Kärnten: Spatenpauli beim Testen erwischt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 14.04.2016, 23:19 (vor 2420 Tagen) @ H. Lamarr

Ich war so frei, 16 Meter neben einem Sendemasten wohnend aus vitalem Interesse heraus bei Herrn Köfer die "zahlreichen Studien" anzufragen, "die belegen, dass eine erhöhte Krebserkrankungsrate im Umkreis von Handymasten bestehen kann". Bitte beachten Sie den Konjunktiv, Herr Köfer behauptet keine Tatsache, sondern eine Möglichkeit. Schaunmermal, ob und was da kommt.

Das Büro des Landesrates antwortete unerwartet elo­quent und humorvoll. Mit Zustimmung des Absenders gebe ich den Inhalt der Antwort nachfolgend nur um Unerhebliches gekürzt im Wortlaut wieder:

Sehr geehrter Herr Schall,

bezugnehmend auf folgendes, an uns weitergeleitetes, Email

[...]
Name: Stephan Schall
E-Mail-Adresse: 'info@izgmf.de'
Text: Werter Herr Landesrat,

ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir einige der Studien nennen könnten, denen zufolge im Umkreis von Handymasten mit erhöhtem Krebsaufkommen gerechnet werden kann. Als Vater von 3 Kindern bin ich sehr daran interessiert, wir wohnen 16 Meter von einem Handymasten entfernt.

Besten Dank im Voraus

Stephan Schall

darf ich Ihnen folgendes mitteilen:

Wir haben Ihren Foreneintrag unter dem Pseudonym „Spatenpauli“ (siehe Anhang) mit großem Interesse gelesen. Sie lagen richtig in Ihrer Annahme, dass die FMK, eine von Mobilfunkunternehmen und Hardwareherstellern finanzierte Organisation, die auch als Pressestelle für Fragen zu Handynetzen auftritt, sofort – und wie erwartet - reagiert hat.

Um auf Ihre Frage wenigstens kurz einzugehen, darf ich Sie sowohl auf die Erkenntnisse von Prof. Alexander Lerchl, die er gemeinsam mit den Universitäten Hamburg und Wuppertal erforscht und veröffentlicht hat, verweisen, bzw. auf die Aussendungen der Österreichische Ärztekammer . Wie nicht anders zu erwarten, beißt sich auch hier die FMK wie in einem Reflex (das Wortspiel dürfte gerade Ihnen nicht unbekannt sein) sofort fest und untermauert ihre parteiische Funktion.

Selbstverständlich wissen gerade Sie das, nachdem Sie uns ja nur testen wollten, schon lange.

Michael Gollob

Persönlicher Referent, Protokoll

****************************

Büro Landesrat Gerhard Köfer

Da ich die erwähnte Reaktion des FMK auf deren Website nicht finden konnte, reichte Herr Gollob freundlicherweise folgenden Link nach:

http://www.ots.at/pressemappe/361/forum-mobilkommunikation-fmk

Wie man sich denken kann, habe ich aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht, und meine begründete Meinung über den Vorstoß des Landesrates und über die Argumente des persönlichen Referenten Richtung Klagenfurt geschickt. Getreu dem Motto: Alles hat eine Wirkung größer Null.

"Reflex" als Argument gegen Sendemasten zu bringen, macht ein Kenntnisdefizit der Resolutionäre deutlich: Die Intensitäten, bei denen "Reflex" DNA-Schädigungen zeigte, werden von Handys erreicht, nicht von Mobilfunk-Sendemasten. So gesehen wäre "Reflex" sogar ein Argument für eine Netzverdichtung mit mehr Sendemasten, damit Handys (und auch die Masten) mit möglichst geringer Leistung senden müssen. Den Konjunktiv wählte ich, weil "Reflex" auch dazu nicht taugt: Nach drei gescheiterten dezidierten Replikationsversuchen ist die heiß umstrittene Wiener-/Berliner-Mobilfunkstudie wertlos geworden, egal ob gefälscht oder nicht. Die großen Internationalen Reviewer haben bereits reagiert und fassen "Reflex", wenn überhaupt, nur noch mit der Grillzange an.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
, Reflex, Calling, OeAeK


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