Nahfeld von wenigen Zentimetern Abstand zu den Antennendipolen. Dort können, auch oben, leicht Werte deutlich über Grenzwert auftreten, z.B. eine elektrische Feldstärke von 130 V/m – pro Antenne. Bei einem 3-Sektoren-Funkmast sind dies (quadratisch addiert) rd. 225 V/m, die von unten auf das Storchennest einwirken können. Zum Vergleich: Der höchste zulässige Grenzwert für EMF ist rd. 61 V/m.

Die von Herrn Jakob bestimmte starke Dämpfung (1600-mal weniger) bedeutet in diesem Zusammenhang: Die sehr hohen Feldstärken treten nur in einem sehr eng begrenzen Bereich von wenigen Zentimetern in unmittelbarer Nähe der strahlenden Elemente einer Antenne auf und dies weitgehend unabhängig von der Hauptstrahlrichtung. Die Fotos der Nester belegen indes nachdrücklich, die Nester befinden sich in unmittelbarem Kontakt mit den Oberkanten der Antennen, sie sind entweder im (kleinen) Bereich der sehr hohen Feldstärke oder dicht daran. Aus gutem Grund wird für Mobilfunkantennen daher nicht nur ein (großer) horizontaler Sicherheitsabstand angegeben, sondern auch ein (kleiner) vertikaler, der, weil Menschen sich einer Antenne eher von unten nähern, auf die Unterkante der untersten Antenne eines Funkmasten bezogen ist.

Welche EMF-Immission nun genau auf die Störche im Nest einwirkt, werden wir wohl nie erfahren, sie ist auf jeden Fall meilenweit über dem, was Sendemastenphobiker als akzeptabel hinnehmen würden.

Selbst nach Jakobs schlichtem Modell der 32 dB Dämpfung (Leistungsfaktor 1600) kommen bereits beträchtliche Werte zustande. Denn der Schwarzenburger behauptet seit Jahren, der Antennengewinn einer Mobilfunk-Richtantenne würde die abgestrahlte Leistung vervielfachen, z.B. aus 20 W Sendeleistung 1200 W machen. Theoretisch bedeutet dies in 10 cm Abstand von den Dipolen eine Leistungsflussdichte von 1200 W/0,1256 m² = 9554 W/m². Unter Berücksichtigung der Jakob-Dämpfung von 32 dB resultiert daraus eine Immission von 6 W/m² auf dünne Storchenbeine. Dies wäre zwar unter Grenzwert und würde beim Ausbrüten von Storcheneiern noch nicht nennenswert wärmen, der mörderisch hohe Wert müsste Herrn Jakob jedoch das schüttere Haar zu Berge stehen lassen!

Glücklicherweise beruht die Berechnung auf Jakobs Behauptungen, daher ist das Risiko extrem hoch, dass abermals nur Stuss rausgekommen ist :wink:.

Hintergrund
20 Watt gehen in die Antenne, aber 1200 W werden abgestrahlt
Hybridmethode zur Lösung komplexer elektromagnetischer Feldprobleme: Kombination der Finite-Elemente-Methode, eines Integralgleichungsverfahrens und der Vereinheitlichten Geometrischen Beugungstheorie

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Jakob, Narrenhaus, Falsche Schlüsse, Pauschalisierung, Elektriker, über Grenzwert, Storch


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