Interessenkonflikt: Jetzt hat auch Glyphosat seinen Skandal (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 19.05.2016, 12:44 (vor 2957 Tagen) @ H. Lamarr

Das Theater um die Neuzulassung der chemischen Keule ist mMn inzwischen keine Frage der Forschung mehr, sonder ein politisches Kräftemessen.

Wer erinnert sich noch an das Vorspiel zur IARC-Monographie 102 (Elektromagnetische Felder) im Mai 2011? Vor Beginn der Beratungen in Lyon erwischte es den bekannten schwedischen Epidemiologen Anders Ahlbom, der um fünf Ecken herum einen Interessenkonflikt mit der Mobilfunkindustrie hatte und deshalb von den Beratungen unmittelbar vor deren Beginn ausgeschlossen wurde.

Ähnliches ist jetzt in der komischen Glyphosat-Oper passiert. Vor ein paar Tagen erst haben Experten der UNO, genauer der WHO, Entwarnendes zu dem Mittel verkündet. Doch jetzt, unmittelbar vor der entscheidenden Sitzung des EU-Ausschusses kommt heraus: Zwei der Experten haben Positionen in einem Institut, das von Glyphosat-Hersteller Monsanto mit üppigen Spenden beglückt wurde.

Kommentar: In der Anti-Mobilfunk-Szene wimmelt es geradezu von Interessenkonflikten, die die Szene in ein schräges Licht tauchen. Doch darüber ist in der Weltpresse nichts zu lesen. Nur ein kleines unbedeutendes Forum am Rande der Alpen ist den weithin unbeachteten Schlawinern systematisch auf den Fersen.

Da die Monsanto-Spenden bereits 2012 flossen, sind die beschuldigten Experten der WHO offiziell sauber. Das hängt mit der Definition von "sauber" zusammen. Sauber ist für die WHO einer, der sich drei Jahre lang nichts zuschulden kommen ließ. Heißt im Klartext z.B.: Ein Wissenschaftler, der 20 Jahre mit Geld der Tabakindustrie forscht und dann drei Jahre aussetzt, der darf (theoretisch) an der Tabakrichtlinie der WHO mit herum schrauben. Vermutlich ist so eine Verjährung nötig, weil Institutionen wie die WHO sonst für ihre Projekte keine unbefleckten Wissenschaftler mehr auftreiben könnten.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
WHO, Interessenkonflikt


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