Schilda in Seeshaupt: Mobilfunk-Gutachter widersprechen sich (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 19.07.2015, 13:26 (vor 1346 Tagen)

Seeshaupt ist eine Gemeinde am Starnberger See vor den Toren Münchens. Dort gibt es eine "Bürgerwelle Seeshaupt", die mit der Bürgerwelle des Siegfried Zwerenz (heute) jedoch nur Namensähnlichkeiten gemein hat. Mitten in Seeshaupt kreißte am 15. Juli 2015 der Berg in Gestalt einer sogenannten "Informationsveranstaltung", auf der freilich noch nicht einmal ein Mäuslein geboren wurde.

In der an bizarren Geschichten reich gesegneten Anti-Mobilfunk-Landschaft hat Seeshaupt ein Alleinstellungsmerkmal: Im Streit um die Errichtung eines zweiten Sendemasten im Dorf bestellte die ratlose Gemeindeverwaltung ein Immissionsgutachten beim Umweltinstitut München, gleichzeitig orderte die "Bürgerwelle Seeshaupt" ihrerseits ein zweites Gutachten beim EMF-Institut von Dr. Nießen, Köln. Und weil selbsternannte sowie öffentlich bestellte und vereidigte Gutachter in EMF-Streitfragen keine allgemein anerkannten verbindlichen Bewertungskriterien kennen, sondern nach Gutdünken gutachtern, kam was kommen musste: Die Empfehlungen der Gutachter waren nicht deckungsgleich, der eine empfahl den Standort A, der andere Standort B.

Sich über Details zu unterhalten ist müßig, das Übel liegt bereits in der unnötigen Beauftragung der beiden Gutachter. Man wähnt sich als Großstädter wegen des kuriosen Gedöns um den zweiten Mobilfunk-Standort im Dorf geradezu irgendwo hinterm Wald. Kein Gedöns gibt es z.B. 50 km weiter nordöstlich in München mit seinen rund 1200 Mobilfunk-Standorten mit mehr als 6500 Antennen. Warum nicht? Schwer zu sagen, Dorf und Großstadt sind seit jeher anders, vermutlich sind die Stadtpolitiker in München in Elektrosmog-Streitfragen deutlich erfahrener und unaufgeregter als dort, wo der entnervte See sein müdes Haupt bettet. Dennoch verwundert es mich immer wieder aufs Neue, wie unprofessionell manche Gemeinden auf (inszeniertes) EMF-Gezeter reagieren und sich, wie im konkreten Fall, von einem wild gewordenen Zahntechniker unter Druck setzen lassen. Es sind zwar im Vergleich zur Blütezeit der Mobilfunkgegnerei vor zehn Jahren nur noch wenige Gemeinden, die Zirkus veranstalten, aber eben nicht Null. Das Schauspiel, das sich dann vor Ort abspielt, ist stets das gleiche, 2008 habe ich's in dem Beitrag Maximaler Profit mit Minimaler Funkstrahlung beschrieben, was damals galt, wird genauso noch heute praktiziert. Denn jeden Morgen steht ein "Dummer" auf. Unerwähnt bleibt in dem Artikel allerdings ein weiterer Akteur, der nur zu gerne im Dunstkreis von Gutachtern auftritt, um gegen Honorar "aufzuklären". Gemeint ist der Akteur "Rechtsanwalt". Auch in Seeshaupt war einer zugegen, eingeladen von der "Bürgerwelle Seeshaupt", womit klar ist, welche Position dieser Anwalt bevorzugt verteidigt.

Durch der Mehrzweckhalle von Seeshaupt kroch mMn am 15. Juli ein dicker Wurm. Denn eine objektive Information der 130 Besucher kann bei diesem Podium mit Referenten, die an der Mobilfunkdebatte finanziell verdienen, nicht gegeben sein. Es fehlte dort die Stimme, die fragte, was das ganze Gedöns eigentlich solle, und darlegte, dass, wenn überhaupt, von Handys ein Risiko ausgehe, nicht aber von Sendemasten.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Geschäftsmodell, Umweltinstitut München, Bürgerwelle, Ziel, Druck, Immissionsgutachten, Steuerverschwendung, Merkur, Haider, Seeshaupt, Starnberg, Ulrich, NIRView, Fass, Krebsgeschwür


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