Wiebusch ./. Hensinger: Duell der Lobbyisten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 07.06.2012, 11:29 (vor 3427 Tagen)

Die Website "Mobile Business" hat zwei in der Mobilfunkdebatte aktive Lobbyisten zum Interview gebeten.

In der einen Ecke Dagmar Wiebusch von dem Verein IZMF (Mobilfunkindustrie) und in der anderen Ecke der renommierte Mobilfunkgegner Peter Hensinger von dem Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk. Die beiden Links führen zu den Interviews mit den beiden Lobbyisten.

Die am 4. Mai 2012 getrennt voneinander geführten Interviews wurden von Mobile Business auch getrennt ins Netz gestellt, über beiden thront zusätzlich noch der Artikel "Die Risiken von Mobilfunkstrahlung: Gesundheitsschädigend oder völlig harmlos?".

Bemerkenswert an dieser Trilogie sind die Interviews, denn Interviewerin Ina Schlücker stellt Dagmar Wiebusch und dem renommierten Mobilfunkgegner Peter Hensinger dieselben Fragen! Damit ist ein Vergleich möglich, wie Lobbyisten der Mobilfunkindustrie und renommierte Lobbyisten der Mobilfunkgegnerei argumentieren.

Hier in direkter Gegenüberstellung eine kleine Auswahl der Antworten, wie sie Dagmar Wiebusch und der renommierte Mobilfunkgegner Peter Hensinger auf gleich lautende Fragen gaben. Dort findet sich auch die Antwort auf die Frage, warum ich ausgerechnet dem unerfahrenen Peter Hensinger so viel Renommee zugestanden habe:


Frage Interviewerin: Inwiefern nehmen z.B. Mobilfunkanbieter oder Handyhersteller auf solche Studien gezielt Einfluss?

Antwort Wiebusch: Die Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland unterstützen die Forschungsaktivitäten, die die Bundesregierung im Bereich der elektromagnetischen Felder initiiert. Sie fördert diese Aktivitäten finanziell ohne auf die Studien selbst Einfluss zu nehmen. Die Vergabe der Gelder liegt beim Bundesamt für Strahlenschutz, das sich bei der Festlegung der Forschungsfragen mit der Strahlenschutzkommission berät.

Antwort Hensinger: Es gibt Untersuchungen, die feststellen, dass industriefinanzierte Mobilfunkstudien meist keine Effekte finden, im Gegensatz zu Studien, die unabhängig oder ausschließlich aus öffentlichen Geldern finanziert werden. Wer zahlt, bestimmt über das Ergebnis. Solche Vorgänge sind ja aus der Tabak-, Pharma- oder Genforschung gut bekannt. Aber über solche Vorgänge in der Mobilfunkbranche berichten die Medien nicht, weil hier durch die Werbeeinnahmen Abhängigkeiten bestehen. Über die institutionelle Korruption in der deutschen Mobilfunkforschung führte erst kürzlich die renommierte Harvard Law School eine Veranstaltung durch. Auch darüber wird nicht berichtet.


Frage Interviewerin: Zahlreiche Studien untersuchten bereits die Folgen von Mobilfunkstrahlung auf den menschlichen Organismus – mit den unterschiedlichsten Ergebnissen. Wie kommt es zu den teils drastisch abweichenden Studienergebnissen?

Antwort Wiebusch: Die Studien zu gesundheitlichen Wirkungen des Mobilfunks sind vielfältig, sowohl was die Krankheitsbilder, die erforscht werden, als auch die Forschungsmethodik angeht. Es gibt Studien, die sich nur mit Befindlichkeitsstörungen wie z.B. Kopfschmerzen befassen, andere untersuchen ausschließlich eine mögliche Krebsentwicklung. Die eine Forschergruppe wertet Bevölkerungsstatistiken aus, andere arbeiten ausnahmslos mit Zellproben, eine dritte nur mit Versuchstieren. Dass die daraus resultierenden Ergebnisse sehr unterschiedlich und schwer vergleichbar sind, ist nicht verwunderlich.

Aus diesem Grund gibt es wissenschaftliche Expertengremien wie die IARC, ICNIRP, WHO, das Bundesamt für Strahlenschutz oder die Strahlenschutzkommission des Bundes (SSK), die regelmäßig alle Studien sichten und wissenschaftlich bewerten. Diese Gremien sind sich bislang einig, dass Mobilfunk keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen verursacht.

Antwort Hensinger: Es gibt Gebiete, auf denen die Studienlage eindeutig ist. So stellte das renommierte Ecolog-Institut nach einer Auswertung aller Studien zum Thema Handy und Spermienschädigung im Oktober 2011 fest, dass von 27 weltweit veröffentlichen Studien 22 ein Schädigungspotential zeigen. Nach Meinung des Ecolog-Institutes „sollten gerade junge Männer mit späterem Kinderwunsch aus Vorsorgegründen darauf achten, ihr Mobiltelefon nicht eingeschaltet am Gürtel oder in der Hosentasche zu tragen, z.B. während eines Telefonats mit Freisprecheinrichtung oder mit einem Headset, und möglichst auch nicht im Stand-by-Modus.“

Unterschiede in den Studienergebnissen im Labor und an Tieren lassen sich zum Beispiel aus der Verwendung von unterschiedlichen Zelllinien und Versuchsparametern erklären. Die Sensibilität von Menschen auf diese Strahlung ist unterschiedlich. Rauchen tötet ja auch nicht jeden. Wir wissen heute, dass der individuelle Zustand des Immunsystems, epigenetische Faktoren und Vorschädigungen eine starke Rolle spielen. Elektrohypersensibilität ist eine neue Zivilisationskrankheit, die in Schweden bereits als Behinderung anerkannt wird.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Unterstellung, Korruption, Tabak, Hensinger, Freisprecheinrichtung, IZMF, Bundesregierung, Renommee, Hypersensibilität, Harvard


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