Mit dem Plural der verdammten Einzahl entkommen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 25.08.2014, 23:05 (vor 1929 Tagen)

"Wir wissen ..." hört sich im Vergleich zu "Ich weiß ..." merklich mächtiger an. Der Plural wird daher von vielen Referenten in der Anti-Mobilfunk-Debatte dem Singular auch dann vorgezogen, wenn dieser treffend wäre und der Plural nur verlogen ist. Das aber gilt nicht nur für Referenten, und nicht nur für die Anti-Mobilfunk-Debatte, sondern für beinahe alle von uns. Wollen wir uns wichtig machen, blasen wir uns gerne mit dem Plural auf, eine der lässlicheren Sünden, die wir täglich begehen. Ein Ex-Teilnehmer unseres Forums, der heute sein Exil im Gigaherz-Forum hat, ist der lebende Beweis für diese These.

Frau Buchs lieferte eben dort heute ein weiteres Beispiel, wie sich mit dem gewichtigen Plural die belanglose hässliche Einzahl wegpudern lässt. Sie schreibt:

Was aber wohl noch weniger bekannt ist, dass auch Roboterrasenmäher bzw. Ladenstationen sehr breitbandige Störungen auf Langwelle und Kurzwelle verursachen können und zwar eine Art pfeifender Störsender in unterschiedlichen Tonhöhen.

So habe ich in einem Funkerforum folgende Meldung gefunden:
ein Roboterrasenmäher wurde voriges Jahr von der Bakom "stillgelegt", weil er Störungen im gesamten KW-Bereich ähnlich PLC machte
http://forum.db3om.de/ftopic5996-90.html

Wer das liest muss den Eindruck bekommen, Roborterrasenmäher und/oder deren Ladestationen würden weltweit reihenweise Funkbänder der Funkamateure mit Störsignalen verseuchen.

Und wenn Frau Buchs dann leutselig fort fährt mit "So habe ich ...folgende Meldung gefunden", dann bedeutet dies im deutschen Sprachraum: Diese Meldung ist nur eine von mehreren oder gar vielen.

Doch nichts von alledem trifft zu, Frau Buchs schildert in Wahrheit einen Einzelfall, stützt sich einzig und allein auf die eine Meldung, auf die sie auch verlinkt. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen eine zweite Funkstörung durch Roboterrasenmäher dingfest zu machen. Die überdies nicht verwunderlich wäre, denn in Roboterrasenmähern treibt ein kräftiger E-Motor (mit Kollektoren) das Schnittmesser an, und wenn dann der Entstörkondensator defekt ist, dann stört Funkenbildung am Kollektor ein breites Frequenzband, wie das z.B. von defekten Elektrowerkzeugen bekannt ist.

Selbst die Quelle, die Frau Buchs dankenswerterweise genannt hat, berichtet von nur einem einzigen belanglosen Einzelfall.

Fazit: Aus einem einzigen defekten Roboterrasenmäher, der über den unmittelbar Betroffenen hinaus kaum eine Erwähnung wert ist, macht Frau Buchs ein latent in der Luft liegendes Gesundheitsrisko für alle "Elektrosensiblen" weltweit:

"Was aber wohl noch weniger bekannt ist, dass auch Roboterrasenmäher bzw. Ladenstationen sehr breitbandige Störungen auf Langwelle und Kurzwelle verursachen können ...". Nein, es ist eben nicht "noch weniger bekannt", sondern es wird mangels Fallzahlen auf Dauer völlig unbekannt bleiben, dass Roboterrasenmäher im Fehlerfall Funkstörungen verursachen können.

Offen bleibt, warum die Gigaherz-Vorständlerin überhaupt diese Behauptung in die Welt setzt, die Chancen auf eine dramatische Bild-Titelzeile über von Roboterrasenmähern terrorisierte Elektrosmogopfer sind denkbar gering.

Wer muss sich solcher Tricks bedienen? Aus meiner Sicht derjenige, in dessen Köcher keine Pfeile mehr stecken, denn wer gute Argumente hat, ist auf Munkeln & Raunen und einen defekten Roboterrasenmäher nicht angewiesen.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Manipulation, Plural, Funkamateur, Debatte


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