Grundsatzfrage: Müssen Studienkritiker bipolar kritisieren? (Allgemein)

Kuddel, Freitag, 31.05.2013, 11:44 (vor 3530 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Freitag, 31.05.2013, 13:17

Ein paar Überlegungen meinerseits:

Lerchl hat sich Studien zur Brust genommen, die in der Öffentlichkeit bzw den Medien von Laien wild diskutiert und interpretiert wurden, statt in der wissenschaftlichen Community.
D.h. diese Studien haben einen hohen "impact" auf die Meinungsbildung Bevölkerung, obwohl sie nur einen geringen "Impact" auf die Wissenschaftscommunity hatten, bzw eigentlich zu "unreif" für den Gang an die Öffentlichkeit waren (Widersprüche zu anderen Studienergebnissen, ausstehende Replikationen,etc).

Wenn ein Wissenschftler aus seiner Sicht "unerwartete" Ergebnisse eines Kollegen sieht, dann sieht er sich diese genauer an, um herauszufinden, warum es den eigenen Vorstellungen widerspricht.

Die Kohortenstudie ist ja m.W.n. eine epidemiologische Studie.
Bei den Studien(kritiken) von Lerchl scheint es sich hingegen überwiegend um Laborstudien zu handeln. Vielleicht bedarf es einer anderen Art "Spezialisierung", um epidemiologische Studien durchzuführen und folglich zu kritisieren.

Ferner vermute ich, daß die Kohortenstudie für Lerchl eben keine "unerwarteten" Ergebnisse hervorbrachte, denn die Ergebnisse deckten sich mit denen anderer Studien, was die Studie "langweilig" macht.

Im Fall Hardell: Damit (obwohl epidemiologisch) hat er sich vermutlich beschäftigt , weil Hardell eben von seinem Erzfeind Adlkofer ins öffentliche Rampenlicht gezerrt wurde, obwohl die Ergebnisse von Hardell in der wissenschaftlichen Community stark umstritten sind.
Selbst Dariusz hat Hardell kritisiert. Ich glaube es ging darum, daß Hardell immer und immer wieder die selben Daten zu neuen Studien verwurstete. Falls die Daten einen Fehler haben, werden auch die neuen Studien einen Fehler haben. Das heißt es wird nur Masse (viele Studien) statt Klasse (Studien mit neuem Erkenntnisgewinn) erzeugt.
Eine weitere Motivation, sich mit Hardell zu befassen, mag der Vorgang gewesen sein, daß in der Öffentlichkeit (durch die Anti-Mobilfunkszene) verbreitet wird, Lerchl sei zugunsten Hardell bei einem Meeting ausgeladen worden.

Ich denke, daß manche Reaktionen von Lerchl auch durch Emotionen bestimmt sind und er zudem dazu neigt, einen beleidigenden Unterton anzuschlagen, bzw sehr undiplomatisch (m.M.n. vorschnell) das Wort "Wissenschaftsbetrug" zu verwenden. Das ist nicht konstruktiv, sondern vernichtend und nimmt dem Gegenüber die Gelegenheit sich zu (ver) bessern.
Das war ein Punkt, der mich schon bei den Relfex Kritiken störte,..dass sofort das Wort "Betrug" im Raum stand, was ein absichtliches Fehlverhalten unterstellt und die Möglichkeit eines unbeabsichtigten "Irrtums" ausschließt. Sei es auch durch mangelnde Sorgfalt, mangelnde methodische Fachkenntnis oder Naivität .
Die Fronten sind sofort so verhärtet, dass eine klärende Diskussion und eine Lösung unter "Wahrung des Gesichts" unmöglich ist.

Wenn man öffentlich Kritik an "Kollegen" äußert, macht man sich bei diesen unbeliebt und die "Community" spaltet sich automatisch in Sympathie-Lager: Diejenigen welche die Kritik für berechtigt halten ("das mußte mal gesagt werden, bisher hatte sich nur keiner getraut") und diejenigen, welche finden "er hätte sich ruhig etwas diplomatischer ausdrücken können", und denjenigen, welche finden daß er in seiner Kritik zu weit gegangen ist oder sich vielleicht fragen, ob auch sie selbst demnächst "angegriffen" werden. Das erzeugt dann dissonante Zwischentöne in der Kommunikation zwischen den Lagern.

K

Tags:
Wissenschaftsbetrug


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