Beratungsresistente Phobiker vs. Risikokommunikation (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 13.11.2013, 22:13 (vor 2139 Tagen)

Wieder einmal sind es Schweizer, die in der unrühmlichen Mobilfunkdebatte Zeichen setzen. Diesmal allerdings keine wild gewordenen Mobilfunkgegner, sondern drei Wissenschaftler des Instituts für Kommunikation und Gesundheit an der Universität der italienischen Schweiz in Lugano.

Die drei haben untersucht, ob der Versuch, Entwarnung gegenüber den Risiken von Mobilfunk-Sendemasten zu geben, mehr Schaden als Nutzen bringt. Das Ergebnis ist dokumentiert in dem Fachartikel "A Boomerang Effect of an All-Clear Message on Radiation Risk" (Bumerangeffekt nach Entwarnung gegenüber Stahlenrisiko), der online am 11. Oktober 2013 publiziert wurde. Die Wissenschaftler kommen zu einem Ergebnis, das die Stammleser des IZgMF-Forums überhaupt nicht überraschen wird: Künftig werden beratungsresistente Phobiker der vernunftbasierten Risikokommunikation ihre Grenzen aufzeigen.

Nachfolgend die Übersetzung des Abstracts der Arbeit:

Bewirkt Überzeugungsarbeit das Gegenteil von dem, was erreicht werden sollte, spricht man in der Psychologie von einem Bumerangeffekt. In der Risikokommunikation sind Bumerangeffekte nicht neu, bislang kannte man sie allerdings hauptsächlich als Folge von Vorbeugemaßnahmen gegen Alkohol-, Nikotin- oder Drogensucht. Bumerangeffekte infolge der Entwarnung vor Umweltrisiken wurden bislang nicht nachgewiesen. Die wichtigsten theoretischen Grundlagen des Bumerangeffekts schließen jedoch nicht aus, dass derartige Effekte auch bei Entwarnungen auftreten können. Der Artikel schildert folglich ein Experiment, das die Existenz des Bumerangeffekts am Beispiel der Entwarnung bezüglich der Strahlung eines Mobilfunk-Sendemasten belegt. Betroffene, die wegen der Strahlung sehr besorgt waren und im Rahmen des Experiments mit einer kurz begründeten Entwarnung konfrontiert wurden, waren anschließend im Mittel noch stärker besorgt. Sollte es diese Form des Bumerangeffekts unabhängig vom Strahlungsrisiko geben, haben wir es mit Menschen zu tun, die sich wegen realer und gefühlter Umweltrisiken sorgen, und zugleich kaum davon zu überzeugen sind, dass sie sich grundlos sorgen. Dies blockiert auf lange Sicht jede vernunftbasierte Risikokommunikation und führt zu einer sozialen Gruppe von Menschen, die für irrationale Sorgen und Ängste offen sind, jedoch immun gegen Aufklärung und Beratung.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Risikokommunikation, Beratungsresistent, Entwarnung


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